24.06.2010 · Mit einer neuen Anleihe will der Baustoffkonzern Heidelbergcement sein Verschuldungsprofil verbessern. Die Resonanz ist eher verhalten, die Rendite steigt in den ersten Tagen leicht.
Von Martin HockLiebhaber hoch verzinslicher Anleihen hatten sich in der jüngsten Zeit mit einem knappen Angebot zu bescheiden. Gott sei Dank aber gibt es noch Heidelbergcement. Nachdem das Unternehmen im Oktober schon einmal Anleihen im Volumen von 2,5 Milliarden Euro begeben hat, folgt nun eine neue Emission von weitere 650 Millionen Euro.
Mit der neuen Anleihe solle das Fälligkeitsprofil der bestehenden Schulden gestreckt werden, die sich das Unternehmen durch die 14 Milliarden Euro teure Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson aufgehalst hatte.
Bilanz deutlich verbessert
Mit 6,875 Prozent wird das Rentenpapier mit fünfeinhalbjähriger Laufzeit verzinst und rentierte zur Emission mit 6,993 Prozent. Damit kann Heidelbergcement die Emission günstiger gestalten als erwartet. Ursprünglich war mit einem Volumen von lediglich 500 Millionen Euro und einem Kupon von 7 Prozent gerechnet worden.
Geld braucht Heidelbergcement derzeit noch immer. Die Nettoverschuldung lag nach Ende März immer noch bei 8,4 Milliarden Euro. Dabei hat das Unternehmen viel getan. War die Eigenkapitalquote 2007 nach der Hanson-Übernahmen auf 25,7 Prozent gefallen, so ist sie bis Ende März wieder auf 43,5 Prozent und damit fast auf das Niveau gestiegen, das sie 2006 hatte. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt der umfangreichen Kapitalerhöhung vom vergangenen September im Volumen von mehr als 5 Milliarden Euro.
Auch der Bilanzhebel ist wieder deutlich kleiner. Lag dieser 2007 noch beim fast Sechsfachen des operativen Gewinns, so war dieser 2009 auf etwas mehr als das Vierfache gefallen und soll 2010 nach Analystenprognosen etwa den Wert von 3,3 erreichen. Dieser wäre damit allerdings immer noch mehr als doppelt so hoch wie 2006.
Skepsis über Branchenkonjunktur
Was Wunder also, wenn die Rating-Agenturen die Bonität von Heidelbergcement mit Noten von „Ba1“, „BB-“ bzw. „BB“ immer noch deutlich im Bereich spekulativer Emissionen eingeordnet wird.
Derzeit haben sich die Aussichten für das Unternehmen offenbar eingetrübt. Der Branchenverband ZDB geht im deutschen Baugewerbe nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete im nächsten Jahr von einem Einbruch der öffentlichen Bauaufträge aus. Dies könnte sich auf ganz Europa ausdehnen und den Sektor in eine neue Krise stürzen, so WestLB-Analyst Ralf Dörper. Die Commerzbank sieht den enttäuschenden Zahlen vom amerikanischen Immobilienmarkt zudem die Hoffnung auf eine schnelle Erholung des amerikanischen Zementmarkts skeptischer.
Die Rating-Agentur Fitch stufte nichtsdestoweniger am Donnerstag die Bonitätsnote auf „BB“ hinauf. Dank besserer Bedingungen in den Schwellenländern und weiterer Kosteneindämmungen sollte der Baustoffkonzern aber in der Lage sein, nach und nach den operativen Mittelzufluss zu steigern. Dies werde schließlich zu einem moderaten freien Mittelzufluss und einer kontinuierlichen Verbesserung der Finanzkennzahlen führen.
Verwirrung um mögliche Akquisition
Verwirrung gibt es indes derzeit um die Unternehmensstrategie. So berichtete die indische Zeitung „Business Standard“ am Mittwoch, dass Heidelbergcement neben den Wettbewerbern Lafarge, CRH und Italcementi ebenfalls am indischen Zementhersteller Murli interessiert sei. Der Kaufpreis liege bei rund 550 Millionen Dollar.
Heidelbergcement hatte sich zu dem Bericht nicht äußern wollen. Die Analysten der DZ Bank Analysten halten den Preis für recht hoch. Selbst wenn die Akquisition strategisch sinnvoll wäre, seien Zweifel angebracht, dass der Kapitalmarkt diese Transaktion vor dem Hintergrund der Verschuldung positiv aufnehmen würde.
Nun aber hat Murli die Glaubwürdigkeit des Zeitungsberichts erschüttert. Der Bericht basiere nicht auf offiziellen Informationen, man werden aber den Aufsichtsbehörden alle wesentlichen Informationen zu angemessener Zeit vorlegen.
Rendite steigt leicht
Mit der Emissionsrendite von 6,993 Prozent bot die neue Anleihe trotz weniger guter Konditionen als zunächst avisiert etwas mehr Rendite als am Markt befindliche vergleichbare Anleihen, insbesondere gegenüber der im August fälligen Alt-Anleihe des Konzerns. Dennoch scheint dies den Anlegern nicht wirklich zu genügen. Der Kurs ist auf 99,23 Prozent zurückgegangen und die Rendite damit von 6,99 auf 7,04 Prozent gestiegen.
Mit dazu beigetragen haben dürfte die Eintrübung der Prognosen um die Bauindustrie, aber auch die Unsicherheit um Murli. Vorstandschef Scheifele will eigentlich die Verbindlichkeiten auf 5 Milliarden Euro bis Ende des kommenden Jahres reduzieren. Da passt ein möglicher Bieterwettkampf nicht ins Bild.