08.07.2011 · Die von der Katjes International begebene Mittelstandsanleihe erfreut sich großer Beliebtheit. Tatsächlich lasten die Schulden derzeit letztlich auf der französischen Lamy Lutti. Die Zusammenarbeit mir der deutschen Katjes soll dieser helfen.
Von Martin HockNach Underberg und Valensina ist auch die Anleihe des dritten Inhaber einer bekannten Konsumgütermarke, Katjes, äußerst erfolgreich gewesen. Die Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro war schon am Morgen des ersten Zeichnungstages plaziert und rund 2,5-fach überzeichnet . Rund 55 Prozent wurden von institutionellen Investoren und Vermögensverwaltern nachgefragt.
Fällig wird das Rentenpapier am 18. Juli 2016 und bietet eine Verzinsung von 7,125 Prozent. Emittentin ist die Katjes International GmbH & Co. KG, die gemeinsam mit ihrer Schwestergesellschaft Katjes Fassin (Katjes Deutschland) die Katjes-Gruppe bilden. Die beiden Kommanditisten der Emittentin und Gesellschafter der Komplementär-GmbH, Bastian Fassin und Tobias Bachmüller sind gleichzeitig Kommanditisten der Katjes Fassin KG und Gesellschafter der Komplementärin.
Kein Katjes drin
Damit haftet Katjes Deutschland nicht für die von der Katjes International begebenen Anleihe. Katjes International bündelt indes lediglich die Beteiligungen der Gesellschafter in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, wobei diese zwei Drittel am französischen Zuckerwarenproduzenten Lamy Lutti und die Hälfte am niederländischen Lakritzhersteller Festivaldi umfassen. Mit einem Marktanteil von 14 Prozent sei Lamy Lutti der zweitgrößte Anbieter von Zuckerwaren in Frankreich hinter Haribo, so Katjes. In Belgien führe das Unternehmen den Markt an. Festivaldi produziere den meistverkauften Lakritz in Holland.
Mit dem Emissionserlös will Katjes International in diesen Märkten auch durch weitere Akquisitionen weiter wachsen. Als erstes wurden die verbleibenden Anteile an Lamy Lutti übernommen. Der Vollzug soll bis zum Ende des Jahres erfolgen.
Alles dreht sich um Lamy Lutti
Im Jahr 2010 erzielte Katjes International Umsatzerlöse aus der Verpachtung ihres Anlagevermögens an die Katjes Fassin GmbH + Co. KG und die Katjes Bonbon GmbH + Co. KG von rund 900.000 Euro. Die betreffenden Immobilien wurde aber mittlerweile verkauft.
Insofern ist Katjes International eine reine Holdinggesellschaft auf das Ergebnis und die Ausschüttungen oder auf den anderweitigen Zufluss von liquiden Mitteln seitens der operativen Gesellschaften angewiesen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass diese keine oder nur eine geringe Ausschüttung vornehmen, heißt es im Prospekt. Zudem stehen Katjes International derzeit keine Erlöse aus Einnahmen aus den Immobilien der Lamy Lutti Gruppe zu.
Lamy Lutti erzielte im Mantel der niederländischen Holding Heel van Snoepjes 2010 einen Umsatz von rund 106,5 Millionen Euro. Das waren drei Millionen Euro mehr als 2009. Gleichzeitig sank der Verlust von 3,3 Millionen auf 138.000 Euro.
Angaben zum Umsatz von Festivaldi, dessen einziges Produkt derzeit noch das in der Niederlande verkaufte Lakritz ist, werden im Prospekt nicht gemacht. Laut Rating-Bericht der Creditreform betrug dieser 3,7 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss betrug 191.000 Euro. Zusammen mit den Verlusten der Katjes International führt das zu einem kumulierten Quasi-Konzernverlust von rund 20.000 Euro.
Unbefriedigende Ertragslage
Eine konsolidierte Bilanz will Katjes International erstmals für 2011 vorlegen. Heel van Snoepjes verfügte 2010 über eine Eigenkapitalquote von rund 30 Prozent bei Brutto-Finanzschulden in rund eben dieser Höhe. Das ist eine durchaus akzeptable Höhe, wenngleich durch die Anleiheemission und die Verwendung für Akquisitionszwecke noch einmal so viel dazu kommen werden. Die Eigenkapital- und Verschuldungseffekte sind dabei vom Erfolg der Akquisitionen abhängig, wenngleich die Erlöse aus dem Immobilienverkauf der Holding von 10 Millionen Euro dem Eigenkapital zufließen sollen.
Analog gilt das für die durchaus unbefriedigende Ertragslage. Nach der Komplettübernahme solle die operative Marge aber von zuletzt 3,4 Prozent auf die Konzernzielmarke von 10 Prozent angehoben werden. Die schwache Gewinnentwicklung sei eine Folge einer zu geringen Einkaufsmacht gewesen, heißt es von den Katjes-Eigentümern. Laut Rating-Bericht sollen die Überschüsse in den kommenden Jahren auf Grund von Verlustvorträgen gegenüber dem Ergebnis vor Steuern vergleichsweise hoch ausfallen.
Synergien sollen Wende herbeiführen
Die Gruppenstruktur und die nackten Zahlen der Katjes International geben nicht unbedingt Anlass zur Freude. Da der wesentliche Teil der Gruppe Lamy Lutti ist, hängt alles von der erfolgreichen Ertragswende dort ab. Diese könnte aus Synergien stammen.
Hier liegt auch die Verbindung zur Katjes Deutschland. Mit deren technischem Know-how soll in den ausländischen Werken die Kapazität erhöht und weniger investiert werden. Im Vertrieb sollen künftig Produkte der Katjes Deutschland und Katjes International gemeinsam auf den jeweiligen Märkten angeboten werden. Darüber hinaus sollen Kapazitäten länderübergreifend genutzt werden. So wird beispielsweise das Katjes-Werk in Emmerich, schon für die Produktion des neuen Fruchtgummis von Festivaldi genutzt.
Damit lässt sich auch der ansonsten doch irreführende Name der Emission rechtfertigen. Da wirtschaftlich die Schuldenlast letztlich auf den Schultern von Lamy Lutti bzw. Heel van Snoepjes lastet.
Ähnlichkeiten zu Underberg und Valensina
Sollten die internationale Expansion oder die Trendwende bei Lamy Lutti scheitern, liegt die Einbringlichkeit der Anleihe in den Händen der Katjeseigner Bastian Fassin (90 Prozent) und Tobias Bachmüller (10 Prozent) und hängt von deren guten Willen ab, ähnlich wie bei Underberg und Valensina.
Mit dem Kupon von 7,125 Prozent bot die Anleihe ursprünglich einen Aufschlag auf den Referenzzins von 4,3 Prozentpunkten. Das Emittenten-Rating von Creditreform liegt mit „BB+“ auf dem Niveau von Underberg, die seinerzeit einen Aufschlag von nur 4 Prozentpunkten zahlten. Valensina boten einen Aufschlag in ähnlicher Höhe. Indes gab es trotz vergleichbarere Holding-Strukturen bei diesen beiden Emittenten eine unmittelbare Anbindung an die bekannten Marken, auch wenn Lamy Lutti in Belgien und Frankreich einen guten Namen zu haben scheint.
Letztlich scheinen die Risiken vergleichbar, was nicht bedeutet, dass sie niedrig sind.Indes wird die Anleihe geschätzt, fiel ihre Rendite doch innerhalb von nur einer Woche auf 6,38 Prozent.