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Samstag, 18. Februar 2012
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Internationaler Finanzmarkt Flut neuer Anleihen findet reißenden Absatz

17.01.2010 ·  Trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus sind derzeit vor allem Banken- und Unternehmensanleihen beliebt. Dagegen schauen die Anleger bei Staatsanleihen ganz genau hin: Nach Griechenland fallen weitere Euro-Länder mit hohen Schulden in Ungnade.

Von Hanno Mußler
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Das Jahr 2010 hat auf den Kapitalmärkten mit mehreren Paukenschlägen begonnen. Trotz des insgesamt historisch niedrigen Zinsniveaus treffen vor allem Banken- und Unternehmensanleihen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf eine hohe Kaufbereitschaft. Dagegen schauen die Anleger bei Staatsanleihen wegen der oft als überbordend empfundenen Verschuldung vieler Länder ganz genau hin.

Viel Arbeit sind die Angestellten in den Emissionsabteilungen deutscher Banken zum Anfang eines Jahres durchaus gewohnt. Der Januar ist traditionell der Monat mit dem höchsten Volumen an Neuemissionen von Anleihen. Das große Angebot hat damit zu tun, dass Kapitalsammelstellen wie Versicherer die rund um den Jahreswechsel zufließenden Jahresprämien ihrer Kunden neu anlegen. Hinzu kommt, dass ein Teil der in früheren Jahren begebenen Anleihen nun fällig und zurückgezahlt wird. Deshalb ist für ein großes Angebot auch eine hohe Nachfrage nach Schuldtiteln zu erwarten.

Fulminanter Jahresauftakt in den Emmissionsabteilungen

Trotzdem sind die ersten zwei Arbeitswochen des Jahres 2010 auch für alte Haudegen in den Emissionsabteilungen ungewöhnlich stressig verlaufen. „Man hat den Eindruck, als wollten einige Emittenten ihren gesamten Kapitalbedarf des Jahres schon im Januar decken“, stöhnt ein erfahrener Bankangestellter. Mehr als 10 Milliarden Euro haben europäische Unternehmen, allen voran aus der Automobilindustrie, in diesem Jahr schon aufgenommen. Die Banken haben für sich selbst sogar mehr als 20 Milliarden Euro mit gedeckten Schuldscheinen (Covered Bonds) eingesammelt. Fast alle Institute konnten ihre Renditevorstellungen dank hoher Nachfrage durchsetzen.

Zu den wenigen Ausnahmen gehört ING. Der niederländische Finanzkonzern musste den Anlegern für einen bis Januar 2020 laufenden, 1,25 Milliarden Euro schweren Covered Bond 60 Basispunkte Renditeaufschlag auf die derzeit mit 3,3 Prozent rentierenden zehnjährigen Bundesanleihen bieten – 5 Basispunkte mehr als zuvor in den Markt „hineingeflüstert“. Und der portugiesische Banco Portogues de Investimento (BPI) hätte wohl gern mehr Geld aufgenommen. Doch in den Orderbüchern fand sich nur eine Nachfrage nach 700 Millionen Euro, so dass BPI lediglich Schuldtitel im Wert von 500 Millionen Euro zu plazieren wagte.

Insgesamt ist in den Emissionsabteilungen der Banken von einem fulminanten Jahresemissionsauftakt mit einer großen Aufnahmebereitschaft des Marktes die Rede. Dies trifft allerdings auf Staatsanleihen nur eingeschränkt zu. Zwar können etwa die Vereinigten Staaten, deren Schulden immerhin 82 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts betragen und die in diesem Jahr rund 1500 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt werden aufnehmen müssen, nach wie vor viele Gläubiger finden. Sogar die wegen ihrer langen Laufzeit von 30 Jahren als besonders riskant geltenden Anleihen fanden bei einer Versteigerung eine Nachfrage, die mehr als 2,5 Mal so groß war wie das Angebot von 13 Milliarden Dollar. Die Rendite für die dreißig Jahre lang laufenden Anleihen des amerikanischen Staates sank aber in der vergangenen Woche von 4,73 auf nun 4,58 Prozent.

Deutschland steht mit 80 Prozent Schuldenquote ordentlich da

Im Euro-Raum gingen die Emissionen von relativ soliden Ländern wie Deutschland und Österreich reibungslos über die Bühne. Wegen der besonders schnell wachsenden Verschuldung von Staaten am Rande des Euro-Raums aber warnt die Ratingagentur Moody’s vor einem „schleichenden Tod“. Damit meinen die Bonitätsprüfer, dass die mit der hohen Staatsverschuldung verbundene Zinslast die Handlungs- und Zahlungsfähigkeit mancher Länder erschüttern könnte. Neben Griechenland, das in diesem Jahr 60 Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt aufnehmen muss, nennt Moody’s Portugal. Der Schuldenstand des Landes beträgt mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland steht im Vergleich mit rund 80 Prozent Schuldenquote ordentlich da.

Die Anleger preisen die innerhalb des Euro-Raums als zunehmend unterschiedlich empfundene Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung von Staatsanleihen mehr und mehr ein. Die Renditen Griechenlands, Irlands, Portugals, Spaniens und Italiens für Laufzeiten von fünf Jahren liegen inzwischen einen vollen Prozentpunkt über Bundesanleihen. Diese Ausweitung der Risikoprämien von Staatsanleihen und die gute Aufnahme der Unternehmensanleihen haben dazu geführt, dass seit wenigen Tagen – gemessen an den I-Traxx-Indizes – die von westeuropäischen Staaten insgesamt verlangten Risikoprämien höher sind als die von Unternehmen mit guter Kreditwürdigkeit (Investment-Grade). Dass westeuropäischen Staaten eine schlechtere Kreditwürdigkeit unterstellt wird als Unternehmen, ist ungewöhnlich.

Renditegefälle belastet den Euro

Das zunehmende Renditegefälle unter den Euro-Ländern belastet die Gemeinschaftswährung. Der Euro, für den Anleger Ende November noch 1,51 Dollar zahlten, kostet inzwischen nur noch 1,4370 Dollar. Die Dollar-Stärke kommt China entgegen. Das Land, das seine Währung an den Dollar gekoppelt hat, sendet fortwährend Zeichen der Stärke. Die chinesischen Währungsreserven, ohnehin die höchsten der Welt, sind im vierten Quartal nach Angaben der Zentralbank in Peking um 130 Milliarden Dollar auf 2,4 Billionen Dollar gestiegen. In dieser Woche wird das chinesische Wirtschaftswachstum im vierten Quartal bekanntgegeben. Fachleute erwarten eine prozentual zweistellige Wachstumsrate. Von dieser Entwicklung gehen Inflationsgefahren aus. Deshalb ist es wenig erstaunlich, dass die chinesische Notenbank sich als erste der bedeutenden Zentralbanken traut, mit umfassenden Schritten die zuvor mit Krisenmaßnahmen ausgelöste Geldschwemme wieder einzudämmen. Auch ein starker Dollar und damit ein stärkerer Yuan würden den Inflationsgefahren entgegenwirken.

Wenig spektakulär waren in diesem Jahr bisher die Preisbewegungen von Aktien und Edelmetallen. Dies könnte sich für Aktien in dieser Woche ändern, wenn in Amerika die Berichtssaison der Unternehmen Fahrt aufnimmt. Auf den Edelmetallmärkten könnte mittelfristig Platin mehr Nachfrage auf sich ziehen. Dank des ersten börsennotierten Platin-Fonds (ETF) haben Anleger nun ähnlich wie bei Gold und Silber die Chance, das Edelmetall kostengünstig zu erwerben.

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