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Kapitalmarkt Irland steht vor einer Bewährungsprobe

16.08.2010 ·  Dublin ist mit hohen Belastungen der verstaatlichten Anglo Irish Bank konfrontiert. Mit Sorge verfolgen indes Investoren, wie sich die irischen Banken unabhängig vom Staat refinanzieren wollen.

Von Bettina Schulz, London
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Die irische Republik wird am heutigen Dienstag am Kapitalmarkt 1 bis 1,5 Milliarden Euro aufnehmen, um Anleihen mit Laufzeiten bis 2014 und 2020 aufzustocken. Die Plazierung der Tranchen gibt Hinweise darauf, wie bereitwillig sich Investoren in den riskanteren Anleihemärkten der Peripherie-Länder der Währungsunion engagieren, nachdem eine gewisse Skepsis an die Märkte zurückgekehrt ist. Sorgen über den gewaltigen neuen Kapitalbedarf der Anglo Irish Bank und die Abhängigkeit irischer, spanischer und griechischer Banken von Refinanzierungshilfen am Geldmarkt durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben das Vertrauen der Anleger auf eine neue Probe gestellt.

Zwar hatten sich die Märkte nach der Zusage eines Rettungsschirmes durch die Europäische Union und nach den erfolgreichen Stresstests der europäischen Banken erholt. Aber am Montag erhöhten sich die Risikoprämien, die Investoren bei einer Anlage in Staatsanleihen der Peripherie-Länder als Entschädigung gegenüber den als sicher geltenden Bundesanleihen fordern, weiter. Nachdem die Skepsis vergangene Woche vor allem den Markt für irische Staatsanleihen getroffen hatte, griff die Unsicherheit am Montag auf den spanischen und griechischen Markt über.

Risikoprämien „lächerlich“?

Gerüchte, die Europäische Zentralbank (EZB) habe zuletzt wieder stärker irische Staatsanleihen am Markt aufkaufen müssen, bestätigten sich am Montag jedoch nicht, nachdem die EZB ihre jüngste Statistik ihrer Sonderoperation bekanntgab. Mit Käufen von nur 10 Millionen Euro Staatsanleihen war die EZB in der vergangenen Woche an den europäischen Staatsanleihemärkten kaum aktiv. Insgesamt hat sie bisher 60,5 Milliarden Euro Staatsanleihen der finanzschwachen Euro-Länder aufgekauft, um die Märkte zu stabilisieren.

Der Risikoaufschlag griechischer Anleihen gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen zog am Montag um 12 Basispunkte auf 8,1 Prozent an. Für spanische Anleihen erhöhte sich der Aufschlag um 9 Basispunkte auf 1,85 Prozent und für irische Anleihen um 5 Basispunkte auf 2,93 Prozent. Vergangene Woche, als Irland mit einer Rendite von 5,54 Prozent 300 Basispunkte mehr als Deutschland für eine zehnjährige Schuldenaufnahme zahlen musste, klagte der Gouverneur der irischen Zentralbank, Patrick Honohan, die Risikoprämien, die Investoren von Irland forderten, seien „lächerlich“. Sie seien - wegen der höheren Kosten für das Land - ein Rückschlag für die Reformbemühungen.

Weiteres EU-Hilfspaket

Irland hat die härtesten Sparmaßnahmen der Europäischen Union verabschiedet. Aber Sorgen über die schwächeren Konjunkturaussichten seiner beiden wichtigen Handelspartner, der Vereinigten Staaten und Großbritannien, trüben die Konjunkturaussichten Irlands und Hoffnungen auf höhere Steuereinnahmen ein. Gleichzeitig unterminiert der Kapitalbedarf von Anglo Irish Bank die Bestrebungen, den Haushalt zu sanieren.

Insgesamt belaufen sich die Nettokosten der irischen Bankenrettung auf 25 Milliarden Euro, fast 16 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Nachdem die verstaatlichte Anglo Irish Bank im vergangenen Jahr 4 Milliarden Euro und im Frühjahr 10,3 Milliarden Euro Rettungskapital vom irischen Staat erhalten hat, segnete die Europäische Union (EU) vergangene Woche ein weiteres Hilfspaket für die Bank von 8,58 bis 10,1 Milliarden Euro ab. Die beiden letzten Kapitalzahlungen werden das Haushaltsdefizit Irlands dieses Jahr auf mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schnellen lassen.

Investoren voller Sorge ob der Abhängigkeit vom Staat

„Dies ist ein furchtbarer Schlag für das System. Es ist teuer - aber es ist machbar“, sagte Honohan am Montag. Investoren reagierten auch gegenüber anderen irischen Banken vorsichtig: Der Aktienkurs der Bank of Ireland gab um bis zu 10 Prozent auf 0,72 Euro nach. An der Bank ist der irische Staat zu 36 Prozent mit teuren Vorzugsaktien beteiligt, die das Management bis 2013 langsam wieder zurückkaufen will, um der Bank ihre Unabhängigkeit zurückzugeben. Im Juni hatte die Bank of Ireland 2,8 Milliarden Euro Kapital aufgenommen. Sie absolvierte den europäischen Bankenstresstest mit einer Eigenkapitalquote (Tier 1) von nicht gerade üppigen 7,1 Prozent. Allied Irish Bank (AIB) muss noch 7,4 Milliarden Euro Kapital aufnehmen, bestand den Stresstest ebenfalls mit einer Eigenkapitalquote von 6,5 Prozent so eben gerade. Der Aktienkurs der AIB gab am Montag im Handel um bis zu 5,5 Prozent nach.

Mit Sorge verfolgen Investoren, wie sich die irischen Banken auf Dauer unabhängig vom Staat refinanzieren werden. Die EU hat gerade ein Garantieprogramm des irischen Staates bis Ende 2010 verlängert, damit sich die irischen Banken zu Laufzeiten von bis zu 5 Jahren verschulden können, bevor das ursprüngliche auf zwei Jahre ausgelegte Garantieprogramm vom September 2008 ausläuft. Während die Bank of Ireland versucht, auf das Garantieprogramm zu verzichten, pochen die anderen Institute wie Allied Irish Bank auf eine Verlängerung über das Jahresende hinaus.

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