15.10.2009 · Vor wenigen Monaten wurde noch offen über eine Insolvenz des Baustoffherstellers Heidelbergcement spekuliert. Doch die neuen Anleihen im Milliardenvolumen wurden dem Unternehmen förmlich aus den Händen gerissen.
Von Martin HockAnleihe-Neuemissionen sind derzeit sehr gefragt. Das zeigte sich einmal mehr an der des Baustoffkonzerns Heidelbergcement. Dieser hatte ursprünglich mit mindestens einer Milliarde Euro gerechnet, nun werden es 2,5 Milliarden Euro.
Verteilt wurden diese auf drei Tranchen mit, wie geplant, Laufzeiten von 5 und 7 sowie einer kurzfristig aufgelegten Tranche über 10 Jahre. Und noch immer war die Emission der mit 7,5 sowie 8 und 9 Prozent verzinsten Papiere mehrfach überzeichnet.
Auf dem Weg zu mehr Vertrauen
Konzernchef Bernd Scheifele wertete dies als Vertrauensbeweis des Kapitalmarktes in die Strategie des Unternehmens, nachdem dieses Ende des vergangenen Jahres aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise und des Zusammenbruch des Imperiums des Großaktionärs Merckle in ernsthafte Bedrängnis geraten war.
In rascher Folge senkten die Rating-Agenturen die Bonitätsnote des Emittenten von einem schwachen Investment-Grad-Rating von „Baa3/BBB-“ im Oktober 2008 auf ein schwaches spekulatives Rating von „B-“ im März 2009. Das Rating der Anleihen sank bis auf die drittschlechteste Note „CCC+“.
Begründet wurde dies unter anderem damit, dass sich zunächst geplante Verkäufe von Unternehmensteilen als zu diesem Zeitpunkt nicht realisierbar herausstellten. Zudem verschlechterte sich das Kreditprofil mit der Schwäche des Baugeschäfts und den Schwierigkeiten des Großaktionärs um so mehr, wie Fälligkeiten näher rückten.
Erfolgreiche Arbeit an der finanziellen Restrukturierung
Ursache der Probleme ist die hohe Verschuldung, die sich das Unternehmen beim Kauf des britischen Baustoffriesen Hanson aufgeladen hatte. Im dritten Quartal des Jahres 2007 sprangen die Nettoschulden, die über Jahre hinaus zwischen 2 und 5 Milliarden Euro betragen hatten, um mehr als das Vierfache auf rund 14 Milliarden Euro und konnten bis Mitte des laufenden Jahres nur auf 11 Milliarden abgetragen werden. Das entspricht fast dem Sechsfachen des operativen Gewinns. Zum Zeitpunkt der Übernahme hatte dieses Verhältnis nur wenig mehr als das Vierfache betragen.
Im laufenden Jahr hat Heidelbergcement allerdings erfolgreich an seiner finanziellen Restrukturierung gearbeitet. Nachdem im Juni dem Vernehmen nach die Insolvenz durch eine Einigung mit den Gläubigerbanken nur knapp abgewendet wurde, brachte vor drei Wochen eine massive Kapitalerhöhung 2,25 Milliarden Euro in die Kassen.
Die erfolgreiche Anleihenplazierung ist nun ein weiterer Baustein einer solideren Finanzstruktur. Die Emissionserlöse werden nach Konzernangaben ausschließlich zur teilweisen Rückzahlung des syndizierten Kredits verwendet, um so das Fälligkeitsprofil der Verbindlichkeiten weiter zu verbessern.
Rating-Agenturen honorieren Erfolge
Diese Erfolge werden auch von den Rating-Agenturen honoriert. Standard & Poor's stellten schon im Zuge der Kapitalerhöhung eine wieder bessere Bonitätsnote in Aussicht, Fitch nahm dafür erst die Anleihenemission zum Anlass, weil die Analysten befürchteten, die Kapitalerhöhung werde möglicherweise nicht ausreichen, um die Verschuldung spürbar zu reduzieren.
Den nun ausgegebenen im Rang gegenüber besicherten Bankkrediten zurücktretenden Anleihen hat Moody's ein vorläufiges Rating von „B3“ verliehen, mithin die viertschlechteste Note, die die Agentur zu vergeben hat. Sie begründet dies damit, dass Heidelbergcement überwiegend in Regionen tätig sei, die härter von der Wirtschaftskrise betroffen seien, wie die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Osteuropa. Zudem bestehe auch nach der Plazierung schon in zwei Jahren abermals hoher Refinanzierungsbedarf. Da die Analysten aber Verbesserungen des Geschäfts, des Mittelzuflusses und der Finanzstruktur erwarten, ist auch hier der Ausblick positiv.
Starker Markt macht Emission zum Erfolg
Heidelbergcement zahlt für die neuen Anleihen Renditeaufschläge von 5,5 bis 5,8 Prozentpunkten über Bundesanleihen. Der italienische Telekommunikationskonzern Wind musste im Juli trotz einer um drei Stufen besseren Bonitätsnote noch einen Aufschlag von 9,6 Prozentpunkten zahlen.
Dies zeigt nach Ansicht von Analysten vor allem wie ausgeprägt die Nachfrage nach hochrentierlichen Anlagen. Das wird weiter durch die Tatsache unterstrichen, dass sich die Renditeaufschläge der Heidelbergcement-Anleihen schon jetzt deutlich verringert haben. Im Falle der zehnjährigen Tranche sind es schon 0,8 Prozentpunkte.
Die Rendite der schon länger am Markt befindlichen 2018 fälligen Anleihe beträgt derzeit 7,87 Prozent und liegt damit unter der der neuen 2017 fälligen Rente. Das spricht für weitere Kursgewinne, unterstützt zudem von einer hohen Liquidität und der zuletzt positiven Entwicklung des Unternehmens.
Nichtsdestoweniger wird die Restrukturierung des Unternehmens noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Branche einen langen Atem brauchen wird, um an das vorherige Niveau der Produktion anzuknüpfen, wie es Andreas Kern, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Zementindustrie unlängst formulierte, der gleichzeitig Vorstandsmitglied von Heidelbergcement ist. Auch 2010 sei noch nicht mit einer „völligen Trendwende“ zu rechnen.