28.06.2006 · Wie befürchtet, hat nach der WBG Leipzig-West nun auch die Düsseldorfer DM Beteiligungen Insolvenz beantragt. Anwälte sehen in beiden Fällen den gleichen Hintermann.
Was Anlegerschützer schon befürchtet hatten, ist seit Montag eine Tatsache: Am Montag hat nach der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Leipzig-West nun auch die DM Beteiligungen AG beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren ist dort unter der Geschäfts-Nr. 505 IN 159/06 anhängig. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist RA. Piepenburg aus Düsseldorf bestellt worden.
Mehr als 8.000 Anleger sollen von dem Konkurs betroffen sein, die Kanzlei Dr.Steinhübel und von Buttlar spricht von 9.000. Wie die WBG hatte sich auch die DM Beteiligungen über direkt vertriebene Inhaber-Schuldverschreibungen finanziert. Das Schadensvolumen ist schwer abschätzbar, da zum einen die jüngste veröffentlichte Bilanz des Unternehmens die des Jahres 2003 ist. Zum anderen ist nicht klar, in welchem Umfang ein Zahlungsverzug besteht und in welchem Umfang die jüngsten Emissionen plaziert wurden. Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Brandenburg stieg die Verschuldung der DM seit dem Jahr 2000 um über 260 Prozent.
Angeblich bei beiden Gesellschaften der gleiche Hintermann
Seit dem Konkursantrag der WBG am Montag der Vorwoche waren merkwürdige Parallelen zwischen der WBG und der DM Beteiligungen ans Licht gekommen. Bekannt war längst, daß beide Unternehmen eine ähnlich undurchsichtige und in den vorgelegten Geschäftszahlen nur wenig aufschlußreich dokumentierte Holding-Struktur aufwiesen und sich die Aufmachungen der Prospekte der Anleihen ähnelten.
Laut Rechtsanwalt Walter Späth von der Kanzlei Dr. Rohde & Späth stimmten zudem sowohl die Gliederungen der Anleihebedingungen als auch die Wortwahl beispielsweise in Bezug auf das außerordentliche Kündigungsrecht zum Großteil überein. Vor allem aber meldeten sich Anleger, die sowohl bei der WBG als auch bei der DM unter derselben Kundennummer geführt werde - statistisch ein praktisch unmöglicher Zufall.
Laut dem Bund für soziales und ziviles Rechtsbewußtsein (BSZ) vertritt der Berliner Anlegerschutzanwalt Walter Späth die Auffassung, daß sich „Querverbindungen zwischen der WBG Leipzig-West AG und der DM Beteiligungen AG bestätigen“. Es sei offensichtlich, daß die Beteiligten „nun die Reißleine ziehen wollten, bevor die Querverbindungen völlig offensichtlich wurden“, so Späth.
Nach Auffassung der Kanzlei Hahn Rechtsanwälte bestehen zwischen den unternehmen mehr als nur Querverbindungen. Laut Pressemeldung der Kanzlei sei bei beiden Gesellschaften der Kaufmann Jürgen Schlögel aus Nürnberg beherrschender Hintermann.
Unklarer Wert der Beteiligungen
Späth hofft, daß die „Staatsanwaltschaft schnelles Handeln an den Tag legt und überprüfe, ob die Verantwortlichen Kapitalanlagebetrug begangen haben.“ Er rät Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden, da es recht wahrscheinlich sei, daß wenigstens ein Teil des Anlegergeldes über die Insolvenzmasse zurückgeführt werden könne.
Hahn plädiert für die Einsetzung eines Gläubigerausschusses. „In diesem wollen wir“, so Anwalt Hahn, „als Vertreter der Anleihegläubiger deren Interessen wirksam vertreten. Hahn Rechtsanwälte recherchierten, inwieweit eine Inanspruchnahme der Hintermänner auch wirtschaftlich Sinn macht.
