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Griechenland Neuen Anleihen droht kein Zahlungsausfall

 ·  Selbst wenn Griechenland die Alt-Anleihen nicht zurückzahlt, droht den neuen Anleihen kein Zahlungsausfall. Die Hedgefonds wurden entmachtet.

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© dapd Vergrößern Das griechische Parlament tanzt nicht nach der Pfeife der Hedgefonds

Wer immer rätselte, warum die Griechenlandverhandlungen um den Schuldentausch so lange dauerten, muss lediglich einen Blick auf die geschickte Rechtskonstruktion der neuen Griechenland-Anleihen werfen: Den neuen Anleihen geschieht nichts - gleichgültig, ob Athen die alten Anleihen nach internationalem Recht zurückzahlt oder nicht. Dies nimmt einen gewaltigen Druck von Athen, nach der Pfeife der Hedgefonds springen zu müssen.

Am Freitag lief die Frist aus, bis zu der Gläubiger von Griechenland-Anleihen nach internationalem Recht angeben mussten, ob sie zu dem verlustreichen Anleihetausch bereit sind, den Gläubiger von Anleihen nach griechischem Recht bereits hinter sich haben. Bei den Anleihen nach internationalem Recht handelt es sich um 36 Anleihen, darunter nach Angaben der amerikanischen Bank Morgan Stanley eine Anleihe in Schweizer Franken, vier Anleihen in Yen und der Rest in Euro. Die griechische Regierung will das Ergebnis der Meldungen in der kommenden Woche bekanntgeben.

Athen müsste entscheiden, ob es Härte zeigt

Bei den Anleihen nach internationalem Recht muss die Gläubigergemeinschaft einer jeden einzelnen Anleihe getrennt entscheiden, ob der Rest störrischer Investoren zum Anleihetausch gezwungen werden soll oder nicht. Bei den Widersachern handelt es sich nach Angaben von Anwaltskanzleien um Gruppen von Hedgefonds, die darauf spekulieren, ihre Anleihen von Athen voll ausgezahlt zu bekommen.

Um die widerstrebenden Investoren zum Anleihetausch zwingen zu können, müssen bei 20 Anleihen Vertreter von 66 Prozent des Emissionsvolumens für den Zwangstausch stimmen, bei 14 Anleihen müssen 75 Prozent dafür stimmen und bei einer Anleihe müssen alle Investoren für den Tausch sein.

Die Hedgefonds müssten also - je nach Anleihe - eine Sperrminorität von mindestens 25 oder 34 Prozent zusammengekauft haben, um den Tausch torpedieren und auf Rückzahlung plus Zinsen pochen zu können. Allerdings befinden sich unter den Anleihen, die eine Sperrminorität von nur 25 Prozent benötigen, die großen Emissionen, und zwar vier Anleihen von mehr als 1 Milliarde Euro, eine Anleihe von 2,08 Milliarden Euro und eine Emission von 5,5 Milliarden Euro. Es gilt: Je kleiner die Emission und je niedriger die erforderliche Sperrminorität, desto leichter könnten Hedgefonds mit ihrer Strategie Erfolg haben. Morgan Stanley hat errechnet, dass bei 22 kleineren Anleihen eine relativ hohe Chance besteht, dass Hedgefonds theoretisch eine erfolgreiche Blockadepolitik betreiben könnten.

Athen müsste dann entscheiden, ob es die Investoren auszahlt, was die Hedgefonds in Zukunft zu noch größeren Spekulationen antreiben würde, oder ob Griechenlands Regierung gegenüber den Gläubigern Härte zeigt. Dies wäre weniger riskant als befürchtet.

Hedgefonds müssen vorsichtig sein, wenn sie den Rechtsweg einschlagen

Die neuen Anleihen Griechenlands würden von der Entscheidung Athens nicht berührt. Normalerweise besteht die Gefahr, dass bei Zahlungsausfall auf eine Anleihe andere Anleihen fällig gestellt werden - Fachleute nennen dies im englischen Finanzjargon einen Cross-Default. Der Prospekt der neuen griechischen Anleihen enthält aber wohlweislich eine rechtliche Klausel, die besagt, dass eine automatische Fälligstellung bei Zahlungsausfall (also ein Cross-Default) auf die neuen Anleihen nur stattfindet, wenn Anleihen nicht bedient oder zurückgezahlt werden, die nach dem Zeitpunkt des griechischen Anleihetauschs begeben wurden. Da aber die alten Anleihen vor dem Anleihetausch an den Markt kamen, ist ein Cross-Default der neuen Anleihen in diesem Fall ausgeschlossen.

„Es gibt durchaus das Risiko, dass Griechenland die alten Anleihen nach internationalem Recht in Zukunft nicht mehr bedienen wird, denn die neuen Anleihen scheinen kein automatisches Ausfallrisiko durch die alten Anleihen zu besitzen“, urteilen Analysten von Morgan Stanley. Investoren der drei großen Anleihen würden voraussichtlich die notwendige Mehrheit zusammenbekommen, um die restlichen Gläubiger zum Tausch zu zwingen.

Hedgefonds müssen vorsichtig sein, wenn sie den Rechtsweg einschlagen wollen. Bei der Umschuldung von Peru erlitten die Gläubiger zunächst eine Schlappe. Ein amerikanisches Gericht hatte geurteilt, dass die Hedgefonds kein Recht auf Rückzahlung der Anleihen hatten, weil sie die Anleihen wohl wissend zu einem Zeitpunkt gekauft hätten, an dem klar war, dass Peru nicht hätte zahlen können.

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