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Interview "Richtige Laufzeitwahl bestimmt 80 Prozent der Performance"

06.04.2001 ·  Richtig in Anleihen zu investieren will gelernt sein. FAZ.NET sprach darüber mit einem Experten.

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Die Kursmisere bei den Aktien treibt die Anleger in Scharen an den Rentenmarkt. Aber auch hier entscheidet die richtige Strategie über den Anlageerfolg. FAZ.NET sprach darüber mit Helmut Kaiser, Leiter Renten und Währungen bei der Anlagestrategie Privatkunden der Deutschen Bank.

Angenommen, ein Anleger mit mittlerer Risikobereitschaft und einem Anlagehorizont von mindestens einem Jahr hat 100.000 Euro für ein reines Rentenportfolio zur Verfügung. Wie sollte er das Portfolio regional aufteilen?

Als Anleger, der sowohl auf Einkommen als auch auf Wachstum setzt, sollte er zu 95 Prozent in der Eurozone und zu fünf Prozent in Osteuropa investieren. Auf Fremdwährungsanleihen sollte er verzichten. Auf Sicht von zwölf Monaten geben wir nämlich dem Euro gegenüber den wichtigsten Währungen gute Erholungschancen. Zudem sind die Zinsaufschläge etwa in den USA nicht mehr so attraktiv.

Welche Bedeutung kommt bei diesen Depotgrößen der Anlage in Rentenfonds zu?

Unter Risikogesichtspunkten spricht bei Depotgrößen bis zu einer Million Euro vieles für eine Fondslösung gegenüber der Auswahl von Einzeltiteln. Der Ausgabeaufschlag, also der Preis für die Diversifizierungsleistung, variiert hier zwischen zwei und vier Prozent. Besonders aber der nur fünfprozentige Osteuropaanteil sollte mit einem Rentenfonds abgedeckt werden, der auf die Zinskonvergenz der EU-Beitrittskandidaten setzt.

Welche Einzeltitel halten Sie für attraktiv?

An Einzeltiteln in Europa favorisieren wir derzeit italienische, spanische und französische Staatsanleihen wegen ihres attraktiven Renditeaufschlags gegenüber deutschen Staatstiteln. Das gleiche gilt in Deutschland für Jumbopfandbriefe, die hohe Anlagesicherheit mit hoher Liquidität verbinden und derzeit mit bis zu 60 Basispunkten über vergleichbaren Staatstiteln rentieren. Ein Beispiel ist etwa der 4,5-prozentige Pfandbrief der Deutschen Hypothekenbank mit einer Laufzeit bis 2006 und einer Rendite von rund 4,8 Prozent (WKN 242 589).

Unter den Unternehmensanleihen bevorzugen wir derzeit etwa defensive Branchen wie die Baubranche, Versorger oder Anlagenbauer. Als Beispiel wäre etwa die 6,375-prozentige Anleihe von Heidelberger Zement mit einer Laufzeit bis 2007 und einer Rendite von rund 5,6 Prozent (WKN 452 390) zu nennen.

Insgesamt setzen wir - wegen unseres Zinsszenarios einer steileren Renditekurve auf Jahressicht - auf kurze und mittlere Laufzeiten von durchschnittlich etwa vier Jahren.

Wie wichtig ist die Auswahl der richtigen Laufzeiten?

Längerfristig zeigt sich, dass die richtige Laufzeitauswahl für mindestens zwei Drittel der Performance eines Rentenportfolios verantwortlich ist. Für das vergangene Jahr haben wir herausgefunden, dass die Duration sogar 80 Prozent der Performance bestimmt hat. 15 Prozent entfielen auf den Swap Spread, den Renditeaufschlag gegenüber Staatstiteln, und fünf Prozent auf den Anleihespread, der sich aus der unterschiedlichen Bonität und Sektorauswahl ergibt.

Das Gespräch führte Detlev Landmesser.

Quelle: @la
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