Für Konkursverwalter Piepenburg hat zunächst die Fortführung des operativen Geschäfts der DM Beteiligungen Priorität. Die Mitarbeiter seien noch „alle an Bord“ und führten die Geschäfte weiter.
Indes ist die Frage, wie werthaltig die Beteiligungen sind. Bekannt ist, daß Immobilien existieren. Doch deren Wert und die mögliche Existenz vorrangig besicherter Verbindlichkeiten muß erst noch geprüft werden.
Die Beteiligung an der Drehmomente.de GmbH, die die DM Beteiligungen mit 75 Prozent angibt, beträgt laut Auskunft von Drehmomente mit Sitz in Nürnberg weiter nur 50 Prozent. Die Aufstockung sei geplant gewesen, aber nicht vollzogen worden. Von der Insolvenz sieht man sich weiter nicht betroffen.
Briefkastenfirmen?
Welche Summe für diese Beteiligung wird erlöst werden können, weiß niemand zu sagen. Drehmomente ist eine GmbH und gibt zu Geschäftszahlen keine Auskunft. Das Unternehmen sieht sich als Marktführer für fotorealistische Produktanimation in elektronischen Medien und ist somit hochspezialisiert. Somit ist eine Werthaltigkeit zwar durchaus denkbar, indes dürfte das Geschäftsvolumen nicht auf einem Massengeschäft beruhen.
Andere Töchter machen den Eindruck, daß es sich um Briefkastenfirmen handelt. So berichtete die Zeitschrift „Euro“ im Jahr 2004, daß es in früheren Prospekten des Unternehmens über die Töchter „SMC Unternehmensberatung“ und „SMC Netze- und Kommunikations-Beratung“ geheißen habe, daß diese seit über zehn Jahren individuelle Softwarelösungen entwickelten und für „erhebliche Erträge gesorgt“ hätten.
Tatsächlich hänge am Firmensitz im deutschen Steuerparadies Norderfriedrichskoog lediglich ein Firmenschild. Die Post werde von Nachbarn nach Karlsruhe weitergeleitet, wo SMC offenbar im Wohnhaus des Geschäftsführers zu residieren schien. Einziger Hinweis auf die Firma sei der Name auf dem Klingelschild. Der neueste Anleiheprospekt teilte lapidar mit: „Diese Unternehmen befinden sich derzeit in der Umstrukturierung, so daß hier für das letzte sowie das laufende Geschäftsjahr keine Erträge zu erwarten sind.“
Steuerspartrieb leistet dem Betrug Vorschub
Derzeit ist also offen, wie groß letztlich der Schaden sein wird. Es bleibt aber dabei, daß Privatplazierungen hohe Risiken aufweisen - Risiken, die kaum durch die Zinshöhe kaum ausgeglichen werden. Jenseits jeden Verdachts auf Kapitalanlagebetrug waren Transparenzpolitik und Geschäftszahlen sowohl der DM Beteiligungen als auch der WBG Leipzig-West nie dazu angetan, eine Verzinsung von fünf bis sechs Prozent zu rechtfertigen, selbst wenn diese am Finanzamt vorbei steuerfrei waren.
Auch dieser illegale Renditevorteil aus hinterzogenen Steuern rechtfertigt das Risiko nie. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit drohen nicht nur hohe Verluste, sondern auch Schwierigkeiten mit dem Finanzamt, weil die erhaltenen Zinsen nicht ordnungsgemäß versteuert wurden. Das macht aber es aber Anlagebetrügern leicht, Kuponschneider über den Tisch zu ziehen und leistet Schneeballsystemen erst so richtig Vorschub, weil die Verantwortlichen nicht mit einem schnellen Handeln der Betroffenen rechnen müssen.
All das wird von ein paar Prozent mehr nicht ausgeglichen. Denn das erhöhte Tilgungsrisiko bei der (hoffentlich) letzten Anleihe der DM Beteiligungen wurde selbst beim Spitzensteuersatz lediglich mit 2,31 Prozent ausgeglichen.