21.02.2010 · Die Renditeschere zwischen deutschen und südeuropäischen Adressen am Pfandbriefmarkt klafft auffällig auseinander. Es ist das Misstrauen der Anleger in die Euro-Südstaaten, das auf die Banken abstrahlt. Die amerikanische Wirtschaft erholt sich indes schneller als der Euro-Raum.
Von Hanno MußlerDer Markt für Pfandbriefe europäischer Banken ist nach den Turbulenzen um Griechenland nur noch eingeschränkt offen. Diese Einschätzung ist zumindest hinter vorgehaltener Hand in Konsortialabteilungen von Banken zu hören. Sie helfen bei der Plazierung dieser eigentlich besonders risikoarmen Anleihen. Doch keine Bank aus den mit Griechenland in Verruf geratenen Südstaaten Portugal, Spanien und Italien habe sich in den vergangenen drei Wochen auf den Markt für gedeckte Schuldverschreibungen gewagt. Banco Populare zum Beispiel, immerhin Mitglied im italienischen Aktienindex Mib 30, sei auf Werbetour vor Anlegern gewesen. Die italienische Bank habe aber offenbar kein Zutrauen, wie gewünscht eine Milliarde Euro zu akzeptablen Bedingungen aufnehmen zu können.
Banco Santander ist der letzte wichtige Emittent aus einem südeuropäischen Land, der Ende Januar den Markt für gedeckte Bankschuldverschreibungen betrat. Damals sammelte Spaniens größte Bank eine Milliarde Euro für fünf Jahre mit einem Zinsaufschlag von 50 Basispunkten zum Swapsatz ein. Inzwischen hat sich der Aufschlag dieser Anleihe zum derzeit 2,75 Prozent betragenden Swap-Satz auf 80 Basispunkte ausgeweitet. Weniger bekannte Adressen aus Südeuropa müssten nun vermutlich dreistellige Zinsaufschläge bieten, um Anleger zu finden. Dies ist ihnen offenbar zu teuer. Sie bleiben dem Markt lieber fern.
Die Renditeschere klafft auseinander
Deutsche Banken finanzieren sich dagegen unverändert leicht. Die zum Genossenschaftssektor gehörende WL-Bank zum Beispiel musste Anlegern in der vergangenen Woche für einen fünfeinhalb Jahre laufenden Pfandbrief einen Aufschlag auf den Swap-Satz von nur 8 Basispunkten zahlen. Und die angeschlagene West LB fand für ihren fünf Jahre laufenden Pfandbrief Nachfrage, obwohl sie lediglich 20 Basispunkte Aufschlag bot. Die Renditeschere zwischen deutschen und südeuropäischen Adressen am Pfandbriefmarkt klafft auffällig auseinander. In der Europäischen Zentralbank, deren 60 Milliarden Euro großes Pfandbrief-Ankaufprogramm bald ausläuft, ist denn auch die Sorge vor Turbulenzen an diesem für die Refinanzierung der Banken so wichtigen Markt groß.
Dabei hat sich in der vergangenen Woche die Lage auf anderen Finanzmärkten beruhigt. Spanien konnte reibungslos eine Anleihe mit fünfzehn Jahren Laufzeit plazieren. Und die Aktienindizes in Amerika und Europa haben sich erholt. Der Dax stieg zum ersten Mal seit einem Monat auf mehr als 5700 Punkte. Dass aber wegen der nach wie vor schwelenden Vertrauenskrise um Griechenland Anlagen außerhalb des Euro-Raums besonders gefragt sind, zeigt der Blick nach Zürich. Dort weist der Schweizer Aktienindex SMI den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr auf. Griechenland indes scheint entschlossen, das brüchige Vertrauen der Anleger schnell zu testen. Offenbar noch in dieser Woche soll eine Euro-Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit begeben werden. Anleger stellen sich auf attraktive Konditionen ein, nachdem die Hellenen zuletzt einen Kupon von 6,1 Prozent bieten mussten.
Strengere Maßstäbe für neue Euro-Beitrittskandidaten?
Nur wenig beachtet wird, dass auch die Slowakei eine Anleiheemission plant. Das jüngste Mitglied des Euro-Raums steht stellvertretend für die gegenwärtige Gelassenheit der Anleger gegenüber Osteuropa. Die Versicherungsprämie (CDS) gegen den Ausfall von fünf Jahre laufenden slowakischen Anleihen kostet derzeit nur 85 Basispunkte der Versicherungssumme. Dies ist weniger als für britische (92) und italienische (124).
Die niedrige Versicherungsprämie für das Ausfallrisiko Slowakei zeigt: Anders als vor einem Jahr, als die Schwäche der westeuropäischen Banken die Region tief erschütterte, haben die griechischen Turbulenzen Osteuropa nun kaum berührt. Das muss nicht so bleiben. Schließlich haben die vier größten griechischen Banken zum Beispiel in Rumänien 40 und in Bulgarien 25 Prozent aller Kredite vergeben. Hinzu kommt, dass Griechenland vorschnell in die Europäische Währungsunion aufgenommen wurde. Diese Erkenntnis könnte dazu führen, dass die Europäische Union an neue Beitrittskandidaten wie Polen oder Estland strengere Maßstäbe an deren wirtschaftliche Angleichung („Konvergenz“) zum Euro-Raum anlegt. Dies könnte bedeuten, dass Anleger, die auf eine schnelle Einführung des Euro in diesen Ländern gesetzt haben, enttäuscht werden und sich aus deren Anlagen zurückziehen.
Amerikanische Wirtschaft erholt sich schneller als der Euro-Raum
Osteuropa bleibt zumindest eine Region, deren wirtschaftliche Entwicklung hinter anderen herhinkt. Während in Asien, besonders in China, die Zinsen steigen und nun auch in den Vereinigten Staaten mit der Erhöhung des Diskontsatzes erste Schritte zur Normalisierung der Geldpolitik nach der Krise erfolgen, werden die Zinsen in Osteuropa in diesem Jahr wohl stabil bleiben. In manchen Ländern wie Russland und Ungarn werden sie wohl sogar weiter sinken.
Nur moderat von 3,70 auf 3,78 Prozent gestiegen sind in der vergangenen Woche die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit. Offenbar glauben die Anleger trotz der Diskontsatzerhöhung den Beteuerungen der Notenbank, der „echte“ Leitzins (Fed Funds) werde noch für geraume Zeit auf dem niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent bleiben. Solange sich diese Formulierung in den Mitteilungen der Notenbank Fed finde, sei eine Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten für die folgenden sechs Monate nahezu ausgeschlossen, glauben Analysten. Allerdings wird Notenbankgouverneur Ben Bernanke am Mittwoch vor dem Repräsentantenhaus vermutlich weitere Angaben zum Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik machen.
Dies erscheint auch deshalb möglich, weil sich die amerikanische Wirtschaft schneller erholt als die des Euro-Raums. Darunter leidet der Euro zusätzlich zu den Turbulenzen um Griechenland. Nach der Diskontsatz-Erhöhung in Amerika fiel sein Außenwert auf 1,346 Dollar. Gegen Wochenschluss festigte sich der Euro etwas auf Kurse von knapp 1,36 Dollar. Falls aber der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste deutsche konjunkturelle Frühindikator, entgegen den Erwartungen am Dienstag nicht zum elften Mal in Folge gestiegen sein sollte, dürfte der Euro weiter an Wert verlieren.