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Sonntag, 19. Februar 2012
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Im Gespräch: Karsten Junius, Deka-Ökonom „Inflation hat mehrere Übel“

19.03.2010 ·  Für Staaten ist es verlockend, die Last hoher Schulden durch Inflation zu reduzieren. Doch die Kosten dieser Politik wären sehr hoch. Studien zeigen, dass ab Inflationsraten von 5 Prozent die Kapitalbildung nicht mehr effizient funktioniert.

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Für Staaten ist es verlockend, die Last hoher Schulden durch Inflation zu reduzieren. Doch die Kosten dieser Politik wären sehr hoch. Empirische Studien zeigen, dass ab Inflationsraten von 5 Prozent die Kapitalbildung nicht mehr effizient funktioniert. Das Wirtschaftswachstum sinkt, die Steuereinnahmen gehen zurück und die Risikoprämien steigen.

Herr Junius, wie viel Inflation braucht man, um die Last der Staatsverschuldung deutlich zu reduzieren?

Wirksame Effekte auf die Staatsverschuldung erfordern derart hohe Inflationsraten, dass darunter das Wirtschaftswachstum leiden könnte. Ein bisschen Inflation reduziert die Last der Staatsverschuldung nur ein bisschen und nur temporär. Eine deutliche Wirkung würden erst Inflationsraten ab 10 Prozent zeigen.

Die aber gefährlich wären?

Empirische Studien zeigen, dass ab Inflationsraten von 5 Prozent die Kapitalbildung nicht mehr effizient funktioniert. Das Wirtschaftswachstum sinkt und sorgt für rückläufige Steuereinnahmen. Außerdem dürften Anleger mit der steigenden Inflation höhere Risikoprämien auf Staatspapiere verlangen, was diese verteuert. Hohe Inflation hat also mehrere Übel.

Inflation besitzt aber auch schuldenreduzierende Effekte, zum Beispiel über steigende Notenbankgewinne.

Wir haben zu unserer eigenen Überraschung festgestellt, dass eine höhere Inflation den Notenbankgewinn weniger stark steigen lässt als erwartet.

Was bleibt dann?

Ganz überwiegend die reale Entwertung der Schulden. Während der Laufzeit der Anleihe verliert das Geld durch Inflation an Wert. Dieser Effekt wird umso größer, je länger die durchschnittliche Restlaufzeit der Staatsschulden ist. Das gilt besonders für Großbritannien mit seiner sehr langen Restlaufzeit von fast 14 Jahren. Wenn in Großbritannien die Inflationsrate deutlich stiege, könnte die Regierung noch sehr lange auf ihre alten Schulden niedrige Zinsen zahlen. Die deutschen Schulden haben nur eine Restlaufzeit von annähernd 6 Jahren.

Wie erklärt sich die außerordentlich lange Restlaufzeit der britischen Schulden?

Das erklärt sich aus der starken Nachfrage durch britische Pensionsfonds. Sie haben die Auflage, die Laufzeit ihrer Kapitalanlagen an ihre künftigen Auszahlungen anzupassen. Und da die Pensionspläne für viele Kunden weit in die Zukunft reichen, entfalten die Pensionskassen eine starke Nachfrage nach sehr langlaufenden Anleihen, die der britische Staat am Kapitalmarkt plaziert.

Ein sehr praktisches Arrangement . . .

Wegen der starken Nachfrage nach diesen Langläufern rentieren britische Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit gewöhnlich nicht höher als zehnjährige Papiere. Das ist sehr attraktiv für die Regierung.

Gilt eine kurze Laufzeit wie in Deutschland nicht als Zeichen von Wertschätzung der Anleger? Schließlich muss man sich kurze Laufzeiten mit niedrigen Renditen erlauben können.

Das stimmt. Deutschland kann es sich leisten, ein gutes Drittel seiner Staatsschuld in Papieren mit Laufzeiten bis zwei Jahren zu begeben, weil wir keine Angst haben müssen, in ein paar Jahren kein Geld mehr zu bekommen. Das kann Griechenland nicht.

Ist Griechenland eigentlich zu retten?

Wir brauchen dort klare Einschnitte in zukünftige Verbindlichkeiten, also beispielsweise eine Rentenreform.

Und was halten Sie von externen Hilfen, zum Beispiel durch die europäischen Partner?

Die muss man sich leisten können. Wir stehen zwar etwas besser da, aber auch unsere Staatsverschuldung wird weiter steigen. Alle Länder in Europa brauchen Entscheidungen, die Ansprüche an den Staat reduzieren. Sonst sind unsere Schulden nicht schulterbar.

Das Gespräch führte Gerald Braunberger.

Quelle: F.A.Z.
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