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Griechenland Agenturen sehen „teilweisen Zahlungsausfall“

Als erste Rating-Agentur hat S&P Griechenlands Angebot zur Umschuldung als "teilweisen Zahlungsausfall" gewertet. Moody's argumentiert ähnlich. Nach einer Handelsaussetzung sollen die Anleihen am Dienstag wieder handelbar sein.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Hier werden viele Anleihen gehandelt: Die Stuttgarter Börse

Wie schon tags zuvor Moody’s wertet auch die Rating-Agentur Standard & Poor’s den vorgesehenen Tausch griechischer Staatsanleihen als “teilweisen Zahlungsausfall“.  Moody’s hatte das Angebot Griechenlands am Montag als Anleihetausch in einer Notsituation gewertet, was gleichfalls den Tatbestand eines Zahlungsausfalls erfüllt.

Nach den Angaben von S&P wurde die Herabstufung nötig, weil Griechenland in der vergangenen Woche nachträglich Umschuldungsklauseln - so genannte „Collective-Action-Clauses“ - bei den Begleitdokumenten zu einigen Staatsanleihen eingeführt hatte. Mit deren Hilfe kann das Land Gläubigern Verluste aufzwingen, falls sie nicht freiwillig bei dem historischen Schuldenschnitt mitmachen.

Sorgen um Kreditabsicherungen

Die Einstufung als „teilweisen Zahlungsausfall“ könnte Kreditabsicherungsgeschäfte (Credit Default Swaps (CDS)) fällig machen. Die International Swaps und Derivatives Association (ISDA), die darüber befindet, erklärte, sie werde am Mittwoch entscheiden, wie auf Anfragen auf Auszahlungen von Credit Default Swaps zu reagieren sei.

In den Euro-Staaten gibt es Besorgnisse, dass eine umfangreiche Auszahlung von Kreditausfallversicherungen zu einem systemischen Problem im ohnehin unter Druck stehenden Finanzsystem führen kann. Zwar sind griechische Staatsanleihen nur über eine Summe von netto rund 3,5 Milliarden Dollar über CDS abgesichert, brutto beträgt die Versicherungssumme jedoch rund 70 Milliarden Dollar, weil viele Banken CDS sowohl ge- als auch verkauft haben. Sollte nun eine Station in der Zahlungskette ausfallen, könnte ein Dominoeffekt entstehen.

Anleihen am Montag vom Handel ausgesetzt

Trotz des Schuldenschnitts und des neuen Rettungspakets halten die Analysten von Moody’s das Risiko einer Insolvenz des griechischen Staats weiter für hoch. Die Schuldenlast werde viele Jahre lang hoch bleiben. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass sich Griechenland bis zum Jahr 2015 am Kapitalmarkt wieder finanzieren könne, wenn das zweite Rettungspaket ende. Nach einem Bericht der „Welt“ wollen internationale Großbanken Griechenland in absehbarer Zeit keine neuen Kredite geben. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein internes Papier des internationalen Bankenverband IIF.

Deutsche Privatanleger blieben am Montag ohnehin auf ihren griechischen Staatsanleihen sitzen. Die Titel waren vom Handel ausgesetzt. Vor allem an der Börse Stuttgart hatten deutsche Privatanleger in den vergangenen Monaten griechische Staatsanleihen in der Hoffnung erworben, dass diese trotz des Schuldenschnitts vollständig bedient werden. Ein Sprecher der Deutschen Börse sagte, dass die griechischen Anleihen wegen der Ankündigung des Umtauschs vom Handel ausgesetzt worden seien. Am Dienstag könnten diese Titel aber wieder gehandelt werden.

Der Deutsche-Börse-Sprecher verwies auf eine entsprechende Vorschrift in den Geschäftsbedingungen der Börsen. Darin heißt es: „Bei der Mitteilung von freiwilligen Rückkauf- oder Umtauschangeboten sowie von vorzeitigen Kündigungen oder Teilkündigungen von Schuldverschreibungen wird der Handel für die betreffenden Wertpapiere sofort bis zum Ablauf des folgenden Börsentages nach der öffentlichen Bekanntgabe einer solchen Maßnahme ausgesetzt.“ An den Börsen in Berlin und Hamburg wurden am Montagvormittag noch Kurse für die am 20. März fällige griechische Staatsanleihe gestellt. Erst danach ist dieser Titel wie alle anderen an deutschen Börsen notierten Staatsanleihen Griechenlands, die vom Umtauschangebot betroffen sind, vom Handel ausgesetzt worden.

30 Jahre Laufzeit

„Dies entspricht den üblichen Handelsusancen in einem solchen Fall. Am Dienstag wird der Handel in den Anleihen voraussichtlich wiedereingesetzt, und damit sind die Papiere wieder handelbar“, erklärte Markus Gross, der an der Börse Stuttgart den Handel mit Euro-Staatsanleihen leitet. Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen eines Emittenten werden in der Regel dann aus dem Handel genommen, wenn aufgrund einer wichtigen Mitteilung mit hohen Kursschwankungen zu rechnen ist. Aber auch ungewöhnlich starke Kursbewegungen rechtfertigen die Aussetzung. Professionelle Anleger wie Banken, Versicherer oder Fonds sind von dieser Maßnahme weniger betroffen, weil sie die Titel auch auf von den öffentlichen Börsen unabhängigen Handelsplattformen kaufen oder verkaufen können.

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Die griechische März-Anleihe hat seit dem Brüsseler Eurogipfel, auf dem das zweite Rettungspaket über 130 Milliarden Euro und der Schuldenschnitt Griechenlands vor einer Woche beschlossen worden waren, schon deutlich verloren. Der Kurs brach bis zum Wochenende von 45 auf 25 Prozent des Nennwerts ein. Die privaten Gläubiger müssen auf 53,5 Prozent des Nennwerts verzichten, was einer Reduzierung der griechischen Schuldenlast um 107 Milliarden Euro entspricht. Für die restlichen 46,5 Prozent erhalten sie Anleihen des Euro-Krisenfonds EFSF (15 Prozent) und neue griechische Schuldtitel (31,5 Prozent). Deren Laufzeit beträgt 30 Jahre. Die gestaffelten Zinsen, die im Durchschnitt 3,65 Prozent betragen, liegen deutlich unter dem Marktniveau, so dass Banken und Versicherer auf ihre griechischen Anleihen 74 Prozent abschreiben müssen. Der Anleihetausch soll bis zum 12. März abgeschlossen werden.

Infografik / 27.2 / Griechische Staatsanleihen Griechische Staatsanleihen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.02.2012, 18:36 Uhr

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