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Kapitalmarkt Das Ende der „Bundesschätzchen“

 ·  Einst sollten sie den Deutschen den Kapitalmarkt schmackhaft machen, doch nun sind die Bundesschatzbriefe mangels Nachfrage zum Auslaufmodell geworden. Die Alternativen für die Anleger sind mager.

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© Zimmermann, Julia Vergrößern Die Eiserne Schildkröte warb einst für die Finanzagentur um Privatkunden

Am Ende erfüllte Wilhelm Hankel Wehmut. „Ich finde, eine große Idee ist gestorben“, sagte der ehemalige Ministerialdirigent und Wirtschaftsprofessor, der als einer der Väter der Bundesschatzbriefe gilt, als im Sommer deren Abschaffung bekannt gegeben wurde. Von Januar an ist es so weit: Es werden keinen neuen Bundesschatzbriefe mehr auf den Markt gebracht, und auch sonst stellt die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH das Direktgeschäft mit Privatkunden ein. Bestehende Depots werden zwar fortgeführt, kein Sparer muss also unmittelbar etwas tun, aber neue Anlagen sind vom 1. Januar an nicht mehr möglich. Damit eine endete eine 43 Jahre dauernde Ära auf dem deutschen Kapitalmarkt.

„Die Bundesschätzchen sollten ein Gegenmodell zum Volkseigentum der früheren DDR werden“, erinnerte sich der frühere Spitzenbeamte im Wirtschaftsministerium Hankel kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir im Westen wollten die Soziale Marktwirtschaft nicht nur im Supermarkt erleben, sondern auch am Kapitalmarkt.“ Das Bundesschätzchen sei als Türöffner für einen sozialen Kapitalmarkt der kleinen Leute gedacht gewesen.

Die Kleinanleger vertrauen es der Bank zu besseren Konditionen an

Die ließen sich auch lange für die Idee begeistern. Das Geld war so sicher wie auf dem Sparbuch, warf aber höhere Zinsen ab. Bei den ersten Serien stieg der Kupon von 4 Prozent im ersten auf 8 Prozent im sechsten Jahr. Das waren Zinsen, die sich mit denen auf dem Anleihemarkt messen lassen konnten. Zugleich vermieden die Sparer jedoch das mit Zinsänderungen verbundene Kursrisiko. Die Bundesschatzbriefe konnten anders als Anleihen während der Laufzeit zum Nennwert an den Staat zurückgegeben werden. Die Kombination war beliebt. In den neunziger Jahren finanzierte der Bund zeitweise mehr als 40 Prozent seiner neuen Schulden bei Kleinanlegern.

Doch inzwischen sind die Zinsen für die Bundesschatzbriefe viel niedriger. Die letzte Serie ist in den ersten drei Jahren fast gar nicht mehr verzinst. Erst vom dritten Jahr an gibt es einen Zins von 0,5 Prozent, der bis zum Ende der Laufzeit auf magere 1,5 Prozent ansteigt. Natürlich werfen auch die deutschen Bundesanleihen kaum mehr ab, aber angesichts solch niedriger Zinsen geben viele Kleinanleger ihr Geld gar nicht mehr für längere Fristen aus der Hand oder vertrauen es ihrer Bank zu besseren Konditionen an. Tagesgeldkonten der Banken sind bei täglicher Verfügbarkeit derzeit mit etwa 1 bis 2 Prozent verzinst.

Und so hat die Nachfrage nach Sparprodukten der Finanzagentur in den vergangenen Jahren immer weiter abgenommen. Derzeit liegen in den von ihr verwalteten kostenfreien Privatdepots nur noch etwa 8 Milliarden Euro. Diese Depots werden weitergeführt. Dabei können aber nur die Zinsen wieder angelegt werden, den Erwerb neuer Schuldtitel bietet die Finanzagentur ihren mehr als 300.000 Kunden vom neuen Jahr an nicht mehr an.

Die können zwar weiterhin in Schuldtitel des deutschen Staates investieren. Doch das müssen sie künftig über ihre Banken tun, die sich anders als die staatliche Finanzagentur für Depotführung und Kauf der Wertpapiere bezahlen lassen. Selbst auf Schatzbriefe müssen Nostalgiker nicht ganz verzichten. Einige Banken bieten unter dem offenbar ungeschützten Markennamen Sparprodukte an, die an die Bundesschatzbriefe angelehnt sind. So gibt es verschiedene Stufenzinsanleihen von Morgan Stanley, die zum Teil mit mehr als 3 Prozent verzinst sind.

Allerdings sollten Sparer beim Kauf derartiger Titel bedenken, dass es sich um Bankschuldverschreibungen handelt. Die Rückzahlung hängt also von der Zahlungsfähigkeit der jeweiligen Bank ab. Außerdem ist anders als bei Bundesschatzbriefen während der Laufzeit die Rückgabe zum Nennwert nicht garantiert.

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