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Griechische Vorzugsbehandlung EZB verunsichert Anleger mit Anleihetausch

17.02.2012 ·  Banken befürchten langfristig negative Folgen: Private Gläubiger fallen durch griechische Vorzugsbehandlung der Europäischen Zentralbank auf Nachrangstatus.

Von Markus Frühauf
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© F.A.Z. Staatsanleihen der Krisenländer: Renditen und Risikoprämien

Die bevorzugte Behandlung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der griechischen Umschuldung hat unter Banken Befürchtungen über langfristig negative Folgen ausgelöst. Auf die Nachricht, dass sich die Notenbank der Umschuldung ihrer griechischen Staatsanleihen im Nennwert von 55 Milliarden Euro entzieht, reagierten die Finanzmärkte aber am Freitag mit Kursaufschlägen. Händler führten dies auf die Erleichterung wegen der sich abzeichnenden Einigung für das neue griechische Rettungspaket zurück. Der Dax stieg um bis zu 1,8 Prozent auf das neue Jahreshoch von 6875 Punkten. Der Euro kletterte in der Spitze auf knapp 1,32 Dollar. Die Staatsanleihen aus Italien und Spanien verzeichneten leichte Kursgewinne, so dass deren Renditen weiter sanken.

Jedoch löste die Vorzugsbehandlung der EZB unter Banken die Sorge aus, dass es in Zukunft zwei Gläubigerklassen für Staatsanleihen der Euroländer geben werde. Wie in einem Teil der Donnerstagsauflage dieser Zeitung berichtet wurde, wird die griechische Regierung in den kommenden Tagen für die Staatsanleihen neue Klauseln einführen, wodurch die privaten Gläubiger zur Teilnahme an der Umschuldung gezwungen werden. Die EZB aber schützt sich davor, indem sie ihre Anleihen in Titel mit neuen Wertpapierkennnummern umtauscht, die von der Umschuldung ausgenommen werden.

Gläubiger fielen auf Nachrangposition

Nach Ansicht von UBS-Analyst Gareth Berry dürfte dieser Schritt langfristig negative Folgen haben. Zum einen würde aus dem freiwilligen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger ein erzwungener. Dies kann die Kreditausfallversicherungen (CDS) auslösen, womit Griechenland als Zahlungsausfall gewertet wird. Doch dies hat die Eurogruppe in den vergangenen zwei Jahren mit ihren Hilfskrediten für Griechenland unbedingt verhindern wollen. Zum anderen sieht der UBS-Fachmann darin eine Vorzugsbehandlung der EZB. Damit hätte die Notenbank einen höheren Gläubigerstatus als die privaten Gläubiger, die auf eine Nachrangposition fielen. Dies betreffe dann aber nicht nur die griechischen Schuldtitel, sondern auch die übrigen von der EZB erworbenen Staatsanleihen aus der Eurozone über insgesamt 219,5 Milliarden Euro. Zu diesen Ländern zählen Italien, Spanien, Irland und Portugal.

Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Assenagon Credit Management, warnte vor Schritten, die private Gläubiger schwächer stellten. Mit Blick auf den hohen Refinanzierungsbedarf der Eurostaaten drohen seiner Ansicht nach dann höhere Risikoaufschläge für die Anleihen. Die Citigroup hält es für möglich, dass die Ratingagenturen auf den Nachrangstatus privater Gläubiger mit Kürzungen der Bonitätsnoten jener Länder reagieren könnten, deren Staatsanleihen von der EZB gekauft wurden. Nach Einschätzung von DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier dürfte die Vorzugsbehandlung der EZB am stärksten auf Portugal Einfluss haben, weil hier die Märkte einen Schuldenschnitt am wahrscheinlichsten halten.

Forderungsverzicht unter Dach und Fach

Der Anleihetausch der EZB lässt den Schluss zu, dass die griechische Regierung den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger durch eine Gesetzesänderung erzwingen will. Deutsche Regierungskreise zeigten sich am Freitag zuversichtlich, dass das zweite Rettungspaket am Montag beschlossen werden könne. Damit dürfte nach monatelangen Verhandlungen auch der Forderungsverzicht der Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften unter Dach und Fach sein. Diese sollen auf 100 Milliarden Euro verzichten. Dabei erhalten sie neue griechische Anleihen mit 30 Jahren Laufzeit. Aufgrund der niedrigen Verzinsung erhöht sich der Forderungsverzicht von nominal 50 Prozent auf einen Wertberichtigungsbedarf von 70 Prozent.

Da nicht sicher ist, dass sich ausreichend private Gläubiger beteiligen werden, hat die griechische Regierung schon vor geraumer Zeit damit gedroht, die Anleihebedingungen per Parlamentsbeschluss zu ändern. Damit werden Umschuldungsklauseln eingeführt, die für alle zwingend sind, wenn eine ausreichende Mehrheit der Gläubiger dafür ist. Da 93 Prozent aller im Umlauf befindlichen griechischen Staatsanleihen nach griechischem Recht begeben wurden, reicht der Parlamentsbeschluss. Sobald dieser vorliege, würden dann die CDS-Kontrakte ausgelöst, so Felsenheimer.

Vor allem amerikanische und asiatische Investoren könnte diese Entwicklung dazu veranlassen, künftig auf Abstand zu Euro-Staatsanleihen zu gehen. Schon vor Wochen hatten die beiden Volkswirte Peter Boone und Simon Jonson in einem Aufsatz für die Washingtoner Denkfabrik Peterson Institute davor gewarnt, dass der bevorzugte Status öffentlicher Kreditgeber in den Hilfsprogrammen die Risiken für die privaten Gläubiger erhöhe und diese gemäß ihrer Nachrangposition künftig höhere Risikoprämien verlangen könnten.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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