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Griechenland Renditen auf neuem Jahreshoch

07.04.2010 ·  Das Misstrauen gegenüber Griechenlands Staatsfinanzen hat am Mittwoch noch einmal zugenommen. Meldungen über ein höheres Haushaltsdefizit setzen den Staatsanleihen zu. Athen dagegen bekräftigt seinen Willen zur Kooperation mit dem IWF.

Von Rainer Hermann, Stefan Ruhkamp und Gerald Braunberger
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Das Misstrauen gegenüber Griechenlands Staatsfinanzen hat am Mittwoch noch einmal zugenommen. Ein Zeitungsbericht über ein noch höheres Haushaltsdefizit führte zu weiteren Kursverlusten auf dem Anleihemarkt. Dadurch ist der Renditeabstand zwischen griechischen und deutschen Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro gestiegen. Die Unsicherheit über Griechenland belastete im Devisenhandel den Euro, der um rund einen halben Cent auf bis zu 1,3326 Dollar fiel.

Käufer zehnjähriger griechischer Titel konnten einen Preisabschlag durchsetzen, sodass die Rendite auf den neuen Jahreshöchststand von 7,17 Prozent stieg. Das sind erstmals mehr als 4 Prozentpunkte Aufschlag im Vergleich zu Bundesanleihen. Noch stärker war die Bewegung bei kürzeren Laufzeiten. Hier akzeptieren Investoren zweijährige Titel nur mit einer Rendite von 6,69 Prozent - ebenfalls einem neuen Jahreshoch.

Ist die Zahlungsunfähigkeit unvermeidbar?

Stephen Jen, Analyst und Direktor beim Hedge-Fonds Blue Gold Capital sieht Griechenland in einer ebenso verzweifelten Situation wie Argentinien im Jahre 2001. „Die Zahlungsunfähigkeit dürfte letztlich unvermeidbar sein“, sagte Jen. „Diese Möglichkeit lässt sich möglicherweise nur mit Hilfszahlungen verzögern, die die angedachten 25 Milliarden Euro um ein Vielfaches übersteigen.“

Die griechische Finanzzeitung „Imerisia“ hatte berichtet, das staatliche Haushaltsdefizit sei noch höher als bislang angenommen gewesen. Es werde damit gerechnet, dass für 2009 ein Budgetdefizit von 13,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes ausgewiesen wird. Bisher hatte die Regierung ein Defizit von 12,7 Prozent gemeldet. Ursache sei die unerwartet starke Schrumpfung der Wirtschaft. Für 2010 strebt die Regierung ein Defizit von 8,7 Prozent an.

Der starke Anstieg der Risikoaufschläge in den kurzen Laufzeiten wird auf dem Anleihemarkt als besonderes Zeichen des Misstrauens gewertet. Normalerweise sind die Renditeaufschläge um so höher, je länger die Restlaufzeit einer Anleihe ist. Diese Struktur verflacht jedoch oder kehrt sich um, wenn die Investoren ein hohes Risiko für einen unmittelbar bevorstehenden Zahlungsausfall erkennen.

Die Aussichten der griechischen Regierung, in den kommenden Wochen zu akzeptablen Konditionen eine Dollaranleihe zu plazieren, schätzen Marktteilnehmer zurückhaltend ein. Athen werde wohl einen Kupon von 7,5 oder 8 Prozent bieten müssen, ist zu hören. „Ich glaube nicht, dass Investoren, die viel Erfahrung mit der Zahlungsunfähigkeit oder Beinahe-Zahlungsunfähigkeit von Staaten und mit IWF-Rettungspaketen haben, ihnen einen großen Empfang bereiten“, sagt Jim Craige, Investor in Schwellenländeranleihen bei der amerikanischen Investmentgesellschaft Stone Harbor, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das Publikum wird ziemlich skeptisch sein.“ Griechenland hofft unter anderem, Schwellenländer-Fonds für seine Anleihe zu interessieren.

Griechen stehen zu ihrem Reformprogramm

Die griechische Regierung bekräftigte ihre Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf der Grundlage der Vereinbarung vom 25. März . Zu keinem Zeitpunkt hätten die Bedingungen der Unterstützung in Frage gestanden, sagte Finanzminister Georgios Papaconstantinou. Am Mittwoch nahm eine Delegation des IWF in Athen ihre Arbeit auf. Die 12 Experten werden zwei Wochen die Budgetkontrolle und das System zur Steuereintreibung untersuchen. Es handle sich um eine technische Mission, sagte die Sprecherin des Ministers. Seit Januar haben sich in Athen technische Delegationen des IWF aufgehalten.

Als Zeichen der Entschlossenheit, die Sparmaßnahmen voranzutreiben, stellte Papaconstantinou fünf Reformvorhaben vor, die das Parlament bis Mitte Mai verabschieden soll. Dazu zählen ein Steuergesetz sowie Reformen der Rentenversicherung und der Lokalverwaltungen, die Öffnung des Zugangs bisher geschlossener Berufe und Privatisierungen.

Auf Kritik stieß ein Bericht der Website „Market News International“, der mit der Aussage, in der Regierung gebe es Widerstand gegen IWF-Auflagen, den Anstieg der Risikoprämien griechischer Anleihen ausgelöst hat. Mutmaßlich habe die Korrespondentin aus zweiter Hand die Ansicht eines Staatssekretärs wiedergegeben, kritisierten regierungsnahe Ökonomen. Die entscheidenden Minister stünden hinter dem Programm.

Als Spekulation werden in Bankkreisen Berichte zurückgewiesen, dass bei Abhebungen von Bankkonten Restriktionen geplant seien. Das sei nicht möglich, da Griechenland den Regeln der Europäischen Zentralbank unterliege. Mehrere griechische Banken haben die Regierungen um Staatsgarantien gebeten, um sich leichter Geld beschaffen zu können.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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