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Immobilienanleihen Viele Fragezeichen nach WGF-Pleite

Mit der WGF geht ein weiterer Emittent von immobilienbesicherten Anleihen in die Insolvenz. Für die Inhaber heißt es jetzt erst recht bangen.

© obs Vergrößern WGF: Auch der Verkauf des Torgauer Platz Centers in Leipzig verlief im Mai wohl nicht nach Wunsch

Es kam wie von vielen nicht anders erwartet: Nachdem die umstrittene Immobiliengesellschaft WGF am Dienstag endlich Geschäftszahlen für das Jahr 2011 (!) vorlegte, verknüpfte sie das gleich mit zwei Dingen: Erstens stellte sie einen Insolvenzantrag und zweitens wird sie die am Freitag fällige Anleihe nicht tilgen.

Schon vor mehr als einem Jahr wurden bei Vorlage des Einzelabschlusses, in den die in Tochtergesellschaften ausgelagerten Immobilien nicht eingingen, Vermutungen geäußert, dass WGF mit seine Immobiliengeschäften hohe Verluste erlitten haben könnte, allzumal es schon damals hieß: „Altbestände und strategisch unerwünschte Immobilienbeimischungen aus früheren Portfolio-Erwerben wurden aussortiert und veräußert - in Einzelfällen auch mit Verlust gegenüber dem Einkaufspreis“.

Verlust von mehr als 70, Eigenkapitallücke von mehr als 65 Millionen Euro

Jetzt weist WGF einen Bilanzverlust auf Konzernebene von gut 71 Millionen Euro aus, resultierend aus einem Verlust im Berichtsjahr von mehr als 78 Millionen Euro bei Umsatzerlösen von knapp 22 Millionen. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag beläuft sich auf mehr als 65 Millionen Euro bei Bruttofinanzverbindlichkeiten von knapp 200 Millionen Euro, fast ausschließlich aus Anleihen.

Deren Notierung war von der Börse Düsseldorf Ende November ausgesetzt worden, weil das Unternehmen weder fristgerecht noch sechs Monate später einen Jahresabschluss für 2011 vorgelegt hatte.

Fragezeichen an der Werthaltigkeit

Naheliegend ist es, unter diesen Umständen Konkursverschleppung zu vermuten, wobei es dafür derzeit keine Beweise gibt. Indes stößt in diesem Zusammenhang sauer auf, wie das Unternehmen in seiner Pressemeldunng versucht, anderen die Schuld für die Misere hinzuschieben.

Der Jahresverlust ergebe sich im Wesentlichen durch strategische Desinvestments und bilanztechnische Maßnahmen, insbesondere Abschreibungen auf das Anlagevermögen. Es seien konservative Wertberichtigungen auf die Beteiligungen und die Forderungen an verbundene Unternehmen für die Jahre 2011 und 2012 vorgenommen. Die Immobilienbestände werden seit 2010 aus steuerlichen Gründen in den zur WGF gehörenden Objektgesellschaften gehalten.

Im Klartext bedeutet dies, dass zum einen offenbar wenig ertragreiche Immobilien mit (offensichtlich hohem) Verlust veräußert wurden - ein strategisches Desinvestment. Zum anderen sind konservative, also hohe, Wertberichtigungen auf die Forderungen gegen die Objektgesellschaften nur damit zu erklären, dass deren Einbringlichkeit sich verringert hat. das kann nur der Fall sein, wenn deren Ertragsaussichten sich deutlich verschlechtert haben.

Daraus lässt sich schließen, dass deren Immobilienbestand deutlich weniger werthaltig ist, als bis her angesetzt wurde. Dies als „bilanztechnische Maßnahme“ erscheitn doch fragwürdig.

Schuld sind Wirtschaftsprüfer und Journalisten

Aber es kommt noch besser: Die verantwortliche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe nicht mehr die „von unabhängigen Sachverständigen erstellten, langfristig realistischen Wertgutachten„, sondern realisierte Verkaufspreise aus Verkäufen in einer schwierigen Marktsituation als Basis für die Neubewertung des Immobilienbestandes in den Objektgesellschaften zu Grunde gelegt. Letztlich ist also nicht die Geschäftspolitik der WGF, sondern die Kurzsichtigkeit der Wirtschaftsprüfer Ursache der Insolvenz. Lapidar heißt es an andere Stelle allerdings, die Entwicklung sei im Wesentlichen marktbedingt. Das ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Aber damit nicht genug: Neben den Wirtschaftsprüfern findet WGF auch in den Medien noch die Schuldigen. Mitte 2011 sei durch ungerechtfertigte Darstellungen ein Reputationsschaden entstanden, der die durch zwei Banken bereits zugesagte Plazierung von Genussscheinen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis gestoppt habe.

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Veröffentlicht: 03.12.2012, 17:30 Uhr

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