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Internationaler Finanzmarkt Zentralbanken stimulieren Risikofreude

29.01.2012 ·  Nach der Rating-Herabstufung am Freitag will Italien am Montag mit Anleihen bis zu 8 Milliarden Euro einsammeln. Der Markt ist in guter Verfassung.

Von Hanno Mußler
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Italien hat in dieser Woche viel vor. Am Montag will das Schatzamt in Rom vier Anleihen verkaufen und damit zwischen 5,5 und 8 Milliarden Euro erlösen. Am Mittwoch muss die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums dann fast 26 Milliarden Euro aufbringen, um eine fällige Anleihe zurückzuzahlen.

Eigentlich ist alles für den großen Auftritt Italiens am Anleihemarkt bereitet. Erstmals seit Mitte Oktober ist in der vergangenen Woche die Rendite für italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit unter 6 Prozent gefallen. Doch zum Wochenschluss senkte die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote des größten Sorgenkinds im Euroraum gleich um zwei Stufen auf "A-". Auch Spanien und Slowenien mussten eine um zwei Stufen schlechtere Bonitätsnote hinnehmen, für Belgien und Zypern ging es um jeweils eine Stufe herab.

The Big Easy

Trotz der Ratingherabstufung ist davon auszugehen, dass Italien ohne größere Schwierigkeiten das Geld vom Kapitalmarkt bekommt. Denn seit sich die europäischen Banken kurz vor Weihnachten von der Europäischen Zentralbank (EZB) fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre zum Zins von 1 Prozent geliehen haben, ist die Risikofreude der Anleger an den Finanzmärkten neu erwacht.

In der vergangenen Woche stellte die amerikanische Notenbank zudem unverändert niedrige Leitzinsen bis ins zweite Halbjahr 2014 in Aussicht. Auch ließ Notenbankchef Ben Bernanke Bereitschaft zu einem dritten Aufkaufprogramm für Anleihen (Quantitative Easing, QE 3) erkennen. Beobachter sprechen von einem "Big Easy", einer großen Erleichterung, die Banken und Anlegern von den Zentralbanken verschafft werde.

Bankenrettungsprogramm der EZB

Natürlich hat das "Big Easy" der Notenbanken mehrere Seiten. Sicher nicht zu Unrecht sprechen deutsche Bankvorstände auch von einem gigantischen Rettungsprogramm der EZB zugunsten der besonders um Liquidität ringenden südeuropäischen Banken. Der Interbankenmarkt ist seit der Insolvenz von Lehman praktisch tot, Banken mit wenig Einlagen sind auf die EZB angewiesen.

Damit sinkt aber auch die Verwobenheit der Geschäftsbanken untereinander. Das ist ein durchaus erwünschter Nebeneffekt des Misstrauens, das sie gegenseitig befallen hat. Allerdings retten die Staaten über die EZB nun sogar prophylaktisch Banken, die wegen ihrer Bedeutung für das Finanzsystem nicht untergehen sollen. Und die Banken retten die Staaten, indem sie das von der EZB billig zur Verfügung gestellte Geld zumindest teilweise auch in höher rentierlichen Staatsanleihen anlegen.

Große Erleichterung an den Aktienmärkten

Niemand weiß, ob und wann diese Kette reißt. Aber derzeit sind Erleichterung und neue Risikolust auf vielen Märkten zu spüren. Die seit sechs Wochen andauernde Aktienhausse wird von den als besonders riskant geltenden Schwellenbörsen angeführt. Die Börse Moskau verzeichnet mit fast 14 Prozent den größten Zuwachs seit Jahresanfang. In Hongkong legte der Hang-Seng-Index um 11 Prozent zu und stieg in der vergangenen Woche erstmals seit Anfang September wieder auf deutlich mehr als 20.000 Punkte.

In Europa hat das bei den Ratingagenturen wegen seiner hohen Risiken in Osteuropa in Ungnade gefallene Österreich in diesem Jahr den besten Aktienmarkt. Der ATX der Börse Wien liegt mit Plus 12,4 Prozent knapp vor dem Dax mit 10,4 Prozent. Der Dax beendete die Woche mit 6512 Punkten auf dem höchsten Stand seit Anfang August.

Bankaktien führen die Hausse an, von denen viele Vermögensverwalter zum Jahresende nichts wissen wollten. Und in Amerika sind es die als besonders riskant geltenden Technologieaktien, die in der Gunst der Anleger ganz oben stehen. Der Auswahlindex der Technologiebörse Nasdaq 100 kletterte auf den höchsten Stand seit elf Jahren.

Forint auf Erholungskurs

Auf dem Devisenmarkt hat der Euro seine Schwächephase vom Jahresanfang überwunden. Mit 1,32 Dollar kostet der Euro inzwischen 2 Prozent mehr als zu Jahresanfang und so viel wie zuletzt vor fünf Wochen. Schwach ist dagegen der Dollar. Die Währung, in die Anleger traditionell bei zunehmender Risikoscheu flüchten, hat seit Jahresanfang gegen alle wichtigen Währungen verloren.

Am stärksten zum Dollar aufgewertet haben der mexikanische Peso und der brasilianische Real mit mehr als 7 Prozent. Noch stärker aufgewertet hat mit 9 Prozent zum Dollar der ungarische Forint, obwohl Ungarn abermals auf Hilfen des Internationalen Währungsfonds angewiesen ist.

Am vergangenen Wochenende gab es in der ungarischen Hauptstadt Budapest die größten Demonstrationen seit der Wende. Die Demonstranten unterstützten die Regierung von Viktor Orbán gegen "Einmischung der EU". Ungarn hat sich mit mehreren angeblich gegen den Geist der EU-Verträge verstoßenden Gesetzen isoliert. Weil internationale Anleger Geld abziehen könnten, wurde zu Beginn der Woche mit einer Leitzinserhöhung gerechnet, um Geldanlage in Ungarn weiterhin attraktiv zu halten. Doch die Zentralbanker der Magyar Nemzeti Bank stimmten mehrheitlich für ein unverändertes Zinsniveau von 7 Prozent. Umso überraschender ist, dass mit 290 Forint je Euro der Kurs der ungarischen Währung zum Wochenschluss auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober fiel. Hier kam Ungarn sicherlich die insgesamt gute Stimmung an den Finanzmärkten zugute.

Bundesanleihen weiter gefragt

Nicht so recht passt zu der Risikofreude der Anleger, dass die Zinswende bei Bundesanleihen noch immer auf sich warten lässt. Zu einem Zins von 2,62 Prozent konnte sich der Bund in der vergangenen Woche so billig 3 Milliarden Euro für 30 Jahre leihen wie noch nie. Mit einer Rendite von zuletzt 1,85 Prozent haben sich die zehnjährigen Bundesanleihen wieder ihrem im September erreichten Renditetief von 1,64 Prozent angenähert. Das heißt: Anders als der Dollar sind Bundesanleihen trotz ihres Charakters als sicherer Hafen noch immer gefragt.

Das mag damit zu tun haben, dass Anleger noch mit mindestens einer Zinssenkung der EZB im ersten Quartal rechnen. Es mag aber auch damit zu tun haben, dass nicht alle der gegenwärtigen Risikofreude trauen. So hat auch die absolute Krisenwährung Gold wieder zugelegt. Mit mehr als 1700 Dollar je Feinunze zahlen Anleger für Gold derzeit gut 10 Prozent mehr als zu Jahresanfang.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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