http://www.faz.net/-gv6-75dwc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 28.12.2012, 19:14 Uhr

Kapitalmarkt Das Ende der „Bundesschätzchen“

Einst sollten sie den Deutschen den Kapitalmarkt schmackhaft machen, doch nun sind die Bundesschatzbriefe mangels Nachfrage zum Auslaufmodell geworden. Die Alternativen für die Anleger sind mager.

von
© Zimmermann, Julia Die Eiserne Schildkröte warb einst für die Finanzagentur um Privatkunden

Am Ende erfüllte Wilhelm Hankel Wehmut. „Ich finde, eine große Idee ist gestorben“, sagte der ehemalige Ministerialdirigent und Wirtschaftsprofessor, der als einer der Väter der Bundesschatzbriefe gilt, als im Sommer deren Abschaffung bekannt gegeben wurde. Von Januar an ist es so weit: Es werden keinen neuen Bundesschatzbriefe mehr auf den Markt gebracht, und auch sonst stellt die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH das Direktgeschäft mit Privatkunden ein. Bestehende Depots werden zwar fortgeführt, kein Sparer muss also unmittelbar etwas tun, aber neue Anlagen sind vom 1. Januar an nicht mehr möglich. Damit eine endete eine 43 Jahre dauernde Ära auf dem deutschen Kapitalmarkt.

„Die Bundesschätzchen sollten ein Gegenmodell zum Volkseigentum der früheren DDR werden“, erinnerte sich der frühere Spitzenbeamte im Wirtschaftsministerium Hankel kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir im Westen wollten die Soziale Marktwirtschaft nicht nur im Supermarkt erleben, sondern auch am Kapitalmarkt.“ Das Bundesschätzchen sei als Türöffner für einen sozialen Kapitalmarkt der kleinen Leute gedacht gewesen.

Die Kleinanleger vertrauen es der Bank zu besseren Konditionen an

Die ließen sich auch lange für die Idee begeistern. Das Geld war so sicher wie auf dem Sparbuch, warf aber höhere Zinsen ab. Bei den ersten Serien stieg der Kupon von 4 Prozent im ersten auf 8 Prozent im sechsten Jahr. Das waren Zinsen, die sich mit denen auf dem Anleihemarkt messen lassen konnten. Zugleich vermieden die Sparer jedoch das mit Zinsänderungen verbundene Kursrisiko. Die Bundesschatzbriefe konnten anders als Anleihen während der Laufzeit zum Nennwert an den Staat zurückgegeben werden. Die Kombination war beliebt. In den neunziger Jahren finanzierte der Bund zeitweise mehr als 40 Prozent seiner neuen Schulden bei Kleinanlegern.

Doch inzwischen sind die Zinsen für die Bundesschatzbriefe viel niedriger. Die letzte Serie ist in den ersten drei Jahren fast gar nicht mehr verzinst. Erst vom dritten Jahr an gibt es einen Zins von 0,5 Prozent, der bis zum Ende der Laufzeit auf magere 1,5 Prozent ansteigt. Natürlich werfen auch die deutschen Bundesanleihen kaum mehr ab, aber angesichts solch niedriger Zinsen geben viele Kleinanleger ihr Geld gar nicht mehr für längere Fristen aus der Hand oder vertrauen es ihrer Bank zu besseren Konditionen an. Tagesgeldkonten der Banken sind bei täglicher Verfügbarkeit derzeit mit etwa 1 bis 2 Prozent verzinst.

Und so hat die Nachfrage nach Sparprodukten der Finanzagentur in den vergangenen Jahren immer weiter abgenommen. Derzeit liegen in den von ihr verwalteten kostenfreien Privatdepots nur noch etwa 8 Milliarden Euro. Diese Depots werden weitergeführt. Dabei können aber nur die Zinsen wieder angelegt werden, den Erwerb neuer Schuldtitel bietet die Finanzagentur ihren mehr als 300.000 Kunden vom neuen Jahr an nicht mehr an.

Mehr zum Thema

Die können zwar weiterhin in Schuldtitel des deutschen Staates investieren. Doch das müssen sie künftig über ihre Banken tun, die sich anders als die staatliche Finanzagentur für Depotführung und Kauf der Wertpapiere bezahlen lassen. Selbst auf Schatzbriefe müssen Nostalgiker nicht ganz verzichten. Einige Banken bieten unter dem offenbar ungeschützten Markennamen Sparprodukte an, die an die Bundesschatzbriefe angelehnt sind. So gibt es verschiedene Stufenzinsanleihen von Morgan Stanley, die zum Teil mit mehr als 3 Prozent verzinst sind.

Allerdings sollten Sparer beim Kauf derartiger Titel bedenken, dass es sich um Bankschuldverschreibungen handelt. Die Rückzahlung hängt also von der Zahlungsfähigkeit der jeweiligen Bank ab. Außerdem ist anders als bei Bundesschatzbriefen während der Laufzeit die Rückgabe zum Nennwert nicht garantiert.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Behörden in der Kritik Wachsende Zweifel an Banken-Stresstests

Vertreter deutscher Banken erwarten keine neuen Erkenntnisse der Prüfungen. Stattdessen sollten die Aufseher handeln. Denn auch sie stehen in enormer Kritik. Mehr Von Markus Frühauf

18.07.2016, 12:25 Uhr | Finanzen
Nach dem Brexit Finanzplatz Frankfurt wittert die große Chance

Noch 2015 war die City of London laut des Statistischen Bundesamts der bedeutendste Finanzplatz der Welt. Vor New York, Hongkong, Singapur. Das deutsche Finanzzentrum Frankfurt dagegen liegt auf Platz 14. Zweitklassig, ein bisschen provinziell wirkt Frankfurt am Main gegenüber den gigantischen Finanzmetropolen der Welt. Doch mit dem Brexit könnte sich das ändern. Mehr

06.07.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Nach Putschversuch Wie sicher ist das Geld bei einer türkischen Bank?

Nach dem Putschversuch hat die türkische Regierung die Asya Bank vorübergehend geschlossen. Müssen deutsche Anleger fürchten, dass auch ihre Bank bei Erdogan in Missgunst fallen kann? Mehr Von Tim Kanning

19.07.2016, 07:28 Uhr | Finanzen
Stresstest Müssen wir schon wieder die Banken retten?

Nie wieder sollten wir Steuerzahler für marode Banken haften, hatte die Politik gelobt. Jetzt zeigt sich: Dieses Versprechen ist nichts wert. Ein Kommentar. Mehr Von Dennis Kremer

18.07.2016, 08:43 Uhr | Finanzen
Comdirect-Panne Wer hat in mein Konto geschaut?

Eine Softwarepanne trifft die Direktbank. Betroffene fragen sich: Wer hat in mein Konto gesehen? Tausende werden erst spät informiert. Immerhin bleibt das Call-Center im Test souverän. Mehr Von Hanno Mussler

18.07.2016, 17:30 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
F.A.Z.-ANLEIHEN -- --
BUND FUTURE -- --
EURO-BOBL-FUTURE -- --
REX GESAMT PERF. -- --
Zinsen