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Internationaler Finanzmarkt Die Politik folgt dem Ruf der Märkte

11.04.2010 ·  Griechenland ist nur noch eine Stufe davon entfernt, dass seine Anleihen nicht mehr als Sicherheit für Kredite anerkannt werden. Das Notpaket für den maroden Staatshaushalt konnte die Märkte dennoch beruhigen.

Von Patrick Welter, Washington
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Seit Februar leisten die europäische Politik und die Investoren in griechische Staatsanleihen sich wie der Hase und der Igel ein Wettrennen. Wiederholt haben Minister und Regierungschefs versichert, im Notfall der hochverschuldeten Regierung in Athen beizuspringen. Die großen Worte haben die Finanzmärkte aber immer nur kurz beruhigt, die Händler wollen Taten sehen. Schrittweise und mit Schwankungen folgte die Politik dabei dem Ruf der Märkte nach immer größerer Präzision eines Finanzpakets.

Der schwierige innereuropäische Willensbildungsprozess, der sich vor allem um eine Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rankte, hat die Unsicherheit verstärkt und auch dazu beigetragen, dass Griechenland das Finanzpaket vielleicht bald zieht. In einer Änderung des Tonfalls hat Griechenlands Ministerpräsident Georgis Papandreou am Wochenende erklärt, das Finanzpaket sei dazu da, genutzt zu werden, wenn es die Märkte nicht überzeuge. Bislang hatte er Hilfe von außen möglichst vermeiden wollen.

Europäer wollen sich an IWF-Regeln orientieren

Zu dem Stimmungsumschwung hat die jüngste Zuspitzung beigetragen. In rasantem Tempo stieg der Zinssatz auf griechische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf bis zu 7,58 Prozent, um am Freitag etwas nachzugeben. Im Wochenverlauf blieb ein Plus von 6,54 auf 7,13 Prozent. Der Zinsabstand zur Bundesanleihe lag am Freitag bei knapp 4 Prozentpunkten. Andere Sorgenländer im Euro-Raum wurden in den griechischen Abwärtsstrudel nur begrenzt hineingezogen. Der Zinssatz auf spanische Anleihen stieg im Wochenverlauf um gerade mal 7 Basispunkte auf 3,87 Prozent, portugiesische Anleihen legten stärker um 18 Basispunkte auf 4,33 Prozent zu.

Im Wettlauf mit den Märkten errang die Politik dabei vorerst wieder einen Sieg. Zwar stufte die Ratingagentur Fitch am Freitag griechische Staats- und Bankanleihen auf „BBB–“ mit negativem Ausblick herab. Damit droht dem Land bei einer weiteren Verschlechterung, dass seine Anleihen nach den bereits gelockerten Kriterien von der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht mehr als Sicherung bei Geldleihen anerkannt werden. Athen ist davon nur noch eine Stufe entfernt.

Doch beruhigte die Einigung der EU auf konkrete Details eines Finanzpakets die Märkte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll der Zinssatz für die bilateralen Hilfen an Griechenland bei einem bis zu drei Jahre laufenden Kredit mehr als 6 Prozent betragen. Die von den Europäern ausgeklügelte Formel soll sich dabei an Regeln des IWF orientieren. Diese sehen vor, dass ein IWF-Mitgliedsland bis zu 300 Prozent seiner Anteilsquote zum Basiszins von derzeit 1,25 Prozent ausleihen kann, hinzu kommt eine Gebühr von 0,5 Prozentpunkten.

Hilfspaket über 25 Milliarden Euro erwartet

Für das Kreditvolumen, das über 300 Prozent der Quote hinausgeht, verlangt der IWF zusätzlich 2 Prozentpunkte Aufschlag. Bei einem dreijährigen IWF-Kredit von 10 Milliarden Euro würde Griechenland, dessen Quote rund 930 Millionen Euro beträgt, dem Fonds nach derzeitigem Stand einen durchschnittlichen Zinssatz von etwa 3,2 Prozent zahlen. Der Zinssatz ist aber variabel und dürfte in den kommenden Jahren wohl steigen. Im Vergleich mit den zuletzt rund 7 Prozent für griechische Schuldpapiere mit zwei Jahren Laufzeit wäre dies dennoch eine Erleichterung.

Über das Volumen des Pakets ist noch nichts bekannt. Eine Idee ist die Teilung ein Drittel IWF und zwei Drittel europäisches Geld; manche Analysten erwarten insgesamt rund 25 Milliarden Euro. Finanziert würde der Kredit in den anderen EU-Staaten letztlich durch höhere Schulden. Der IWF würde Kreditlinien bei Notenbanken beanspruchen, was für sich genommen einer inflationären Ausdehnung der Geldmenge entspricht, indes in einem von der Geldpolitik beherrschbarem Umfang. Die Hoffnung liegt darin, mit dieser Umgehung zweier in den europäischen Verträgen festgelegten Verbote, der No-Bail-Out-Klausel und der monetären Finanzierung von Staatsschulden, die Märkte so zu beeindrucken, dass Griechenland den Kredit gar nicht ziehen muss.

Ob dies gelingt, wird ein weiterer Test am Dienstag zeigen, wenn Griechenland kurzfristige Schuldpapiere im Wert von 1,2 Milliarden Euro neu finanzieren muss. Wie bei den jüngsten Anleihen erwartet niemand, dass Nachfrage für die verhältnismäßig kleine Summe fehlt. Fraglich ist aber der Zinssatz. Im April muss das Land insgesamt 3,85 Milliarden Euro kurzfristige Schuldpapiere und eine Anleihe mit einer Laufzeit von 5 Jahren über 8,2 Milliarden Euro refinanzieren.

Dow Jones überdeckt griechisch-europäische Turbulenzen

Die Vereinigten Staaten, denen manche Analysten mittelfristig fast griechische Schuldenverhältnisse prophezeien, haben in der vergangenen Woche den Unkenrufen standgehalten. Der Zinssatz auf zehnjährige Treasuries stieg zwar am Wochenbeginn auf mehr als 4 Prozent, beendete die Woche aber mit 3,88 Prozent. Das Finanzministerium hatte gar keine Mühe, 82 Milliarden Dollar neue Anleihen aufzunehmen. Die Nachfrage nach Treasuries war am Mittwoch so hoch wie seit 1994 nicht mehr.

Dabei sind Volkswirte höchst unterschiedlicher Meinung, ob die Anleger die gewaltige Kapitalnachfrage des Staates von rund 2,4 Billionen Dollar in diesem Jahr finanzieren werden. So erwartet Goldman Sachs, dass der Zins auf zehnjährige Treasuries in diesem Jahr auf 3,25 Prozent fallen wird. Der Staatsnachfrage stehe hinreichend Angebot gegenüber, weil der Staat immer noch die private Kapitalnachfrage ersetzen müsse. Morgan Stanley dagegen rechnet mit einem Zinsanstieg auf 5,5 Prozent und setzt dabei auch auf eine bessere Konjunkturentwicklung und auf größere Inflationssorgen als viele andere Volkswirte. Die zuletzt guten amerikanischen Wirtschaftsdaten haben jedenfalls an der Wall Street die griechisch-europäischen Turbulenzen überdeckt. Der Dow-Jones-Index sprang am Freitag zeitweise über 11.000 Punkte und schloss nur knapp darunter. Der Index liegt fast 68 Prozent höher als Anfang März 2009. Die Quartalsergebnisse vieler Unternehmen in dieser Woche werden darüber entscheiden, ob der Dow Jones die 11.000 Punkte dauerhaft knacken kann.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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