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Im Gespräch: Jeremy Kroll von K2 „Wir wollen Anlegern das Vertrauen zurückgeben“

06.11.2009 ·  Ratingagenturen haben in der Krise ihren Ruf verspielt. Jeremy Kroll macht ihnen Konkurrenz und setzt dafür den guten Ruf der Kroll-Familie ein. Die hat mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Faktensuche-, analyse und -prüfung sowie in der Risikobegrenzung.

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Ratingagenturen haben in der Krise ihren Ruf verspielt. Jeremy Kroll von K2 Global Partners macht ihnen Konkurrenz mit der Gründung eines neuen Unternehmens und setzt dafür den guten Ruf der Kroll-Familie ein. Sie hat mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Faktensuche-, analyse und -prüfung sowie in der Risikobegrenzung.

Sie sind dabei eine neue Ratingagentur zu gründen. Ist sie schon in Betrieb?

Sie wird gemäß unserer Planungen Ende des ersten Quartals 2010 funktionsfähig sein.

Was bringt Sie auf die Idee, den etablierten Unternehmen in diesem Bereich Konkurrenz zu machen?

Wir glauben, dass institutionelle Anleger weltweit eine Analyse- und Bewertungslösung brauchen, die integrer und sorgfältiger ist, als das was in der Vergangenheit zu haben war. In diesem Sinne benötigen sie eine Alternative zu den bisher schon im Markt präsenten Anbietern.

Was werden Sie anders machen?

Wir gehen aus von unserem fundierten Hintergrund in der Faktensuche-, analyse und -prüfung sowie in der Risikobegrenzung. In diesem Bereich hat die Kroll-Familie mehr als 40 Jahre Erfahrung. Und das ist das, was uns von anderen unterscheidet, wenn wir strukturierte Schuldpapiere analysieren und bewerten.

Immerhin gibt es eine Menge offene Fragen bezüglich der zu Grund liegenden Papiere. Mit Blick auf hypothekarisch besicherte Produkte wurde inzwischen klar, dass in Amerika etwa 15 Prozent der Schuldner, deren Darlehen sich in den jeweiligen Portfolios befanden, nicht einmal die erste Zahlung leisteten. Das ist eine der Fakten, die von den existierenden Ratingagenturen nicht ausgegraben wurden, weil sie sich zu stark auf ihre quantitativen, statischen Modelle verließen. Wir werden zudem vorgelegte Zahlen nicht einfach übernehmen, sondern sie mit verschiedensten Bewertungsmodellen hinterfragen, um einen besseren Eindruck von der Kreditwürdigkeit zu erhalten.

Insgesamt wollen wir die Fakten sorgfältig prüfen und sie schließlich qualitativ so bewerten und analysieren, wie es bei fundiert vorgehenden Anlegern auf der Käuferseite üblich ist.

Wie wird Ihr Geschäftsmodell aussehen, wie wollen Sie Geld verdienen?

Voraussichtlich werden 20 bis 30 asiatische, europäische oder amerikanische Institutionen Anteile an dieser neuen Einheit übernehmen. Sie erhalten unmittelbaren Einfluss auf ihre Finanzierungs- und Entlohnungspolitik. Das heißt, wir werden eine Gruppe einflussreicher Anteilseigner haben, die daran interessiert sind, neue Lösungen in diesem Markt zu sehen. Grundsätzlich werden wir einen großen Teil der erwarteten Einnahmen von Wertpapieremittenten und -vermittlern der Papiere erhalten, die wir analysieren und bewerten. Ein Teil der Erlöse kann jedoch auch von Anlegern kommen.

Welche Rolle spielt Vertrauen?

Wir fragten die Anlegergemeinde, wie sich das Vertrauen in einen Markt wieder herstellen lässt, der eingefroren ist. Die Antwort: Wir brauchen die Gewissheit, dass das, in was wir investieren lebensfähig ist und dass es das hohe Rating wirklich verdient hat, welches ihm zugewiesen wurde. Genau dieses Vertrauen ist in der Vergangenheit erschüttert worden. Zum Beispiel durch die Art und Weise, wie strukturierte Produkte in Zusammenarbeit mit den etablierten Ratingagenturen entwickelt wurden.

Wie wollen Sie sich von ihnen unterscheiden?

