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Inflationsgesicherte Anlagen Der optimale Schutz will wohl überlegt sein

01.07.2008 ·  Inflation wird immer mehr zum beherrschenden Thema in der Geldanlage. Der beste Schutz davor will aber gut überlegt sein.

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Die Börsen sind hochgradig nervös. Am Dienstag ist es einmal mehr die Finanzkrise, die den Anlegern Sorgen macht, doch längst hat sich das Thema Stagflation etabliert. Schwaches Wachsrum, dass ebenso wenig ein günstiges Klima für Aktien darstellt, und hohe Preissteigerungen, die sowohl für die Kurse von Aktien als auch von Anleihen abträglich sind.

Was Wunder also, wenn die schon in der Vergangenheit so kreative Zertifikate-Industrie nunmehr auch diesen Trend entdeckt hat und ihre Produkte feilbietet. Zu den ersten Emittenten von Inflations-Zertifikaten gehört die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley, die mittlerweile ihre dritte „200% Inflationsanleihe“ anbietet.

Historisch auch im ungünstigsten Fall noch realer Ertrag

Die Funktionsweise des kapitalgeschützten Produkts ist einfach. Bei einer dreijährigen Laufzeit erhält der Anleger nach den ersten beiden Jahren eine Zinszahlung in Höhe des Doppelten der Inflationsrate, im dritten Jahr einen fixen Kupon von fünf Prozent.

Chance und Risiko liegen auf der Hand. Kommt es zu einer galoppierenden Inflation kann die Anlage im dritten Jahr ihre geldwertsicherenden Erfolge der ersten beiden Jahre verspielen. Dafür sprechen die bisherigen Erfahrungen seit Beginn der siebziger Jahre allerdings nicht.

Selbst im ungünstigsten Fall hätte die Anleihe Ende der Achtziger noch einen realen Ertrag von 3,6 Prozent eingebracht. Allerdings basiert dieses Szenario auf dem deutschen Verbraucherpreisindex. Der zugrundeliegende Index aber ist der in der Regel zugrunde gelegte Harmonisierten Verbraucherpreisindex der EU, der ein gewichtetes Mittel der 15 EU-Staaten darstellt.

Sollte die Inflation daher in Deutschland hoch sein, aber in anderen Ländern nicht, würde ein deutscher Verbraucher weniger profitieren. Auch dieses Risiko muss als weniger hoch gelten.

Auf den Verlauf der Inflation kommt es an

Tatsächlich liegt der Nachteil im Fixkupon des dritten Jahres. Je ungünstiger die Inflationsentwicklung bis 2010 verläuft, desto stärker fällt das Zertifikat gegenüber den Erträgen von zeitgleich beschafften inflationsindexierten Anleihen ab. Deren Erträge richten sich idealerweise nach der Höhe der eingepreisten Inflationserwartungen. Steigt die Inflation stärker als erwartet, so steigt der Ertrag der sogenannten Linker, während der des Zertifikats fällt.

Auch variabel verzinsliche Anleihen bieten Vorteile, da sich deren Verzinsung an den gängigen Interbanken-Zinssätzen orientiert, die sich wiederum an den Leitzinsen orientieren. Im Falle einer steigenden Inflation dürften die Zinsen weiter stiegen und damit auch die nominalen Erträge der Floater. Der Nachteil ist, dass sich die Zinsen beider Anleiheformen in der Regel als absolute Aufschläge berechnen. Liegt die Inflationsrate unter dem Aufschlag, hängt es abermals von der Inflation im letzten Basisjahr der Laufzeit ab, welche Anlage relativ einen größeren Ertrag bringt. Steigt die Inflationsrate 2010 stark an. kann auch dann der Gesamtertrag des Zertifikats wieder unter dem einer variable verzinslichen Anleihe oder eines Linkers liegen.

Nachlaufende Erträge können zum Nachteil werden

Ein weiterer Haken des Zertifikats ist seine nach laufende Gestaltung. Im August 2010 wird ein Kupon ausbezahlt, der auf der Inflationsrate des Jahres 2009 basiert. Während also die Kuponperiode von August 2009 bis August 2010 reicht, reicht die Berechnungsbasis von Januar 2009 bis Januar 2010. Steigt die Inflationsrate im Jahr 2010 deutlich an, kann der Kupon des Zertifikats unter der Inflationsrate der Kuponperiode liegen.

Ob die 200% Inflationsanleihen daher der beste Inflationsschutz sind, sei dahin gestellt. Nicht zu vergessen ist auch, dass es sich rechtlich um Schuldverschreibungen handelt, die auf der Bonität einer durch die Finanzkrise gebeutelten Bank basieren. Diese wird mit Baa3 eingestuft und liegt damit deutlich sieben Stufen unter der Bonität inflationsindexierter Bundesanleihen. Derzeit gibt es keine Zweifel an der Solvenz des Hauses Morgan Stanley.

Doch die Sorgen um die Konsequenzen der Finanzkrise sind nun einmal vorhanden und nicht ganz unberechtigt. Die historische Krise des Bankensektors hat eine wenig berechenbare Dynamik, wie immer wieder unerwartete Abschreibungen, Kapitalspritzen und nicht zuletzt die rasche Insolvenz der Investmentbank Bear Stearns gezeigt hat.

Wer also nach dem besten Inflationsschutz sucht, muss zwischen Chance und Risiko deutlich abwägen - wie man dies als Investor eigentlich immer tun sollte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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