07.05.2010 · Wird die Währungsunion gerade wirklich angegriffen? Wenn Jochen Sanio, der Vorsitzende der Bundesfinanzaufsicht Bafin, Recht hat, dann ja. Was den Euro angeht, stimmt seine Einschätzung. Griechenlands Schwierigkeiten sind aber hausgemacht.
Von Alexander ArmbrusterWird die Währungsunion gerade wirklich angegriffen? Wenn Jochen Sanio, der Vorsitzende der Bundesfinanzaufsicht Bafin, Recht hat, dann ja. Vor einem Ausschuss des deutschen Bundestages sagte Deutschlands oberster Finanzaufseher am Mittwoch: "Hier wird im Moment von Spekulanten ein Angriffskrieg gegen die Eurozone geführt." Ausdrücklich bezog er sich dabei auf den Handel mit Ausfallversicherungen (CDS) auf griechische Staatsanleihen.
Deren Preis ist während der Zuspitzung der Schuldenkrise des südeuropäischen Landes stark gestiegen. CDS sind während der Finanzkrise in die Kritik geraten, weil sie Investoren ermöglichen, durch Absicherungsgeschäfte an Wertverlusten zu verdienen, auch wenn sie das unterliegende Wertpapier gar nicht selbst besitzen.
Prämien zur Absicherung gegen Zahlungsausfall werden immer höher
Der amerikanische Unternehmer Warren Buffett verglich sie einmal mit Massenvernichtungswaffen. Zuletzt forderte Paul Achleitner, der Finanzvorstand des deutschen Versicherers Allianz, der zuvor auch für die amerikanische Bank Goldman Sachs arbeitete, eine Regulierung von Wetten auf Staatspleiten. Aber ist der Handel mit CDS auch die Ursache für die aktuellen Schwierigkeiten Griechenlands?
Am Donnerstag kostete beispielsweise die Absicherung einer griechischen Staatsanleihe mit fünf Jahren Laufzeit und einem Volumen von zehn Millionen Euro eine Jahresgebühr von über 900 000 Euro. Noch zum Jahreswechsel lag diese Prämie bei rund 200 000 Euro. Wer damals ein solches Papier besaß und dieses nun weiterverkaufen konnte, erzielte also einen vergleichsweise hohen Kursgewinn. Der gesamte Nennwert der auf Griechenland getätigten CDS-Geschäfte ist indes während der vergangenen vier Wochen leicht gesunken. Bei der führenden Abwicklungsgesellschaft, der Depository Trust & Clearing Corporation, stehen derzeit nach eigenen Angaben 3827 Geschäfte in den Büchern mit einem Nennwert von insgesamt 8,07 Milliarden Dollar. Für den 23. April werden 3588 Geschäfte mit einem Nennwert von 8,2 Milliarden Dollar ausgewiesen, für den 2. April 3177 Geschäfte mit einem Nennwert von 8,4 Milliarden Dollar.
Aus diesen Zahlen, die zwar nur einen Ausschnitt dieses unregulierten Finanzmarktsegmentes darstellen, lässt sich die Spekulationsthese jedenfalls nicht aufrecht erhalten. Und auch die Risikoaufschläge griechischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen sind nicht nach, sondern parallel zu den Ausfallversicherungsprämien gestiegen (siehe Grafik).
Wird das Sparprogramm in Griechenland tatsächlich auch umgesetzt?
Aus der Sicht der Investoren liegt die Ursache des Griechenland-Problems in Griechenland selbst. Auch die dazu gleichzeitige Abwertung des Euro, der am Donnerstagnachmittag gegen 1,27 Dollar getauscht wurde, wird dieser Perspektive zugerechnet. "Die Abwertung des Euro hat einen ganz realen Hintergrund", sagt Lutz Karpowiz, Devisenstratege der Commerzbank. Die Anleger fürchten seiner Ansicht nach, dass das in Griechenland geplante Sparprogramm nicht umgesetzt werden kann. "Es reicht nicht, dass die griechische Regierung sparen will. Das Volk muss mitziehen und daran zweifeln die Märkte momentan."
Auf dem Devisenmarkt wetten unterdessen aber momentan offenbar tatsächlich mehr Investoren auf einen weiter fallenden Euro. An der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) haben die sogenannten nicht-kommerziellen Anleger - das sind diejenigen, die keine Warengeschäfte absichern müssen, sondern von erwarteten Kursänderungen profitieren wollen - so viele Geschäfte auf einen künftig fallenden Euro abgeschlossen wie noch nie: Die Verkaufspositionen dieser spekulativen Marktteilnehmer übersteigen ihre Kaufpositionen um 90 000 (Nettoposition). Wenn der Euro gegenüber dem Dollar aufwerten würde, verlören diese Anleger Geld. Allerdings ist diese Zahl nur ein Indiz, weil der größte Teil des Devisenmarktes nicht über Börsen, sondern nach wie vor am Telefon abgewickelt wird.
Das war einmal !
Rüdiger Noll (krn)
- 07.05.2010, 11:09 Uhr
CDS auf Staatspapiere ?
RENE PAUL ROZEK (rene.rozek)
- 07.05.2010, 12:36 Uhr
Das Ende der Währung dürfte das Ende des Molochs mit sich bringen...
Harry LeRoy (Cimon)
- 08.05.2010, 23:53 Uhr
Despotisch - bürokratischer Moloch?
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 09.05.2010, 07:58 Uhr
@Rolf Joachim Siegen
Harry LeRoy (Cimon)
- 09.05.2010, 21:37 Uhr