In drei Punkten. Erstens werden wir uns nicht hinter dem First Amandment der amerikanischen Verfassung (Meinungsfreiheit) verstecken wie die anderen, sondern wir stehen zu unseren Einschätzungen. Zweiten durch die Qualität unserer Beschäftigten. Drittens dadurch, dass die betrachteten Produkte immer von mehrfach, mit unterschiedlichen Modellen und von unterschiedlichen Teams unter gleichen Annahmen bewertet werden.

Welche Märkte wollen Sie bedienen und welches Wachstum erwarten Sie?

Wir wollen unsere Dienste zunächst europäischen und amerikanischen Anlegern anbieten, die in den vergangenen Jahren große Verluste erlitten haben und die frustriert sind. Wir haben die Absicht, strukturierte Produkte zu analysieren und bewerten, die auf Wohn- und Geschäftsimmobilien sowie auf Kommunalobligationen basieren - generell Asset Backed Securities. Wir gehen nicht von den hohen Wachstumsraten der Boomjahre aus. Aber wir würden nicht in den Markt eintreten, wenn wir in drei, vier Jahren nicht mit einem Volumen von etwa 100 Millionen Dollar rechneten.

Sie gehen also davon aus, dass sich diese Märkte wiederbeleben lassen?

Sicherlich, ja. Es wird eine Reihe von Maßnahmen geben, um das Wachstum zu beschleunigen. Eine davon ist die, das Vertrauen der Anleger in die Prozesse wiederherzustellen, mit denen Finanzprodukte analysiert und bewertet werden.

Welchen Marktanteil wollen sie erreichen?

Das kommt darauf an, wie der Markt sich entwickeln wird. Grundsätzlich rechnen wir damit, künftig zu den wesentlichen Marktteilnehmern zu zählen.

Betrug trug während des Booms wesentlich zum Wachstum bei. Was bleibt ohne?

Betrügerische Aktivitäten werden wirtschaftlich bis zu einem gewissen Prozentsatz immer von der Gesamtwirtschaft getragen. Wenn das Wachstum groß ist, fällt es weniger auf, wenn die Flut sinkt, mehr. Ich fürchte, in volatilen Zeiten wird mehr davon aufgedeckt und wir haben im Anlagebereich noch nicht alles gesehen.

Steigt die Flut schon wieder?

Temporär schon, aber ich glaube nicht so richtig an die Fortsetzung. Wir müssen sehen, was im kommenden Jahr passieren wird. Die Finanzmärkte werden in meinen Augen kurzfristig getrieben von der Notwendigkeit, Gelder anzulegen und günstige Gelegenheiten zu nutzen und nicht unbedingt von den fundamentalen Gegebenheiten.

Sie sprachen von Partnern. Stehen diese schon fest oder führen sie noch Gespräche?

Wir werden förmlich geflutet von Anfragen. Sei es mit Bewerbungen oder mit Anfragen von guten, großen und kleinen Unternehmen aus Europa und Amerika, die Teil unseres Lösungsansatzes werden wollen. Die Anfragen kommen zum Beispiel auf der Anlegerseite von Pensionsfonds verschiedener Unternehmen und Verbände, von Stiftungen oder auch von Schatzmeistern aus dem Öffentlichen Sektor. Auf technischer Seite interessieren sich verschiedene Anbieter von quantitativen Dienstleistungen für eine Zusammenarbeit. Auf individueller Ebene bewerben sich Personen von anderen Ratingagenturen, von alternativen und institutionellen Anlegern oder auch von Juristen und Buchhaltern.

Wie wollen Sie ihre Unternehmung finanzieren, ist etwa ein Börsengang geplant?

Nein, wir planen keinen Gang an die Börse. Das ganze wird rein privat finanziert. Im Moment stellt die Kroll-Familien-Holding die Finanzierung. Wir gehen aber davon aus, dass sich andere institutionelle Investoren beteiligen werden.

Wie sollten sich Anleger verhalten, bis das Vertrauen wieder hergestellt ist?

Der Markt für strukturierte Produkte ist immer noch einfroren, so dass es kaum Neuemissionen gibt. Und wenn, dann sind die Zweifel an der Glaubwürdigkeit groß. Anleger sind gezwungen, sich auf die eigenen Fähigkeiten zu verlassen oder individuell Experten zu finden, die es tatsächlich gibt.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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