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Hochzinsanleihen Die Renditen locken die Mutigen

23.06.2009 ·  Der Markt für Hochzinsanleihen hat im Mai wieder Tritt gefasst. So mancher Fondsmanager gibt wieder optimistische Ausblicke. Doch noch verschlechtert sich die Kreditqualität: Für Privatanleger ein Hinweis zur Vorsicht.

Von Martin Hock
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Der Markt für Hochzinsanleihen war in den vergangenen Monaten vor allem von der Furcht vor und tatsächlichen Zahlungsausfällen geprägt. Mittlerweile hat sich das gelegt, was sich am Wiederaufleben der Emissionstätigkeit deutlich zeigt.

In den Vereinigten Staaten wurden im Mai am Hochzinsmarkt Anleihen im Volumen von 18,1 Milliarden Dollar aufgelegt. Dies war der stärkste Monat seit Juni 2007 und ist mehr als die Hälfte dessen, womit die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) für das gesamte Jahr rechnet. Das wäre noch immer ein niedriges Niveau, weniger noch als im schon schwachen Vorjahr und weniger als ein Viertel des Volumens des Jahres 2007.

Mehr Lust am Risiko

Gleichzeitig sind die Renditeaufschläge für Anleihen aus diesem Segment ebenso zurückgegangen wir die Kosten der Kreditversicherungen, auch wenn sie noch um mehr als das Dreifache über dem Rekordtief des Jahres 2006 liegen.

Das Bild wird aber vor allem durch die niedrigen Rating-Stufen verzerrt. Beispielsweise liegen die Renditeaufschläge für Anleihen des oberen spekulativen Segments, also der Noten „BB“ nur noch rund 30 Prozent über dem Stand des Jahres 2007. Für B-Anleihen ist es immer noch mehr als das Doppelte.

Kreditqualität verschlechtert sich weiter

Dabei haben sich die Aussichten gar nicht so sehr verbessert, der Höhepunkt der Zahlungsausfälle noch nicht erreicht und alle Daten von S&P und auch der Konkurrenz von Moody's (vgl. Unternehmensanleihen: Trotz Emissionsflut verschlechtert sich Liquiditätslage) weisen daraufhin, dass sich diese noch deutlich verschlechtern wird.

Und bei allen Vorwürfen, die den Agenturen im Hinblick auf strukturierte Anleihen gemacht werden, haben sie im Hinblick auf klassische Unternehmensanleihen bislang recht behalten.

Im laufenden Jahr hat S&P mit 395 Bonitätsnoten spekulativer Emittenten mehr als 13mal so viele herab- wie heraufgestuft. 2008 betrug dieses Verhältnis weniger als 4, 2007 nur rund 1,7. Auch für die Zukunft sieht es nicht besser aus: 71 potentiellen Heraufstufungen stehen 480 mögliche Herabstufungen entgegen.

Bekannte Namen auf der Negativliste

Bezogen auf Anleihen amerikanischer Emittenten, die in Deutschland notiert sind, sieht das Missverhältnis noch krasser aus. Nur sechs Emittenten mit gerade einmal 19 Anleihen könnten womöglich bessere Noten erhalten. Dem steht eine Liste von 215 Anleihen von 62 Emittenten gegenüber, die sich in einer wirtschaftlichen Lage befinden, die womöglich eine negativere Einschätzung ihrer Bonität erfordert.

Bei vielen, auch bekannten Namen ist dies bekannt. So droht General Motors die Herabstufung von „CC“, was aber faktisch aber von wenig Bedeutung ist, da den Gläubigern spätestens seit dem Konkursantrag klar sein dürfte, dass sie ihr Engagement wohl teuer zu stehen kommen wird.

Auch Ford droht der Verlust des ohnehin schwachen Urteils „CCC+“, auch wenn der Vorstandsvorsitzende Alan Mulally noch vor wenigen Tagen die Bilanz des Unternehmens als gesund bezeichnete. Selbst nach seinen Plänen aber wird das Unternehmen erst 2001 wieder positive Mittelzuflüsse erwirtschaften.

AGCO und andere aufgehende Sterne

Bei aller Untergangsstimmung: Drei Emittenten könnten sogar ein Investment-Grade-Rating erhalten. Einer davon, der Traktorenbauer AGCO, hat sogar eine Euro-Anleihe auf dem deutschen Markt, die 2014 fällig wird (Isin: US001084AK86). Sie rentiert bei einem Kupon von 6,875 Prozent mit 8,29 Prozent.

Zu AGCO gehören unter anderem die Marken Fendt und Massey Ferguson. Im ersten Quartal sank der Umsatz um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,58 Milliarden Dollar, der Gewinn sank um 43 Prozent auf 38,8 Millionen. Indes stieg die Eigenkapitalquote vom schon hohen Niveau von 41 auf mehr als 43 Prozent, die langfristigen Schulden sanken von 625 auf 614,3 Millionen Dollar.

Fondsmanager: Optimistisch mit Nebenwirkungshinweis

Fondsmanager geben sich für den Hochzinsmarkt recht optimistisch. Nach Ansicht von JP Morgan scheint die Verschlechterung der Fundamentaldaten zu Ende gehen. Die Bewertungen preisten überhöhte Erwartungen hinsichtlich der Zahlungsausfälle ein und seien damit attraktiv.

Alex Lyle, Leiter des Fondsmanagements bei Threadneedle, räumt ein, dass Hochzinsanleihen kurzfristig Rückschläge erleiden könnten, da ihre Wertentwicklung in den kommenden Monaten auch vom Risikoappetit abhänge. Auf längere Sicht sieht er den Markt aber auch als sehr attraktiv an. Die Liquiditätssituation entspanne sich, Zwangsverkäufe seien rückläufig.

Indes würden sich auch Hochzinsanleihen in den kommenden Monaten wohl recht volatil entwickeln. Anders als im letzten Jahr dürfte diese Volatilität aber nicht nur mit Abwärtsrisiken verbunden sein. Bei den Kursen von Risikotiteln sollte sich im weiteren Verlauf des Konjunkturzyklus ein klarer Aufwärtstrend abzeichnen.

Privatanleger sollten Vorsicht walten lassen

Die Empfehlung richtet sich indes nur an erfahrene Investoren. Privatanleger sollten weiter vorsichtig agieren, allein schon weil ihnen die Möglichkeit einer breiten Aufstellung fehlt und ein Setzen auf Einzeltitel in einer Umwelt noch weiter steigender Zahlungsausfälle dem Depot unverhältnismäßig hohe Risiken aufbürdet.

Immerhin erwartete S&P einen Anstieg der Ausfallrate im mit einem Anteil von 45 Prozent am Gesamtmarkt führenden amerikanischen Markt einen historischen Höchststand der gleitenden 12-Monats-Ausfallrate im kommenden März bei 14,3 Prozent.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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