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Interview „Alterung der Bevölkerung macht Japans Schulden riskant“

26.01.2006 ·  Japans Börsenkonsolidierung sei das Resultat des „Livedoor-Schocks“, so Jun Ishii , Chief Fixed Income Strategist, bei Mitsubishi UFJ Securities im Interview. Er blickt kritischer auf den Rentenmarkt und den Yen als auf die Börse.

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Nach deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Monaten hat Japans Börse in den vergangenen Tagen konsolidiert. Das sei das Resultat des „Livedoor-Schocks“, so Jun Ishii , Chief Fixed Income Strategist, bei Mitsubishi UFJ Securities in Tokyo im folgenden Interview. (Siehe auch: Takafumi Horie: Tokios verglühender Börsenstar)

Er hielt die Korrektur für überfällig, da der Markt überhitzt gewesen sei. Er geht aber davon aus, daß sich der Nikkei unter bestimmern Bedingungen über 15.000 Punkten wird halten können. Auf der anderen Seite blickt er eher kritisch auf den Rentenmarkt des Landes und längerfristig auch auf den Yen. Er rechnet mit dem Ende der lockeren Geldpolitik und sieht die rasche Alterung der Bevölkerung als Risiko für die Verschuldungspolitik der Regierungen.

Nach einigen exzellenten Monaten zeigte die japanische Börse in den vergangenen Tagen gewisse Schwächen. Wie würden Sie die Lage momentan beschreiben?

Die Korrektur war das unmittelbare Resultat des „Livedoor-Schocks“. Sie war insofern unvermeidlich, als der Markt Überhitzungssignale aussandte, die sich aus den starken spekulativen Käufer individueller Anleger ablesen ließen.

Wie sieht es aus mit der Bewertung, ist sie wirtschaftlich fundiert und nachhaltig gerechtfertigt?

Der Nikkei kann sich nach unserer Einschätzung dann über 15.000 Punkten halten, wenn die Unternehmen im laufenden und kommenden Geschäftsjahr die Umsätze um zehn bis 15 Prozent steigern können, wenn die Kurs-Gewinnverhältnisse unter 24 und wenn sich die langfristigen Zinsen in einem Ein-Prozent-Band halten.

Was heißt das für den Rentenmarkt Japans - ist er nicht sehr teuer, wenn die Aktienanleger mit ihrem Optimismus richtig liegen?

Die Börsianer mögen in den vergangenen Monaten optimistisch gewesen sein. Aber die Marktteilnehmer am Rentenmarkt sind es in ihrer Hoffung auf steigende Kurse mindestens ebenfalls so stark, wenn nicht sogar ausgeprägter. Welcher der Märkte ist relativ betrachtet teurer? Wenn wir die fundamentale Entwicklung und die Richtung der Geldpolitik betrachten, so ist das eindeutig der Rentenmarkt.

Gibt es nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Japan so etwas wie ein Rendite-Rätsel?

Die Lage ist verblüffend, aber kein unlösbares Rätsel. Denn die Anleger sind immer noch in einer Situation gefangen, in der sie viel Geld anlegen müssen, aber nur wenige Anlagemöglichkeiten haben.

Der Markt geht für das Jahr 2006 von einem Dollar-Yen-Verhältnis von 110 bis 115 Yen je Dollar und einer Rendite von weniger als zwei Prozent bei zehnjährigen japanischen Staatsanleihen aus. Stimmen sie dem zu?

Ja.

Wie würden Sie die Erwartung begründen?

Die Währung kann keine klare Richtung finden, da es widersprechende Signale bezüglich der Zinsdifferenz zwischen Amerika und Japan gibt. Geht man davon aus, daß sich die Zinsdifferenz leicht verringerte, so könnte der Yen leicht gegen den Dollar zulegen. Allerdings dürfte diese Entwicklung rasch an Dynamik verlieren, da die Differenz immer noch sehr groß ist.

Rechnen Sie mit einer baldigen Beendigung der lockeren Geldpolitik und was würde das für die Märkte bedeuten?

Wir gehen davon aus, daß das so genannte „quantitative easing“ im Mai beendet werden wird. Allerdings dürften sich die anfänglichen Effekte auf die Finanzmärkte beschränken, da die „Null-Zinspolitik“ beibehalten werden wird, bis sich die Handelsbilanzüberschüsse genügend reduziert wurden. Das Interesse der Zentralbank daran dürfte aber abnehmen, und ausgerichtet am Geldmarkt, zu einer steileren Zinskurve führen. Das dürfte die Kursphantasie von Aktien und Anleihen deckeln.

Rechnen Sie damit, daß die Anleger irgendwann dazu übergehen können, massiv von Anleihen auf Aktien umzusteigen - manche Strategen rechnen sogar mit einem „Crash“ am japanischen Rentenmarkt?

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sehr groß. Es sei denn, die Wirtschaft würde sich so deutlich erholen, daß eine Serie von Zinserhöhungen notwendig sein sollten.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Privatisierung des Postsystems und auch die hohe Staatsverschuldung?

Da die effektive oder auch implizite Staatsgarantie für die Ersparnisse bis zum Ende des Fiskaljahres 2016 andauert, dürften die Mittelabflüsse auf ein Minumum beschränkt bleiben. Auch der Hang zur zunehmenden Staatsverschuldung dürfte kaum behindert werden, da es bis dahin„postalische“ und Kampo-Lebensversicherer geben wird, die die auf den Markt kommenden Staatspapiere absorbieren werden.

Wie sieht es diesbeszüglich mit der Alterung der Bevölkerung aus?

Die weitere Alterung der Bevölkerung kann die Schuldenfinanzierung der Regierung in ihren Fundamenten erschüttern. Der Grund liegt in einer abnehmenden Sparquote und dem aufkommenden Trend unter dem älter werdenden Teil der Bevölkerung, eher zu investieren und zu konsumieren, denn zu sparen.

Welche politischen oder geopolitischen Risiken sehen Sie zur Zeit?

Erstens die Möglichkeit, daß es wieder zu einer Regierung unter der Führung einer Liberal Demokratischen Partei (LDP) „alten Stiles“ kommen könnte. Zweitens sind zunehmende Gegensätze zwischen Japan und dem restlichen Asien im Sinne einer diplomatischen Isolierung denkbar. Drittens kann man wohl nie ausschließen, daß Nordkorea außer Kontrolle geraten könnte.

Wie würden Sie sich als privater Anleger in der Region zur Zeit positionieren?

Das Grundkonzept dürfte im „Hedge“ gegen steigende Preise und einen schwächeren Yen bestehen. Das heißt im Prinzip, Anleihen mit variablen Zinsen, aktienbezogene Papiere und Fremdwährungen zu kaufen und dagegen die festverzinslichen Anleihen zu „shorten“.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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