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Hohe Zinsen Vier Prozent mit Pfandbriefen

Pfandbriefe bieten höhere Zinsen als Staatsanleihen. Und sind oft sogar sicherer. Mit Fonds können Anleger mitverdienen.

© Cornelia Sick Vergrößern Pfandbrieffonds versprechen relativ attraktive Renditen.

Deutschland ist in der Finanzwelt nicht gerade berühmt dafür, ständig Innovationen zu produzieren, die die ganze Welt schätzt. Der Pfandbrief hat das jedoch geschafft. Schon 1769 hatte der Preußenkönig Friedrich der Große Schuldscheine erlaubt, die mit Grundbesitz hinterlegt sind. Das erhöht die Sicherheit, wenn der Schuldner pleitegeht. Die Gläubiger bekommen dann die Immobilien. Das ist gesetzlich garantiert und genau festgelegt.

Dyrk Scherff Folgen:  

Seit Friedrichs Zeiten haben viele Länder das Konzept kopiert - aber fast nur in Europa. 99 Prozent des weltweiten Pfandbriefmarktes von etwa 2500 Milliarden Euro entfallen auf den alten Kontinent, davon zwei Drittel auf den Euroraum. Dort ist jetzt der Pfandbrief, den man im Ausland Covered Bond nennt, sehr beliebt. Denn gerade in Zeiten der Euro-Krise suchen Anleger Sicherheit und trotzdem noch einen halbwegs ordentlichen Zins. Den bieten Pfandbriefe. Sie zahlen etwas mehr als die Staatsanleihen ihres Landes und sind ähnlich solide.

Doch für den Privatanleger ist es gar nicht so einfach, Pfandbriefe zu kaufen. Denn die erfordern hohe Mindestanlagesummen von 50.000 Euro und mehr und werden kaum börslich gehandelt. Daher bieten sich Pfandbrieffonds an. Diese ganz normalen Investmentfonds können jeden Pfandbrief kaufen und erfüllen die Mindestsummen spielend. Die Privatanleger erwerben Anteile an den Fonds und unterliegen dabei keinen Mindestbeträgen.

Pfandbriefe aus Euro-Krisenländern besonders gefragt

Die Fonds schafften in den vergangenen Jahren drei bis sechs Prozent Wertentwicklung im Jahr. Vergangenes Jahr lief es besonders gut. Der beste - der Allianz Pimco Pfandbrieffonds - erreichte fast elf Prozent. Er profitierte dabei wie seine Konkurrenten von der Erholung in der Euro-Krise. Zinspapiere aus den Euro-Krisenländern waren dadurch besonders gefragt - und dabei nicht nur Anleihen, sondern auch Pfandbriefe aus diesen Staaten. Die haben auch die Fonds in ihrem Portfolio, und das reichlich. Spanien ist dabei der Favorit. So halten zum Beispiel der Allianz-Pimco-Fonds und der DWS Covered Bond Fund beide ein Drittel ihres Depotwertes in spanischen Pfandbriefen. Die DWS setzt zudem zu je elf Prozent auf Irland und Italien, beides ebenfalls hochverschuldete Eurostaaten.

In diesem Jahr dürfte das Zinsniveau dort nicht mehr so stark fallen wie 2012. Die Aussichten der Fonds sind daher bescheidener: „Ich rechne mit drei bis vier Prozent Rendite“, sagt Torsten Strohrmann, der Manager des DWS Covered Bond Fund.

Die Fonds gestehen ein, dass sie durchaus Risiken eingehen, anders als ein Pfandbrieffonds vermuten lässt. Sie investieren eben nicht nur in die sehr soliden deutschen Pfandbriefe. Denn die werfen nur unwesentlich mehr ab als Bundesanleihen, die unter zwei Prozent Rendite bringen. „Deutsche Pfandbriefe haben wir nur gekauft, um die Sicherheit zu erhöhen. Sie sind ein Schutz, falls sich die Euro-Krise wieder verschärft“, sagt Timo Böhm, Pfandbrief-Experte von Pimco. Deswegen lägen auch skandinavische Papiere im Depot.

Hohe Sicherheit

Für die Rendite sorgen dann die Südländer. Spanien ist dabei nicht zufällig das Schwergewicht. Die Pfandbriefbanken wurden mit mehr Eigenkapital ausgestattet, eine Bad Bank hat die weniger soliden Sicherheiten übernommen. Und vor allem: „Der spanische Gesetzgeber verlangt die höchste Absicherung in Europa“, sagt Böhm. Für eine Milliarde Euro Volumen müssen mindestens 1,25 Milliarden Euro an Sicherheiten hinterlegt werden. Das soll reichen, auch wenn Hypothekenkredite, die als Sicherheit für die Pfandbriefe dienen, nicht zurückgezahlt werden. Das ist derzeit in rund sieben Prozent der Darlehen der Fall.

Trotz großer Immobilienkrise in Spanien ist damit kein Pfandbrief gefährdet. Noch nie in mehr als 200 Jahren Pfandbriefgeschichte konnte in Europa ein Papier nicht zurückgezahlt werden. Das gilt sogar für die Krisenländer. Selbst griechische Pfandbriefe sind bisher trotz des Schuldenschnitts des Landes nicht ausgefallen. Daher gelten Pfandbriefe in den Krisenländern mittlerweile als sicherer als die dortigen Staatsanleihen. Das zeigt sich daran, dass ihre Rendite anders als in Deutschland teilweise unter denen von Anleihen des Staates liegen.

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Um die Risiken mit Titeln aus den Krisenstaaten zu begrenzen, fokussieren sich die Fonds auf Pfandbriefe, hinter denen Wohnimmobilienkredite als Sicherheiten stehen. Die sind nicht so groß und weniger riskant als gewerbliche Immobilienkredite oder Kredite der öffentlichen Hand, die auch als Sicherheiten dienen. Deswegen meiden einige Fonds auch deutsche Pfandbriefe, bei denen gewerbliche Kredite eine sehr hohe Bedeutung haben.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 05.02.2013, 12:52 Uhr

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