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Internationaler Finanzmarkt Die europäische „Bazooka“ wirkt noch nicht

14.02.2010 ·  Konkrete Zusagen für Griechenland fehlen noch. Anleger zeigen sich enttäuscht. Viele Marktakteure erhoffen sich von dem Treffen der europäischen Finanzminister an diesem Montag und Dienstag nähere Details, wie die EU sich entschlossenes Handeln vorstellt.

Von Patrick Welter
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Als der ehemalige amerikanische Finanzminister Henry „Hank“ Paulson im Sommer 2008 vom Kongress die Erlaubnis für eine Staatsrettung der Hauskreditfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac erbat, wünschte er sich bildlich eine „Bazooka“, eine Panzerfaust. Anwenden wollte Paulson die neuen Vollmachten nicht; die Drohung der Staatsintervention sollte das Vertrauen in die Finanzkraft der Immobiliengiganten sicherstellen und die Märkte beruhigen. Zwei Monate später musste Paulson umschwenken, und die Regierung in Washington stellte Fannie Mae und Freddie Mac überraschend unter staatliche Kuratel.

Mit ihrer Zusage „entschlossenen und koordinierten Handelns“ haben die europäischen Staats- und Regierungschefs im Fall Griechenlands ihre eigene Panzerfaust gezückt, die im Gegensatz zu Paulsons Waffe indes nicht mit konkreten Finanzzusagen unterlegt ist. Nicht alle Analysten halten diesen Vergleich für zulässig, auch wenn ein Zahlungsausfall Griechenlands europäische Banken teuer zu stehen käme. So verweisen die Ökonomen von Barclays Capital darauf, dass Fannie Mae und Freddie Mac damals in ihren Bilanzen Hypothekenpapiere von mehr als 5 Billionen Dollar hielten, während die Staatsschuld Griechenlands sich auf 300 Milliarden Euro belaufe. Zudem seien die Anleihen der beiden Hypothekenfinanzierer in großem Ausmaß von ausländischen Investoren gehalten worden, während die griechische Schuld nur zu rund 5 Prozent Anleger außerhalb des Euro-Raums beträfe.

Risikoprämien auf griechische Schuldpapiere wieder gestiegen

Trotz solcher Relativierungen reagierten die Kapitalhändler auf die europäische Erklärung enttäuscht: Die Risikoprämien auf griechische Schuldpapiere stiegen am Freitag wieder. Die Rendite der Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichte wieder mehr als 6 Prozent, und auch die Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands (Credit Default Swaps) wurden wieder teurer. Im Vergleich zur Vorwoche liegen die Risikoprämien indes niedriger; die Hoffnung auf eine Rettung Griechenlands durch die anderen Euro-Staaten hat ein wenig beruhigt. Der Euro verlor gegenüber dem Dollar weiter, wobei dabei auch die schlechten Wachstumsdaten aus dem Euro-Raum eine Rolle spielten.

Viele Marktakteure erhoffen sich von dem Treffen der europäischen Finanzminister an diesem Montag und am Dienstag nähere Details, wie die Europäer sich entschlossenes Handeln vorstellen. Von den Erklärungen wird abhängen, ob das Gespenst eines Zahlungsausfalls Athens die Kapitalmärkte weiter verunsichert. Die Analysten von Unicredit erklären, dass erst mehr Details zur Griechenland-Hilfe Aufschluss geben werden, ob und wie die Euro-Staaten anderen Ländern unter die Arme greifen würden. Die Ansteckungsgefahr sei noch nicht gebannt. Die griechische Krise ruft Kritiker auf den Plan, die in der verstärkten Beobachtung der Kreditausfallversicherungen Credit Default Swaps (CDS) eine Fehlentwicklung sehen. Weil auch Spekulanten an diesen Märkten tätig seien, die gar keine griechischen Schuldpapiere hielten und die kein originäres Absicherungsinteresse hätten, überzeichne der – auch noch wenig transparente – Markt für CDS die Risiken und verschärfe dadurch die Krise.

Als scheinbarer Beleg für diese These gilt, dass das Handelsinteresse an CDS für Griechenland, aber auch für Portugal oder Spanien in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen ist – mehr oder weniger gleichzeitig mit den steigenden Risikoprämien. Ein wenig klingt dies, als ob der Überbringer der schlechten Nachricht gesteinigt werden soll. Doch lässt die Parallelität des Wachstums von Handelsvolumina und Risikoprämien den simplen Schluss zu, dass in unsicheren Zeiten ebendas Interesse der Investoren in die Schuldpapiere an Absicherung zunimmt.

Amerikaner sehen fehlende Geldpolitik im Euro-Raum

Die Barclays Ökonomen finden jedenfalls in einer Analyse des Falls Griechenlands keine Zeichen, dass das Volumenwachstum dem höheren Risiko voraneilte. Dies spricht gegen die These eines überzeichneten Preissignals und dafür, dass tatsächlich schutzsuchende Anleger CDS erwarben. Dennoch raten die Ökonomen, als besseres Signal für das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls eher auf die Kurse der Staatsanleihen als auf die CDS zu schauen, weil das Volumen der Anleihemärkte doch deutlich größer sei als das der CDS.

In Amerika wird die griechisch-europäische Schuldenmalaise vor allem unter dem Gesichtspunkt gesehen, dass dem Euro-Raum neben der einheitlichen Geldpolitik eine einheitliche Finanzpolitik fehle. In diesem Sinne hat der Harvard-Ökonom Martin Feldstein seine ein Jahrzehnt alte Warnung wiederholt, dass das institutionelle Gefüge der Währungsunion nicht stabil sei. Der europäische Gedanke, dass die im Maastricht-Vertrag verankerte „No-Bail-Out“-Klausel – und damit das implizite Verbot einer vergemeinschafteten Finanzpolitik – dem langfristigen Schutz des Euro-Wertes dient, weil sie Fehlanreize zur Verschuldung zu Lasten der Euro-Partner mindere, wird in den Vereinigten Staaten kaum wahrgenommen.

Das Fieber um Griechenland ist auf den amerikanischen Anleihemarkt bislang nicht übergeschwappt, trotz der Sorgen um die steigende Staatsschuld, die durch den Haushaltsentwurf des Präsidenten Barack Obama nicht verringert wurden. Die Auktionen von Schuldpapieren über drei, zehn und 30 Jahre stießen in der vergangenen Woche auf ein unterdurchschnittliches Interesse und erbrachten höhere Renditen als zuvor erwartet. Die Flucht in die Qualität, die manche Analysten erwartet hatten, hielt sich in Grenzen. Die Ökonomen der Citigroup schließen aus einer historischen Betrachtung freilich, dass eine ausgewachsene Schuldenkrise im Ausland spürbare Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten hätte. Die Rendite der amerikanischen Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren könnte von derzeit rund 3,7 Prozent fast 150 Basispunkten auf die Tiefs des Dezember 2008 fallen. Den Dollar-Kurs würde dies entsprechend in die Höhe treiben.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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