Wegen der Finanzkrise ist das Zinsniveau sehr tief. Die Europäische Zentralbank kann die Zinsen nicht anheben, wegen der schwachen Wirtschaftslage am Rande Europas, erklärt ING-Diba-Chef Roland Boekhout. Zwei Prozent Zinsen für Tagesgeld seien im Augenblick sehr viel.
Herr Boekhout, wann zahlt die Diba endlich wieder vernünftige Zinsen fürs Tagesgeld?
Ich glaube, zwei Prozent sind im Augenblick sehr viel.
Bitte?
Sie werden kaum jemanden finden, der mehr zahlt. Und wenn, dann müssen Sie sich als Kunde fragen, ob das nicht wieder so ein unsicherer Kandidat ist wie die isländischen Banken.
Gibt es denn nächstes Jahr endlich mal wieder mehr Zinsen?
Ich fürchte, dass die Zinsen noch einige Zeit niedrig bleiben. Leider. Die Europäische Zentralbank kann die Zinsen nicht anheben, wegen der schwachen Wirtschaftslage am Rande Europas. Die Staaten an der Peripherie brauchen niedrige Zinsen zur Sanierung ihrer Staatshaushalte. Uns wäre ein höheres Zinsniveau auch lieber. Dann hätten wir mehr Möglichkeiten, uns mit hohen Tagesgeldzinsen von anderen Banken zu unterscheiden.
Aber bei diesen Zinssätzen frisst doch die Inflation das meiste auf?
Ich glaube nicht, dass wir eine hohe Inflation bekommen werden. Zumindest nicht kurzfristig. Aber Sie haben recht, sobald die Inflationsrate etwas anzieht, sind zwei Prozent Zinsen schnell weg.
Fließt denn trotz allem immer noch viel Geld auf die Tagesgeldkonten? Oder investieren die Leute lieber in Aktien?
Nein, die Kunden sind immer noch sehr vorsichtig und halten deshalb viel Geld auf dem Tagesgeldkonto. Und sie zahlen dort sogar immer noch hohe Beträge zusätzlich ein. Ich glaube, dieses Verhalten ist auch klug: Es gibt noch immer viel Grund, vorsichtig zu sein, was die Entwicklung der Weltwirtschaft betrifft.
Wenn man so wenig Zinsen bekommt, kann man das Geld auch gleich auf dem Girokonto lassen, oder?
Bei uns rückt tatsächlich das Girokonto stärker in den Vordergrund. Das hat aber nichts mit der Zinsentwicklung zu tun. Die ING-Diba will nicht nur die Bank fürs Tagesgeld sein. Wir wollen zur Hausbank unserer Kunden werden. Das heißt, wir wollen vor allem deren Gehaltskonten führen, aber zum Beispiel auch die Immobilie unserer Kunden finanzieren. Darum widmen wir im Augenblick dem Girokonto viel Aufmerksamkeit.
Sie zahlen Kunden, die wechseln wollen, 75 Euro. Mehr sogar als die Commerzbank?
Das sind Aktionen, die von Zeit zu Zeit laufen. Wir schaffen damit für Kunden zusätzliche Anreize, um zur ING-Diba zu wechseln.
Finden Sie denn viele neue Kunden - hält der Trend zum Online-Banking ohne Bankfiliale denn noch an?
Ja, immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte im Internet oder per Telefon. Schätzungsweise 30 Millionen Kunden in Deutschland sind für Direkt-Banking aufgeschlossen. Erst 20 Millionen machen es. Da ist also noch Luft.
Wie viel neue Kunden wollen Sie 2011 gewinnen?
Wir haben im Moment gut 7 Millionen Kunden. Jeden Monat kommen einige tausend dazu. Netto, also nach Abzug aller Abgänge, dürften es in diesem Jahr rund 200 000 zusätzliche Kunden werden. Das wird uns wieder ein Rekordergebnis bescheren.
Ist Internetbanking überhaupt noch auf der Höhe der Zeit? Oder geht das heute per iPhone-App?
Das könnte ein neuer Trend sein, Bankgeschäft per iPhone und iPad. Wir haben die entsprechenden Apps entwickeln lassen und sind auch damit am Markt. Mein Eindruck ist allerdings, dass das noch nicht besonders stark genutzt wird. Die Leute sind vorsichtig und müssen sich wohl erst noch etwas daran gewöhnen.
Machen die Menschen sich Sorgen um die Sicherheit?
Wenn dieser Kanal nicht sicher wäre, würden wir das nicht machen. Aber Sie haben recht, viele Leute sind noch verunsichert.
Ist mobiles Banking die Zukunft?
Ich glaube, gerade junge Leute, die sich für Aktien interessieren, werden da sehr bald einsteigen. Die finden das interessant. Das konventionelle Bankgeschäft, etwa Überweisungen, werden die meisten Menschen vermutlich erst mal weiter daheim am PC erledigen.
