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Katastrophenanleihen Versicherer reichen Sturmrisiko an Anleger weiter

Die Hannover Rück hat eine Katastrophenanleihe über 150 Millionen Euro begeben. Zuvor hatte im April die Allianz mit ihrem Produkt Blue Fin II 180 Millionen Dollar erlöst, das sind 30 Millionen Dollar mehr als erwartet.

© dpa Vergrößern Die Allianz ist mit ihrem Produkt Blue Fin II sehr erfolgreich

Der Versicherungskonzern Hannover Rück hat eine Katastrophenanleihe über 150 Millionen Euro begeben. Nachdem das Neugeschäft mit den sogenannten Cat-Bonds Ende 2008 komplett zum Erliegen gekommen war, ist dies die dritte Emission eines deutschen Rückversicherers in diesem Jahr. Zuvor hatte im April die Allianz mit ihrem Produkt Blue Fin II 180 Millionen und damit 30 Millionen Dollar mehr erlöst, als der Münchener Konzern zuvor erwartet hatte. Die Münchener Rück hat Anfang Juni die erste Katastrophenanleihe dieses Jahres begeben, die Risiken außerhalb des amerikanischen Kontinents abdeckt. Damit erreichte sie ein Emissionsvolumen von 50 Millionen Euro.

Mit diesen Anleihen können die Versicherer ihre Spitzenrisiken absichern. Wenn zum Beispiel in einem Jahr Stürme oder andere Naturkatastrophen unerwartet häufig auftreten oder unerwartet große Schäden verursachen, können die Inhaber der Anleihen ihren Anspruch auf Zinsen oder sogar die Rückzahlung verlieren. Die Käufer der Anleihen, meist institutionelle Anleger wie Hedge-Fonds oder Banken, tragen dieses Risiko und haben im Gegenzug die Aussicht auf eine hohe Rendite, falls die Laufzeit der Anleihe ohne größere Unglücke verstreicht.

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„Das Doppelte der ursprünglich geplanten 75 Millionen Euro plazieren“

Die Hannover Rück verzinst ihre Anleihe Eurus 2 mit 6,75 Prozentpunkten über dem europäischen Termingeldzins Euribor. „Wir freuen uns, dass wir eine Transaktion strukturieren konnten, die auf reges Interesse bei den Investoren gestoßen ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Wallin. Gegenüber dem Vorgängerprodukt Eurus 1 fällt die Verzinsung um 0,5 Punkte höher aus. Allerdings erleiden die Investoren nun schon einen Totalverlust, wenn der von der Hannover Rück kalkulierte 80-Jahres-Fall eintritt - ein Schaden also, der statistisch alle 80 Jahre zu erwarten ist. Eurus 1 hingegen war nur mit 6,25 Prozent über Euribor verzinst, führte dafür aber auch erst beim 100-Jahres-Fall zum Totalverlust für die Investoren. Gedeckt sind damit Schäden aus schweren Stürmen in westeuropäischen Staaten wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Kostspielig wird es für die Käufer der Anleihe, wenn ein europäischer Sturmindex der Hannover Rück, der die Schwere einzelner Unwetter abbildet, 1648 Punkte erreicht. Dann verlieren die Anleger einen Teil ihrer Ansprüche. Treibt ein Sturm den Index auf mehr als 1962 Punkte, ist das ganze Geld verloren.

Infografik / Weltmarkt für Katastrophenanleihen erholt sich © F.A.Z. Vergrößern

Nach Angaben des Unternehmens war die Anleihe deutlich überzeichnet. Die Nachfrage sei groß genug gewesen, um 200 Millionen Euro zu erlösen, hieß es in Hannover. Damit lag die Emission deutlich über den Erwartungen, wie der Konzernchef Wallin betonte: „Wir konnten das Doppelte der ursprünglich geplanten 75 Millionen Euro plazieren.“

Langfristiger Wachstumstrend nur unterbrochen

Im ersten Halbjahr 2009 wurden neun Katastrophenanleihen begeben. Das höchste Emissionsvolumen erzielte der amerikanische Versicherer Liberty Mutual im März mit 225 Millionen Dollar. Damit sicherte sich das Unternehmen gegen Wind- und Erdbebenschäden in den Vereinigten Staaten ab. Die im Juni begebene Anleihe der Münchener Rück hat eine Laufzeit von drei Jahren und bietet eine Verzinsung von 9 Prozentpunkten über Euribor. Sie überträgt Risiken aus Sturmschäden in Westeuropa und aus Erdbeben in der Türkei auf den Kapitalmarkt. Erstmals hat der Rückversicherer dafür Risiken aus dem eigenen Buch mit solchen eines Kunden, dem nationalen türkischen Katastrophenpool, kombiniert.

In den drei letzten Monaten des vergangenen Jahres war keine einzige Katastrophenanleihe begeben worden, weil der Markt durch die Finanzkrise stark verunsichert war. Inzwischen aber ist das Vertrauen der Investoren zurückgekehrt. „Der Wachstumstrend bei Verbriefungen als alternatives und ergänzendes Instrument für den Risikotransfer wird sich wieder einstellen“, sagt der zuständige Münchener-Rück-Vorstand Thomas Blunck. Er rechnet damit, dass der Cat-Bond-Markt außerhalb der Lebensrückversicherungen bis 2015 rund 5 Prozent der gesamten Rückversicherungsprämien ausmachen wird. Durch die Finanzkrise sei der langfristige Wachstumstrend nur unterbrochen worden. Und Allianz-Re-Vorstand Clemens von Weichs kündigte schon an, weitere Anleihen zu begeben - allerdings nicht vor 2010.

Quelle: F.A.Z.

 
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