21.02.2012 · Amerikanische Profianleger setzen wieder auf zweitklassige Hypothekenanleihen. Hohe Verluste dieser Ramschpapiere hatten 2008 die globalen Finanzmärkte ins Wanken gebracht.
Von Norbert Kuls, New YorkAmerikanische Profianleger werden zunehmend risikofreudiger. Nicht nur Aktien und Unternehmensanleihen stoßen in diesem Jahr auf großes Interesse, sondern auch Kreditverbriefungen, die zu den berüchtigsten Wertpapieren der Finanzkrise gehörten: komplexe Anleihen, die mit zweitklassigen sogenannten Subprime-Hypotheken besichert sind. Zahlungsausfälle von wenig kreditwürdigen Hausbesitzern standen im Zentrum der Krise des Jahres 2008. Das sorgte für hohe Verluste dieser Anleihen und führte in einer Kettenreaktion zu Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten. Auch deutsche Banken, die in Subprime-Papiere investiert hatten, waren in Schieflage geraten.
Große institutionelle Investoren wie die Fondsgesellschaften Fidelity und Pioneer sowie Hedgefonds, darunter der eines ehemaligen Starhändlers der Deutschen Bank, gehören nun wieder zu den Käufern dieser Papiere, die noch im vergangenen Jahr angesichts des andauernden Preisverfalls im Häusermarkt stark an Wert verloren hatten. Gemessen am ABX-Index, der die Entwicklung von Subprime-Hypothekenanleihen abbildet, sind die Preise in diesem Jahr aber um rund 14 Prozent gestiegen. Das Handelsvolumen im Markt hat sich verdoppelt. „Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagte Kenneth Taubes, der die Anlagen von Pioneer in den Vereinigten Staaten verantwortet, der „New York Times“. „Wir sind im Begriff, die Hypothekenkrise hinter uns zu lassen, und die Dinge bekommen wieder den Anschein von Normalität.“
Erst im Januar und Februar hatten die Banken Credit Suisse und Goldman Sachs von der New Yorker Notenbank den Zuschlag für große Pakete risikoreicher Hypothekenanleihen bekommen, die aus dem Bestand des 2008 mit staatlichen Hilfen geretteten Versicherers AIG stammten. Die Banken zahlten für die Papiere im Nennwert von mehr als 13 Milliarden Dollar etwas mehr als 6 Milliarden Dollar. Die Banken plazieren diese Anleihen bei Hedgefonds, Versicherern und Pensionskassen, die sich für die kommenden Jahre attraktive Renditen von 7 bis zu 9 Prozent sichern wollen. Selbst nach der jüngsten Erholung reflektieren die Preise nach Ansicht einiger Fachleute immer noch ein übertriebenes Schreckensszenario. „Der Preis bildet das Risiko ab, dass die Zahlungsausfälle in Kreditpaketen, die hinter einigen Anleihen stehen, bis zu 60 oder 70 Prozent betragen könnten“, sagte Steven DeLaney, Analyst beim Wertpapierhaus JMP Securities, dem „Wall Street Journal“.
Angesichts der jüngsten Entspannung am amerikanischen Arbeitsmarkt könnte dieses Szenario zu pessimistisch sein. Allerdings waren die jüngsten Daten vom amerikanischen Häusermarkt nicht ermutigend. Gemessen am S&P/Case-Shiller-Index, der die Entwicklung der Häuserpreise in den größten amerikanischen Ballungszentren misst, hatten die Preise im November gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent nachgegeben.
Seit dem Höhepunkt des Aufschwungs im Jahr 2006 sind die Häuserpreise um knapp 33 Prozent gefallen.
Hedgefonds-Manager wie Greg Lippmann, der während der Finanzkrise mit Wetten gegen den Häusermarkt und Hypothekenanleihen Milliarden von Dollar für die Deutsche Bank verdiente, halten Subprime-Papiere dennoch für ein Schnäppchen. „Angesichts der signifikant schwachen Resultate im Jahr 2011 halten wir das Produkt im Verhältnis zu anderen Märkten für so günstig wie seit langer Zeit nicht mehr“, schrieb Lippmann in einem Brief an Investoren seines 2010 gegründeten Hedgefonds Libre Max Capital.
Als Lippmann noch für die Deutsche Bank arbeitete, war er für provozierende T-Shirts mit der Aufschrift „Ich wette gegen Ihr Haus“ bekannt. Das arrogante Auftreten brachte Lippmann und seinem Arbeitgeber viel Kritik ein. Ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats warf der Deutschen Bank und anderen Banken an der Wall Street „schäbige“ Methoden bei Geschäften mit Hypothekenanleihen vor. Der Senatsbericht zitierte E-Mails von Lippmann, der bestimmte Hypothekenpapiere als „Mist“ bezeichnet hatte. Die Senatoren unterstellten der Deutschen Bank Interessenkonflikte, weil sie trotz der negativen Haltung ihres führenden Händlers anderen Kunden die verlustträchtigen Hypothekenpapiere verkauft hatte.
Trotz der optimistischen Haltung Lippmanns ist eine weitere Erholung der Subprime-Papiere allerdings kein Selbstläufer. Sollte die amerikanische Konjunktur schwächeln oder die Staatsschuldenkrise in Europa eskalieren, könnten Anleger wieder in sichere Anlagen fliehen.
Darüber hinaus gehen Anleihebesitzer ein Verlustrisiko ein, wenn in Washington eine breitangelegte Umschuldung für Hausbesitzer beschlossen werden sollte, deren Häuser weniger wert sind als ihre Hypotheken. „Zu glauben, dass wir wirklich aus dem Gröbsten heraus sind und die Preise nicht mehr fallen werden, ist gefährlich. Das Argument gab es bereits im vergangenen Jahr“, sagt Jeffrey Gundlach, Gründer der Rentenfondsgesellschaft Doubleline Capital.