Home
http://www.faz.net/-gvt-yr8u
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Internationaler Finanzmarkt Bloß kein zweiter Abschwung

05.09.2010 ·  Positive Konjunkturdaten aus Amerika haben Ängste vor einer zweiten Rezession gedämpft. Mit der deutschen Wirtschaft geht es weiterhin bergauf, wenn auch nun etwas gemäßigter. Es bleibt jedoch die Sorge um Banken und Staatsfinanzen.

Von Stefan Ruhkamp
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Die Erleichterung ist an den Börsen derzeit mit den Händen zu greifen. Nach dem Motto „es kommt gar nicht so schlimm“ steigen die Kurse riskanterer Anlagen, und die in den vorangegangenen Wochen beobachtete Flucht in vermeintlich sichere Staatsanleihen hat vorerst ein Ende erreicht. Diese Gegenbewegung hat in der vergangenen Woche den europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 um knapp 4 Prozent nach oben getrieben, wobei der deutsche Dax etwas hinterherhinkte. Zugleich fielen die Kurse der Bundesanleihen, was die Rendite zehnjähriger Titel innerhalb von nur drei Tagen vom Rekordtief von 2,09 auf 2,35 Prozent erhöht hat.

Auslöser der kräftigen Bewegung an den Börsen sind erfreuliche Konjunkturdaten beziehungsweise solche, die weniger schaurig als befürchtet ausfielen. So geht die Beschäftigung in der amerikanischen Wirtschaft zwar weiterhin zurück, aber der Abbau der Stellen betrug im August nur rund 50.000 statt der erwarteten gut 100.000.

Ein kräftiger Aufschwung sieht zwar anders aus, aber ein Weltuntergang eben auch. Und so vertrauen die Anleger auf die Stimmungsindikatoren; der Index der Einkaufsmanager befindet sich wegen der optimistischen Einschätzung der mittelfristigen Perspektiven auf dem höchsten Stand seit vier Jahrzehnten. Das alles würde aber nicht für eine freundliche Stimmung reichen, wenn die Notenbanken nicht die schier unbegrenzte Versorgung der Banken mit billigem Geld weiter ausdehnen würden.

Die Zinsen bleiben vorerst niedrig

Schweden hat zwar gerade den Leitzins angehoben. Aber in den großen Wirtschaftsräumen, wo mit Euro, Yen und Dollar gezahlt wird, haben die Notenbanken signalisiert, dass sie Geld noch für längere Zeit zu Zinsen verleihen werden, die unwesentlich über der Null-Linie liegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zudem weitere dreimonatige Finanzierungsgeschäfte mit voller Zuteilung zum Leitzins angekündigt. Die Banken können also weiterhin nicht nur bei den wöchentlichen, sondern auch bei den längerfristigen Finanzierungsgeschäften mit der Notenbank über den Umfang der Geldversorgung bestimmen.

Zugleich hat die EZB ihre Wachstumsprognosen nach oben korrigiert. Aus Sicht der Anleger eine verlockende Perspektive: Wachstum bei zumindest mittelfristig extrem niedrigen Zinsen. Und so wendet sich der Blick in den nächsten Tagen auf die anderen Notenbanken.

Am Dienstag ist die Bank von Japan mit ihrer Zinsentscheidung an der Reihe. Der Umgang mit dem starken Yen, der im Vergleich zum Dollar so hoch bewertet ist wie zuletzt im Jahr 1995, wird für die Japaner heikel. Die gewohnten Interventionen zur Schwächung der eigenen Währung gelten nicht mehr als politisch opportun, weil die Amerikaner sich darüber beklagen. Der Leitzins liegt schon jetzt bei nur 0,1 Prozent, und so wächst der Druck, die Liquiditätshilfen für die Banken weiter auszuweiten.

Kräftiger Aufschwung in Deutschland

Am Donnerstag folgt die Bank von England, die mit mäßigen Konjunkturdaten und zugleich steigenden Inflationserwartungen konfrontiert ist. Und was macht die deutsche Wirtschaft? Erwartet werden weitere Daten, die den kräftigen Aufschwung untermauern. In der zweiten Jahreshälfte dürfte es zwar nicht so dynamisch weitergehen wie in der ersten. Aber ein Wachstum von mehr als 3 Prozent gilt inzwischen als wahrscheinlich.

Am Dienstag und Mittwoch stehen Daten zu den Auftragseingängen und zur Produktion der deutschen Industrie an. Beide Werte dürften im Monatsvergleich gestiegen sein, aber nicht mehr so stark wie zuletzt. Für weitere Beruhigung könnte auch am Mittwoch der Konjunkturbericht (Beige Book) der amerikanischen Notenbank sorgen.

Ein Risikofaktor bleibt jedoch die Sorge um die Staatsfinanzen. Während die Risikoaufschläge für die privaten Banken im Durchschnitt des Euro-Raums spürbar gesunken sind, liegen sie für die finanzschwachen Euro-Staaten wie Griechenland, Portugal, Irland und Spanien immer noch in der Nähe der im Mai erreichten Höchstwerte. Nun versucht der Internationale Währungsfonds mit einer Studie zu beruhigen. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls werde derzeit auf den Märkten übertrieben hoch bewertet, heißt es darin. Anders als bei früheren Zahlungsausfällen sei die Zinslast für die Sorgenkinder dieses Mal nicht das Problem. Zudem müssten Staaten wie Griechenland und Irland ohnehin ihre Staatsdefizite abbauen.

Kein Anreiz für Umschuldungen

Griechenland hat in diesem Jahr ein Primärdefizit – das Haushaltsloch vor der Zahlung von Zinsen – von 5,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Irland kommt auf 10 Prozent. Ähnlich hoch sind die Werte von Spanien, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan. Unter diesen Umständen sei der Anreiz, eine Umschuldung herbeizuführen gering. Selbst bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent verringere sich für Griechenland die notwendige Anpassung des Staatshaushalts nur um 2,7 Prozentpunkte. Statt der nun angestrebten Einschränkung um 14 Prozent der Wirtschaftsleistung wären im Fall einer Staatspleite immer noch 11,4 Prozent notwendig.

Die Sorgen der Anleger haben solche Überlegungen in den vergangenen Tagen kaum beeinflusst. Die Euro-Staaten benötigen in den kommenden Tagen rund 9 Milliarden Euro. Das ist ein vergleichsweise geringer Wochenwert. Geld benötigen unter anderem Deutschland, Portugal und Irland. Die Auktionen des amerikanischen Schatzamts sind mit 67 Milliarden Dollar ungleich größer.

Kursbewegende Nachrichten könnten auch aus Basel kommen. Dort treffen sich Vertreter der nationalen Aufsichtsbehörden und Notenbanken, um die neuen Regeln für die Stabilität der Banken auszuhandeln. Die anfangs recht ehrgeizigen Pläne sind in den vergangenen Monaten immer wieder entschärft worden. Auch Deutschland bemüht sich um einige Entlastungen für seine Banken. Sollte sich der Trend zur Aufweichung fortsetzen, könnte das die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten kurzfristig begünstigen. Daraus resultierende langfristigen Risiken für die Stabilität des Finanzsystems gelten erfahrungsgemäß als ungewisse Nebenwirkungen und haben kaum Wirkung auf die Börse.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
10.02.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 138,62 +1,01%
 OK
10.02.2012 11:38 Uhr
  Vortag
REXP 420,19 +0,21%
 OK
10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%