04.02.2009 · Bislang schlagen die Bemühungen der EZB, den Geldhandel zu stabilisieren, fehl: Der Zins für Übernachtkredite fällt auf ein Prozent. Der EZB-Rat dürfte den Leitzins vorerst auf 2 Prozent belassen, Experten empfehlen jedoch eine Leitzinssenkung.
Von Benedikt FehrDie Bemühungen der Europäischen Zentralbank (EZB), den Geldhandel wieder zu normalisieren, haben bislang nur begrenzten Erfolg. Zwar berichten Geldhändler, dass die Umsätze mit Tagesgeld wieder zugenommen haben. Doch ist andererseits der Zinssatz für Übernachtkredite unter Banken zuletzt auf rund ein Prozent abgerutscht - weit unter den Leitzins von 2 Prozent.
Der Zinsrückgang beim Übernachtgeld sei aber nicht so zu verstehen, dass der Markt von der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag eine Senkung des Leitzinses erwarte, sagen Geldhändler. Damit sei wohl erst auf der Sitzung des EZB-Rats am 5. März zu rechnen.
Mehr Anreiz zum Ausleihen überschüssigen Geldes nötig
Die jüngste Entwicklung am Geldmarkt zeigt vielmehr, dass es unter den Geschäftsbanken weiterhin an Vertrauen fehlt. Viele Häuser befürchten, plötzlichen Liquiditätsbedarf nicht - wie in normalen Zeiten - kurzfristig über den Geldmarkt abdecken zu können. Diese Banken versorgen sich deshalb bei den Refinanzierungsgeschäften der EZB überreichlich mit Liquidität; etwaige Überschüsse an Zentralbankgeld legen sie dann, völlig risikolos, über Nacht in der Einlagenfazilität der EZB an - statt dieses Geld, wie von der EZB erwünscht, anderen Banken auszuleihen und damit den Geldhandel zu beleben.
Um diesen Banken einen Anreiz zum Ausleihen von überschüssigem Geld an andere Banken zu geben, hat die EZB den Zins, den sie für Einlagen vergütet, vom 21. Januar an gesenkt; mit einem Prozent liegt er nun einen vollen Prozentpunkt unter dem Leitzins von 2 Prozent, statt vorher nur 0,5 Prozentpunkte. Die erhoffte Wirkung ist aber nicht eingetreten. Vielmehr haben beim jüngsten Refinanzierungsgeschäft am Montag 501 Geschäftsbanken insgesamt 207 Milliarden Euro zum Festzins von 2 Prozent als Kredit bei der EZB aufgenommen; dabei hätten sie überhaupt kein zusätzliches Geld mehr benötigt, um ihr Mindestreservesoll bei der EZB zu erfüllen.
Mehr Zentralbankgeld geparkt, als nötig
Das Bankensystem hat damit bis zum Ende der Mindestreserveperiode am kommenden Dienstag viel mehr Zentralbankgeld zur Verfügung, als es zur Abdeckung von Mindestreserve und Bargeld benötigt. Absehbar werden die Banken dieses Geld weiterhin in der Einlagenfazilität der EZB parken - und dabei wegen deren geringerer Verzinsung eine Einbuße in Kauf nehmen. In der Nacht von Montag auf Dienstag hatten die Geschäftsbanken 175,8 Milliarden Euro bei der EZB geparkt.
Durch den Liquiditätsüberschuss ist der Zins für Übernachtgeld zuletzt auf rund ein Prozent gefallen. Einige Marktteilnehmer, zum Beispiel ausländische Zentralbanken, verfügten über überschüssige Liquidität, hätten aber keinen Zugang zu der EZB-Einlagenfazilität, erläutert Christoph Rieger, ein Zinsexperte von Dresdner Kleinwort. Sie dienten dieses Geld Geschäftsbanken an, die als ausfallsicher gälten. Da diese Häuser überschüssiges Geld nur in der Einlagenfazilität zu einem Prozent parken könnten, habe sich der Zinssatz für Übernachtgeld nahe ein Prozent eingependelt.
Kreditlinien für andere Häuser wieder erhöht
Allerdings wird am Markt, anders als früher, stärker differenziert, so dass einzelne Marktteilnehmer einen deutlich höheren Zins zahlen müssen - wenn sie überhaupt Kredit erhalten. Der Markt sei fragmentiert, erläutert ein Geldhändler. Positiv daran sei, dass eine ganze Reihe Banken ihre Kreditlinien für andere Häuser wieder erhöht habe; zumindest unter diesen Häusern komme der Markt wieder etwas in Schwung, was sich an steigenden Umsätzen zeige.
Der EZB dürfte der Rückgang des Zinses für Übernachtgeld allerdings ein Dorn im Auge sein. Jedenfalls hatte sie bislang stets die Strategie verfolgt, den wichtigen Zins für Übernachtgeld - der die Basis der Zinsstrukturkurve ist - nahe am Leitzins zu halten; denn über die Höhe des Leitzinses versucht sie die Zinsstrukturkurve und damit auch die Kreditnachfrage der Wirtschaft so zu steuern, dass auf mittlere Frist Preisstabilität herrscht.
Experten empfehlen Leitzinssenkung
Mit einiger Spannung wird nun erwartet, ob der EZB-Rat am Donnerstag weitergehende Maßnahmen zur Normalisierung des Geldmarkts ankündigt. Fachleute empfehlen, den Zinssatz für die Kreditfazilität, über die sich Banken über Nacht Geld bei der EZB leihen können, zu senken - von jetzt „Leitzins plus 100 Basispunkte“ auf „Leitzins plus 50 Basispunkte“. Das würde den Liquiditätsbedarf bei den Refinanzierungsgeschäften vermindern, heißt es. Als positive Entwicklung am Geldmarkt gilt, dass der Zins für Dreimonatsgeld zuletzt auf 2,06 Prozent gefallen ist; das bringt vielen Haushalten und Unternehmen, deren Kreditverzinsung sich an diesem Zins orientiert, eine Entlastung.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat bereits signalisiert, dass der Rat den Leitzins am Donnerstag auf 2 Prozent belassen werde. Das gilt am Markt als gesetzt. Die EZB-Beobachter erhoffen sich deshalb von der Pressekonferenz am Donnerstag vor allem Hinweise auf die künftige Zinspolitik. Für den EZB-Rat dürfte wichtig sein, dass sich die Inflation im Euro-Raum im Januar wegen des rückläufigen Ölpreises und der Konjunkturschwäche auf eine Jahresrate von 1,1 Prozent abgeschwächt hat - und damit unter das Ziel von „unter, aber nahe 2 Prozent“. Michael Saunders, ein EZB-Beobachter der Citibank, sagt voraus, dass der EZB-Rat den Leitzins deshalb bis Jahresmitte auf 0,5 Prozent senken werde. Rieger sieht den Leitzins im Sommer bei einem Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3237 | −0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,20 $ | +0,25% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |