25.06.2009 · Der Markt für privat plazierte Anleihen belebt sich wieder. Emittenten wie der Stuttgarter Ernst-Klett-Verlag oder der Solarkraftwerksbauer Solar Millennium verzeichnen eine gute Nachfrage.
Von Martin HockAls zu Jahresbeginn die Anleger an den Finanzmärkten vor allem keine Risiken eingehen wollten, kam fast zwangsläufig auch das Emissionsgeschäft am unregulierten Graumarkt für privat plazierte Anleihen und Genussscheine zum Erliegen. Die Nachfrage sei gleich null gewesen, ist aus Initiatorenkreisen zu hören. Mittlerweile haben sich wieder einige Emittenten aus der Deckung gewagt. Der Stuttgarter Ernst Klett Verlag bietet eine mit 7 Prozent verzinste fünfjährige Anleihe an. Bis zu 50 Millionen Euro möchte Klett einsammeln. Am ersten Tag wurden 6 Millionen Euro gezeichnet, und auch seitdem soll die Emission sehr gut gelaufen sein.
Der Erlanger Spezialist für solarthermische Kraftwerke, Solar Millennium, bewirbt seit Mai eine neue fünfjährige Unternehmensanleihe mit einem Kupon von 6,75 Prozent. Deutlich mehr als zwei Drittel der Emission seien plaziert, wobei die Gläubiger alle durchweg schon frühere Anleihen des Unternehmens gezeichnet hatten, deren erste jetzt fällig geworden ist.
Ein komplizierteres Produkt bietet die Immobiliengesellschaft Exchange Traded Properties (ETP) an. Der ETP „CityEast I“ ist ein untypischer Genussschein mit einer Ausschüttung von 3 Prozent. Zudem werden die Inhaber an den Erträgen aus der Vermietung und der Veräußerung von Immobilien eines Pools von Bestandsimmobilien beteiligt. Diese Erträge werden erst zum Laufzeitende ausgeschüttet. Renditesteigernd wirkt sich nach Angaben von ETP aus, dass die Emittentin verpflichtet ist, von 2010 an Genussscheine zurückzuerwerben. Dadurch steigt die Rendite, da sich die Gewinnbeteiligung auf eine geringere Stückzahl verteilt. ETP gibt die Nettorendite aktuell mit 6,4 Prozent an, bis 2028 soll sie auf mehr als 9 Prozent steigen. Ganz zufrieden ist ETP mit der Zeichnung noch nicht. Indes laufe der Vertrieb besser, seit man diesen vor zwei Wochen selbst übernommen habe, sagt Geschäftsführer Hans-Peter Eger.
Erhöhte Risiko von Graumarktemissionen
Graumarktemissionen hatten schon in der ersten Hälfte des Jahrzehnts Konjunktur. Als damals die Zinsen fielen, wurden Fünf- und Sechsprozenter interessant. Das ging so lange gut, bis die Zinsen wieder stiegen. Dann trennte sich die Spreu der zweifelhaften Anbieter vom Weizen der seriösen.
Das zeigt das grundsätzlich erhöhte Risiko von Graumarktemissionen. Vor allem sind Anleger bisher immer noch stark auf den guten Willen des Emittenten angewiesen. So veröffentlicht beispielsweise der Duisburger Rohstoffhändler PCC nicht nur freiwillig quartalsweise Informationen zur Entwicklung des Unternehmens, sondern lädt auch jährlich zu einem „Tag der offenen Tür“ ein.
Transparenz ist auch für Initiatoren ein entscheidendes Element, mit dem das Vertrauen der Anleger gewonnen werden kann. Und Vertrauen ist für Graumarktemittenten einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Solar Millennium etwa will seine Ansprechpartner für potentielle Zeichner als Beraterteam verstanden wissen, das auch schon einmal allzu enthusiastische Zeichnungswillige bremse.
Wirtschaftlichen Risiken werden nicht unbedingt geringer
Geht es nach dem Willen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die die Prospekte bisher allenfalls auf formale Richtigkeit prüft, so könnten die Unterschiede zwischen Emissionen am grauen und am offiziellen Anleihenmarkt künftig deutlich geringer werden. Die Bafin fordert eine Ausweitung ihrer Zuständigkeiten (F.A.Z. vom 24. Juni) auch auf den grauen Markt, was diese Emissionen detaillierten Vorschriften und die Emittenten der Überwachung unterwerfen würde. Angesichts der personellen Ausstattung der Bafin gibt es indes Zweifel, dass eine Erweiterung der Kompetenzen auf kurze Sicht möglich ist.
Auch einige Emittenten sind in den vergangenen Jahren einen Schritt auf den offiziellen Markt zugegangen, indem sie ihre Anleihen an Börsen listen ließen und damit den Anlegern eine geregelte Ausstiegsmöglichkeit verschafften.
Selbst wenn der Graumarkt stärker reguliert werden sollte, werden die wirtschaftlichen Risiken nicht unbedingt geringer, die bei den oft mittelständischen Emittenten meist ähnlich hoch sind wie bei als spekulativ bewerteten Anleihen. Und auch ein großer Name schützt nicht vor Zahlungsausfällen, wie jüngst erst die Insolvenz von General Motors zeigte.
Anhaltspunkte zur Prüfung von Graumarkt-Emissionen
Transparenz. Wer sich Geld leiht, sollte dem Gläubiger umfassend über Solvenz und Verwendung informieren. Prospekte sollten möglichst aktuelle und aussagekräftige Bilanzen enthalten, die über Verschuldung, Geschäftsgang, Mittelzufluss und Liquidität informieren. Auch das Geschäftsmodell und die Unternehmensstruktur sollten klar sein. Beteiligungsgesellschaften, die keine Auskünfte über den Geschäftsgang ihrer Teilfirmen geben, sind schwer einzuschätzen.
Bilanz. Rückschlüsse auf die tatsächliche Fähigkeit des Emittenten, eine Anleihe zu tilgen, erlauben Bilanzen in Prospekten nicht wirklich, da sich die Situation des Unternehmens bis zum Fälligkeitszeitpunkt drastisch verändern kann. Sie lassen aber Rückschlüsse über den aktuellen Grad der Mittelbindung und Finanzbedarf zu. Eröffnungsbilanzen von Start-Ups sind generell wenig aussagefähig.
Öffentlichkeitsarbeit. Wer sich Geld leihen will, sollte grundsätzlich auskunftsfreudig sein. Emittenten, die schon auf Fragen zum Geschäftsverlauf mit dem Verweis auf Betriebsgeheimnisse reagieren, sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen.
Ausstiegsmöglichkeit. Ein Börsenlisting ermöglicht es, den Anlagezeitraum ggf. zu verkürzen, wenn dies aus persönlichen Gründen oder Sorgen um die Werthaltigkeit des Investments nötig sein sollte. Hat der Emittent schon andere Emissionen gelistet, ist es sinnvoll sich über deren Liquidität zu informieren. Eine hohe Liquidität spricht bei hinlänglich stabilen oder einer marktkonformen Kursentwicklung für Vertrauen in den Emittenten, da offenbar Käufer vorhanden sind. Andienungsrechte sind dagegen zweite Wahl, da sie im Ernstfall vom Unternehmen nur schwer zu erfüllen sind.
Name. Ein großer Name garantiert nicht für ein geringes Risiko. Selbst wenn das dahinter stehende Geschäftsvolumen groß ist, so sagt dies nichts über die Solvenz des Unternehmens aus. Indes sind Unternehmen mit bekannten Namen in der Regel weit mehr darauf bedacht, ein gutes Image zu bewahren.