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Zertifikate und ETFs

Internationaler Finanzmarkt Europa - ein Frühlingsmärchen

Im Kern der Währungsunion und im Norden steigen die Renditen. Die Spreads zum Süden werden kleiner.

© F.A.Z. Vergrößern

Am Ende des Tages zählt an den Finanzmärkten immer noch, was gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika geschieht. Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten deuten nach Ansicht vieler Marktteilnehmer auf eine Belebung des Wirtschaftswachstums und wachsende Inflationsgefahren. Prompt sind die Renditen vor allem zehnjähriger Staatsanleihen gestiegen: Lag die Rendite der Zehnjährigen Anfang März noch unter 2 Prozent, so betrug sie am vergangenen Freitag 2,30 Prozent. Die Renditekurve wird steiler und damit „normaler“. Während die Anleihekurse fielen, stiegen die Aktienkurse. Der Dow Jones für 30 führende Industriewerte beendete den Handel mit 13.232 Punkten - so hoch wie seit Herbst 2007 nicht mehr. Marktbeobachter sprechen von einer zunehmenden Risikoneigung der Investoren, die sich aus (vermeintlich) sicheren, aber wenig rentablen Anleihen verabschieden. An den Finanzmärkten scheint Frühlingsstimmung einzuziehen.

Wie so häufig, zogen die amerikanischen Märkte die deutschen nach sich und mit den deutschen auch die Märkte in anderen Ländern des Kerns der Währungsunion sowie aus Nordeuropa. Überall dort steigen die Renditen vor allem von Anleihen mit langen Laufzeiten; überall dort werden die Renditestrukturkurven steiler. Die zehnjährige Bundesanleihe ging mit einer Rendite von 2,05 Prozent aus dem Freitagshandel; spürbar steigende Renditen wurden auch in Großbritannien, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Frankreich, Österreich und in der Schweiz registriert. Die schweizerische Zehnjährige rentiert mit 0,93 Prozent im internationalen Vergleich immer noch sehr niedrig, aber Anfang März rentierte sie noch mit 0,67 Prozent. Parallel gingen auch die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige Staatsanleihen zurück. In Deutschland fielen sie auf 68,50 Basispunkte und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2011.

Der „Angstindikator“

Die steigende Risikofreude in diesen Ländern belegt auch das gute Abschneiden der Aktienmärkte. In Deutschland erreichte der Dax am Freitag mit 7157 Punkten seinen höchsten Stand seit dem Sommer 2011. Vergleichbares gilt für den OMX-Index der Stockholmer und des Oseax-Index der Osloer Börse. Die Charts an diesen Märkten ähneln sich.

In der Peripherie sind vor allem in Italien Entspannungstendenzen unverkennbar. Die Rendite zehnjähriger Anleihen liegt bei 4,85 Prozent, während sie noch im Januar gut 7 Prozent betrug. Viele Marktteilnehmer schauen aber nicht so sehr auf das aktuelle Renditeniveau in Italien, sondern auf den Renditeabstand („Spread“) zwischen zehnjährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen. Dieser Abstand wird von manchen Analysten auch als „Angstindikator“ bezeichnet, weil er in einer einzigen Zahl die Spannungen zwischen Nord und Süd in der Währungsunion ausdrückt. Dieser Spread erreichte Freitag mit 279 Basispunkten den niedrigsten Stand seit Sommer 2011. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er mit 528 Basispunkten den Höchststand seit Einführung des Euro erreicht. Seitdem hat sich der Abstand nahezu halbiert.

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