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Internationaler Finanzmarkt Die Angst vor dem Entzug

01.11.2009 ·  Die Aussicht auf ein Leben ohne staatliche Hilfen dämpft den Optimismus der Haussiers. Denn diverse Notenbanken, die immer noch das angeschlagene Bankensystem stützen, könnten in den kommenden Tagen ihre Leitzinsen erhöhen.

Von Stefan Ruhkamp
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Billige Kredite und staatliche Hilfen haben die Folgen der Finanzkrise gemildert. Das hat in den vergangenen Monaten die Basis für die Hausse der Aktienmärkte gelegt und die Kurse um gut 50 Prozent nach oben getrieben. Doch allmählich reift bei den Anlegern die Erkenntnis, dass die staatliche Stütze nicht ewig währen wird. In der vergangenen Woche war das in Amerika zu beobachten, wo die Erholung der Häuserpreise wegen der auslaufenden staatlichen Hilfen ins Stocken gerät. Prompt sackten die Kurse zum Wochenschluss kräftig ab. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor im Wochenvergleich mehr als 5 Prozent.

In den kommenden Tagen könnte die Furcht vor dem unvermeidlichen Entzugsprogramm neue Nahrung erhalten. Dann werden diverse Notenbanken, die bisher im großen Stil das immer noch angeschlagene Bankensystem stützen, ihre Zinsentscheidungen bekanntgeben. Dabei werden sie auch andeuten, wie lange die expansive Geldpolitik und die Bankenhilfen noch dauern werden. Die Japaner sind vor einigen Tagen vorangegangen. Die Bank von Japan wird nur noch bis zum Jahresende Unternehmensanleihen kaufen, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten. Wichtige andere Hilfen, die die Versorgung der Banken sicherstellen, bleiben allerdings bestehen. Die Märkte sind also nicht mit einem abrupten Ende der Stützung konfrontiert.

Auch die anderen Zentralbanken werden sicher nicht auf den kalten Entzug setzen. Insofern wird die australische Notenbank, von der in dieser Woche eine Zinserhöhung auf 3,5 Prozent erwartet wird, auf mittlere Sicht eine Ausnahme bleiben. Die anderen Zentralbanken dürften noch längere Zeit ihre Leitzinsen in der Nähe der Null-Linie belassen. Das gilt auch für die amerikanische Federal Reserve, die ihre Entscheidung am Mittwoch veröffentlichen wird. Die Bank von England, die wie die Europäische Zentralbank am Donnerstag an der Reihe ist, könnte bei gleichbleibenden Zinsen sogar ihr Anleihekaufprogramm von 175 auf 200 Milliarden Pfund ausweiten. So erwarten es einige Beobachter.

Bundesbank mahnt Regierung zur Haushaltskonsolidierung

Gleichwohl könnte schon die Diskussion der Ausstiegsprogramme die Kauflust der Aktieninvestoren bremsen. Auch für die EZB gibt es noch keinen Anlass, sofort mit einem Ausstieg zu beginnen. Dafür geht es Wirtschaft und Bankensystem noch zu schlecht, und die niedrigen Inflationsraten zwingen noch nicht zur Eile. Aber immerhin wächst der Druck, sich mit den Folgen einer zu lange andauernden freigebigen Geldpolitik zu beschäftigen. Gerade hat Bundesbank-Präsident Axel Weber die deutsche Regierung ermahnt, spätestens im Jahr 2011 mit der Konsolidierung des Haushalts zu beginnen. Notenbanker, die den Staat zur Sparsamkeit aufrufen, müssen sich selbst an ähnlichen Kriterien messen lassen. Und so hat Weber in derselben Rede angedeutet, dass schon im nächsten Jahr die extrem lockere Liquiditätsversorgung der Banken wieder verknappt werden könnte.

Sollte die EZB diese Darstellung am Donnerstag konkreter formulieren, wäre das für den Aktienmarkt ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Denn die Hausse der vergangenen Monate wird – wie auch auf den Märkten für Anleihen und Rohstoffe – von der billigen Liquidität getrieben.

Verstärkte Zweifel an dieser Konstellation kämen nun zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn ohnehin haben die jüngsten Konjunkturmeldungen das Bild erschüttert, die amerikanische Wirtschaft erhole sich rasch und stabil. Deshalb dürften die Anleger in der kommenden Wochen besonders auf die Konjunkturdaten aus Übersee achten. Dort werden in den kommenden Tagen einige Stimmungsindikatoren veröffentlicht. Für die Stimmung der amerikanischen Einkaufsmanager rechnen die Fachleute mit nahezu unveränderten Werten im Vergleich zum Vormonat. Abweichungen von diesen Prognosen könnten die Kurse bewegen. Das gilt auch für den Bericht vom Arbeitsmarkt, der am Freitag auf dem Programm steht. Als sicher gilt, dass die Arbeitslosenquote von 9,8 auf 9,9 Prozent steigen wird. Außerdem rechnen die Analysten der Banken damit, dass in der amerikanischen Wirtschaft im Oktober etwa 200.000 Arbeitsplätze verlorengegangen sind. Die weiter wachsende Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist ein Risiko für die Wirtschaft und die Aktienmärkte, weil sie die Zurückhaltung der amerikanischen Verbraucher weiter verstärken dürfte.

Europäische Exporteure nach wie vor geschwächt

Die Geschäftsberichte der Unternehmen waren in den vergangenen Monaten meist eine Stütze der Aktienhausse. Doch auch hier schwächt sich der Trend ab. Gut ein Drittel der Unternehmen in Dax und Euro-Stoxx 50 hat bereits über das dritte Quartal berichtet. Überwogen in den beiden vorangegangenen Quartalen die erfreulichen Überraschungen, liegen die berichteten Umsätze nun leicht unter den Erwartungen der Akienanalysten. Die Dax-Gesellschaften, die bislang ihre Zahlen veröffentlicht haben, meldeten für das dritte Quartal gut 20 Prozent weniger Ertrag als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für den Euro-Stoxx 50 beträgt der Rückgang gut 40 Prozent.

In der kommenden Woche erreicht die Berichtssaison in Deutschland einen Höhepunkt. Deutsche Telekom, Deutsche Börse, BMW, Fresenius, Commerzbank, Metro, Linde, Münchener Rück und Deutsche Post legen ihre Quartalszahlen vor. Die neun Unternehmen gehören zwar nicht zu den schwersten Werten im Index, stehen aber immerhin für rund 22 Prozent des Dax. Insbesondere bei den exportstarken Unternehmen wird es darauf ankommen, wie sie mit dem starken Euro zurechtkommen. Die europäische Gemeinschaftswährung hat im Vergleich zum Jahrestief in der Relation zum Dollar rund 20 Prozent aufgewertet. Zuletzt gewann der Dollar zwar etwas an Boden zurück – der Euro wird derzeit mit rund 1,47 Dollar gehandelt –, aber gemessen an einem handelsgewichteten Korb der wichtigsten Währungen, befindet sich der Euro immer noch nahe seinem Rekordhoch. Das schwächt die Wettbewerbsposition der europäischen Exportunternehmen.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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