23.06.2010 · Anleihen ohne wirksame Laufzeitbegrenzung, sogenannte Hybrid-Anleihen, brachten in den vergangenen 12 Monaten hohe Erträge. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie eher Aktien als Anleihen gleichen.
Von Martin HockIn den Zeiten des leichten Geldes vor der Finanzkrise, in der manche Anleger alles kauften, was zumindest auf den ersten Blick etwas höhere Renditen versprach und Risiko etwas zu sein scheine, was vielleicht einmal eine Rolle gespielt hatten, waren Hybrid-Anleihen gefragt.
Landläufig versteht man darunter eine Anleihe ohne feste Fälligkeit, die dadurch eigenkapitalähnlichen Rang erhält, deswegen auch als Hybrid (“Gemischtes“) bezeichnet. Diese stehen zudem im Rang hinter allen anderen Gläubigerforderungen zurück. Dafür sind sie dann zumeist mit hohen Zinskupons ausgestattet.
Entsprechend volatil verläuft die Entwicklung der Kurse und so war .in den vergangenen 12 Monaten mit Hybrid-Anleihen viel Geld zu verdienen, stiegen doch die Kurse um 10 bis 50 Prozent. Gerade Anleihen von Emittenten aus der Industrie wie Linde oder Siemens notieren sogar knapp unter ihren Höchstkursen.
Zins- und Tilgungsausfälle
Doch welche Risiken hinter Hybrid-Anleihen lauern, wurde in den Zeiten einer zumindest scheinbaren boomenden Wirtschaft gern übersehen, bisweilen aber werden die Anleger daran erinnert. Im November 2009 erklärte mit der französischen Thomson SA der erste Emittent seine Zahlungsunfähigkeit.
Im Laufe des Jahres 2010 folgten zunächst Aussetzungen von Zinszahlungen durch die Royal Bank of Scotland und die Bank of Ireland. Am Mittwoch nun kündigte auch der Holzverarbeiter Pfleiderer an, die Zinszahlung auf eine Hybridanleihe, die im August fällig wird, werde ausgesetzt. „Das ist für die Inhaber der Anleihe schmerzlich, erhält uns aber weitere 18,5 Millionen Euro an Barmitteln.“, sagte Vorstandschef Hans Overdiek auf der Hauptversammlung des Unternehmens.
Schon Ende Mai hatte der größte europäischen Hersteller für Kuvertiermaschinen, die Augsburger Böwe Systec überraschend Insolvenz beantragt. Dessen Hybrid-Anleihe ist deswegen nicht in Verzug, weil die Zinszahlung erst im Dezember fällig ist.
Zinsen könnten sinken
Das Ausfallrisiko hinsichtlich des Emittenten ist bei Hybrid-Anleihen nicht grundsätzlich größer als bei klassischen Anleihen. Größer ist indes aufgrund der Nachrangigkeit der Schulden der mögliche Schaden.
Zwiespältig zu beurteilen ist das Risiko der Aussetzung von Zinszahlungen, lässt sich doch argumentieren, dass durch eine kurzfristige Aussetzung längerfristig die Zahlungsfähigkeit erhalten bleibt. Allerdings leben Hybrid-Anleihen, da ohne feste Fälligkeit, allein von den Zinszahlungen.
Zudem haben es diese in sich. Denn in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle sind Hybrid-Anleihen nur bis zum Zeitpunkt der erstmaligen Kündbarkeit durch den Emittenten hochverzinslich. Danach werden sie durch einen variablen Zins ersetzt. Zumeist ist die des europäische Interbankenzins Euribor für die Drei-Monats-Frist mit einem mehr oder weniger großzügigen Aufschlag.
Doch dies bedeutet nur dann höhere Zinsen, wenn der Basiszinssatz einigermaßen hoch ist. Derzeit lägen die variablen Zinsen zwischen 0,5 und 2,5 Prozentpunkten unter den Festzinsen. Die Wandlungszeitpunkte der meisten Hybrid-Anleihen liegen noch weit entfernt. Insofern kann sich das Bild noch wandeln.
Mehr Aktie als Anleihe
Andererseits haben die Anleihen eine sehr lange Laufzeit, in deren Verlauf die Zinsen auch wieder fallen können. Bleibt die langfristige Tendenz zu niedrigen Zinsen erhalten, könnte es für viele Emittenten weiter attraktiv bleiben, hohe Zinsen zu zahlen, anstatt kurzfristig umzuschulden.
Im Grunde ist es sinnvoller, Hybrid-Anleihen und wie Aktien zu behandeln. Schließlich ist die Zinszahlung auch oft ähnlich sicher wie eine Dividendenzahlung. Das dies auch der Fall ist, zeigt sich daran, dass zumindest längerfristig sich Aktien- und Hybrid-Anleihenkurs ähnlich entwickeln.
Im Grunde sind Hybrid-Anleihen Nachfolger der Genussscheine, wobei sich der Vorteil eines Erhalts des Nominalwerts und der Nachteil der unendlichen Laufzeit tendenziell aufwiegen.