Wohin geht der Trend langfristig?
Wie meine Kinder, die jetzt 12 und 14 sind, später einmal ihre Bankgeschäfte erledigen werden, ist ehrlich gesagt noch nicht abzusehen. Die jungen Leute kommunizieren ja heute über Handy und in sozialen Netzwerken wie Facebook.
Das ist die Zukunft?
Vermutlich wird es irgendwie in diese Richtung gehen. Aber vielleicht wird auch noch etwas völlig Neues erfunden. Die Entwicklung bei den Medien ist ja viel unberechenbarer geworden.
Ihre Vorgänger haben mal berichtet, die Diba lege so viel Geld von den Tagesgeldkonten in Staatsanleihen an, dass ihr halb Portugal gehöre. Sind Sie von diesem Geschäftsmodell ganz abgerückt?
Wir haben portugiesische Staatsanleihen, aber nicht viele. Das ist zumindest kein ernsthaftes Problem bei uns. Wir verfolgen natürlich die Krise in den südeuropäischen Staaten sehr aufmerksam, wie alle anderen auch. Aber nicht, weil da so viel Geld von unseren Kunden läge.
Hatten Sie denn Verluste, als die Kurse der südeuropäischen Staatsanleihen einbrachen?
Wir haben im vergangenen Jahr geringe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen vornehmen müssen. Aber im Großen und Ganzen sind wir sehr gut da durchgekommen.
Was machen Sie denn jetzt mit dem vielen Geld, das Sie über die Tagesgeldkonten einsammeln?
Wir kaufen immer noch Staatsanleihen. Aber eher von sicheren Ländern wie Deutschland. Zugleich versuchen wir, noch mehr von den Einlagen wieder an Kunden auszugeben, etwa als Baufinanzierungen.
Warum?
Es ist immer besser, wenn man als Bank die Risiken seiner Anlagen kontrollieren kann, als wenn man das Geld irgendwo am Kapitalmarkt plazieren muss. Das hat schließlich die Finanzkrise gezeigt.
Was bedeutet es für eine Direktbank wie die Diba, wenn die Gebühren an den Geldautomaten im neuen Jahr sinken?
Unsere Kunden konnten schon bislang mit der Visa-Card kostenlos Geld abheben. Das bleibt auch so. Nur einige Sparkassen haben ihre Automaten für unsere Visa-Card gesperrt. Einige verlangen sehr hohe Gebühren, wenn unsere Kunden mit der EC-Karte Geld abheben. Dagegen kämpfen wir. Kunden fremder Banken, die an unseren Automaten mit der EC-Karte Geld abheben, zahlen künftig 1,95 Euro.
Werden Sie selbst mehr Geldautomaten aufstellen?
Nein, wir setzen eher auf Kooperationen mit Supermärkten. Bei Rewe etwa können sich unsere Kunden an der Kasse kostenlos Geld auszahlen lassen. So etwas ist der Trend. Langfristig glaube ich sowieso, dass Bargeld immer unwichtiger wird - weil die Leute fast alles mit Karte zahlen oder sogar mit dem Handy.
Man wird auf Dauer gar kein Bargeld mehr benötigen?
Doch, ein bisschen sicherlich - und wenn es nur fürs Taschengeld der Kinder ist. Man wird Bargeld künftig einfach beim Einkaufen holen. Brot, Käse und ein paar Scheine. Das ist doch am praktischsten.
Haben Direktbanken wie die Diba eigentlich etwas gelernt vom Niedergang der isländischen Kaupthing-Bank, die ja auch groß ins Tagesgeldgeschäft eingestiegen war?
Ich bin so arrogant zu sagen, deren Fehler haben wir nie gemacht. Die Isländer haben höhere Zinsen gezahlt, als sie selbst für ihre Anlagen bekommen haben. Sie hatten eine negative Marge. Das hält auf Dauer keiner durch. Deshalb sollte man damit gar nicht erst anfangen. Allerdings haben auch die Kunden bei den Isländern etwas gelernt: Wichtig es ist, dass ihre Bank Mitglied in der deutschen Einlagensicherung ist. Davon profitieren wir.
2 % WÄREN ja vielleicht attraktiv, aber...
Marc Pfaff (krethiundplethi)
- 10.01.2011, 12:50 Uhr
"2 % WÄREN ja vielleicht attraktiv, aber..." @Marc Pfaff (krethiundplethi)
Bryan Hayes (bhayes)
- 10.01.2011, 13:11 Uhr
2 % ist auch im Moment wenig
Max Mahlheim (Akkin)
- 10.01.2011, 17:30 Uhr
Ing-Diba
Norbert Wagner (ilsewagner)
- 11.01.2011, 18:05 Uhr