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Hintergrund Welche Faktoren das Zinsniveau bestimmen

12.07.2004 ·  Sich Gedanken über die Zinsentwicklung zu machen, gehört für alle Börsianer zu den wichtigsten Aufgaben. In einer Studie nennt die Raiffeisen Zentralbank die vier Komponenten, die es bei Zinsprognosen zu beachten gilt.

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An den Rentenmärkten ist seit geraumer Zeit die Verunsicherung wieder einmal groß. Hin und her gerissen zwischen Inflations- und Deflationsängsten, rätseln selbst die besten Experten verunsichert über den weiteren Verlauf der Renditen.

Doch da die Entwicklung der Zinsen nicht nur für die Sparer ausgesprochen wichtig ist, sondern auch die Aussichten an den Aktien- und Devisenmärkten entscheidend mitbestimmt, zählt es für die Akteure an den Finanzmärkten zu den Pflichtaufgaben, sich über diese Komponente Gedanken zu machen.

Vier zentrale Einflußfaktoren

Wer mitdenken will, der muß sich zuerst einmal über die Einflußfaktoren auf die Zinsen klar werden. Genau darüber haben sich die Analysten bei der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB) in einer ausschlußreichen Studie Gedanken gemacht. Demnach gilt es mit Blick auf den amerikanischen Rentenmarkt vier zentrale Komponenten zu beachten, die langfristig gesehen auf das Zinsniveau Einfluß nehmen.

Als erster Einflußfaktor wird dabei die Inflationsentwicklung identifiziert. So wird eine steigende Inflationsrate aus der größte Feind des Anleiheinvestors bezeichnet, führt sie doch zu fallenden Anleihekursen und somit zu steigenden Renditen. Einer Berechnung der RZB zufolge führt ein Anstieg der Kerninflation um einen Prozentpunkt zu einer Erhöhung des Renditeniveaus um rund 80 Basispunkte.

Neben der Inflation spielt die Konjunktur eine wichtige Rolle

Als zweiter wichtiger Einflußfaktor wird die Stärke der Konjunkturentwicklung genannt. Als wahrscheinlich bester (Vorlauf-) Indikator für die Konjunkturentwicklung in Amerika wird demnach der ISM-Index, ein Umfrageindex in der amerikanischen Industrie, bezeichnet. Nach der volkswirtschaftlichen Theorie treibt ein stärkeres Wirtschaftswachstum (und damit ein steigender ISM-Index) die Realrenditen (Rendite zehnjährige amerikanischer Staatsanleihe abzüglich Kerninflation) nach oben, das heißt bei unveränderten Inflationserwartungen zu einem Renditeanstieg führen. In den vergangenen zehn Jahren war es nach Angaben in der Studie demnach so, daß ein höheres ISM-Niveau von zehn Punkten für ein um rund 40 Basispunkte steigendes Renditeniveau gesorgt hat.

Der dritte bedeutende Faktor an den Rentenmärkten ist zudem das Leitzinsniveau. Laut RZB sind steigende Leitzinsen einer der wichtigsten Faktoren für starke und nachhaltige Renditeanstiege. Sowohl der massive Renditeanstieg 1994 als auch 1999 beruhtem demzufolge auf mehreren Zinsanhebungen durch die amerikanische Notenbank. Beide Phasen stark steigender Renditen (1994 und 1999) gingen erst mit dem Auslaufen der Zinsanhebungen bzw. kurz vor der letzten Zinsanhebung zu Ende.

Das Leitzinsniveau und die Zinserwartungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden

Als zusätzliche und somit vierte Variable macht es außerdem Sinn, die aktuellen Markterwartungen in Bezug auf Leitzinsveränderungen in den kommenden Monaten mit in die Überlegungen einzubeziehen. Denn schon die Marktspekulation auf steigende Leitzinsen in den kommenden Monaten reicht üblicherweise, um die Renditen bereits vorzeitig steigen zu lassen. Als Beleg dafür wird der Renditeanstieg von März bis Juni 2004 (rund 100 Basispunkte Renditeanstieg bei unverändertem Leitzins, aber stark gestiegenen Zinsanhebungserwartungen) angeführt.

Konkret heißt es dazu, daß bei einem Anstieg der Leitzinsen und Zinserwartungen um einen Prozentpunkt das Renditeniveau im Schnitt um 26 Basispunkte anzieht. Und alleine schon bei einem Anstieg der Zinserwartung des Marktes um einen Prozentpunkt reagieren die Renditen modellhaft bereits mit einem Anstieg von 73 Basispunkten.

Modell sagt steigende Renditen voraus

Basierend auf diesen Komponenten hat man bei der RZB eine Zinsberechnungsmodell erfunden. Nach Angaben von Analyst Valentin Hofstätter hat diesen Modell nach dem starken Renditerückgang der vergangenen Wochen auf rund 4,5 Prozent bei den zehnjährigen Staatsanleihen jetzt wieder ein starkes Verkaufssignal gesendet. Daraus lasse sich ein Renditeziel von über fünf Prozent ableiten. Und wie die angehängte Grafik zeigt, hat das Modell die Entwicklung an der Zinsfront über Jahre hinweg sehr gut vorhergesagt.

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