07.07.2009 · Obwohl die Banken sich viel günstiger refinanzieren können - wird das Girokonto überzogen, langen sie fast genauso zu wie eh und je. Die Scheu der Kunden vor dem Wechsel macht es möglich.
Von Hanno MußlerEin besonderes Ärgernis für einen Privatkunden ist der Zins, den er zahlen muss, wenn er sein Girokonto überzieht. Beim Zins auf den oft mit Eröffnung des Kontos garantierten Dispositionsbetrag langen die Banken gerne besonders hin. Augenfällig ist das gerade jetzt in der Krise. Obwohl alle Refinanzierungsquellen der Banken deutlich günstiger geworden sind, haben die Banken die Dispo-Zinsen kaum gesenkt.
Das heißt im Umkehrschluss: Die Margen der Banken sind kräftig gestiegen. Zu berücksichtigen wären allerdings noch die Ausfälle, die von den Banken dann zu tragen sind, wenn ein Kunde Zinsen und die Kreditrückzahlung nicht vollständig leistet.
Festgeld 2,6 Prozentpunkte weniger, Dispo-Zins 0,8
Banken bekommen Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB), am Kapitalmarkt und über Einlagen. Ihren Leitzins hat die EZB seit Oktober von 4,25 auf 1 Prozent gesenkt. Der Euribor, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, ist seit dem mit 5,3 Prozent im Oktober erreichten Hoch auf 1,1 Prozent gefallen. Und wer sein Geld in einer Bank für drei Monate als Festgeld anlegt, erhält nach Daten von Max Herbst von der Finanzberatung FMH nicht mehr 4 Prozent wie noch im November, sondern nur noch 1,4 Prozent.
Dagegen hat sich der Dispo-Zins für Kreditkunden kaum verändert. Herbst befragt regelmäßig dieselben sieben Direkt-, acht Geschäfts- und drei Spezialbanken sowie neun Sparkassen und acht Genossenschaftsbanken. Demnach senkten diese Banken im Schnitt seit Oktober den Dispo-Zins von 12,5 auf 11,7 Prozent.
Sogar Zinserhöhungen
Ein Ausreißer ist die Postbank: Sie hat nach der ersten Leitzinssenkung ihren Dispo-Zins von 13,75 auf 14,25 Prozent erhöht und seither nicht verändert. Auch auffällig viele öffentliche Sparkassen, die sich der Fairness besonders verpflichtet fühlen, liegen vorne. In Berlin, Frankfurt, Hannover und Leipzig verlangen sie mindestens 13,5 Prozent für einen Dispo-Kredit.
Auf die Frage, warum gerade Sparkassen die niedrigeren Refinanzierungskosten nicht an ihre Kunden weitergeben, antwortet der Sparkassenverband, dass die Refinanzierungskosten - bei den Sparkassen vor allem die Einlagenzinsen - nur ein Teil der Kalkulationsgrundlage für den Dispo-Zins seien.
Die Berliner Sparkasse zählt auf, was den fast allen Privatkunden garantierten Dispo-Kredit für sie schwer planbar und damit teurer macht als einen individuellen Ratenkredit: Für den Kunden ist der Dispo-Kredit jederzeit ohne Rücksprache verfügbar, es werden keine Bearbeitungsgebühren erhoben, er kann jederzeit kostenlos zurückgezahlt werden.
Kunden fürchten Wechsel
Bankbeobachter Herbst meint dagegen mit Blick auf den fast starren Dispo-Zins, dass der Wettbewerb schlecht funktioniere: „Es gibt keinen Markt für Dispo-Kredite. Wer sich über seinen Dispo-Zins ärgert, wechselt nicht die Bank. Denn er scheut die Gefahr, dass er bei einer neuen Bank gar keinen Kredit mehr bekommt.“
Tatsächlich werden starre Dispo-Zinsen von Banken auch damit begründet, dass sie die Gefahr von Kreditausfällen einpreisen müssten. Ein Dispo-Kredit sei vor Jahren ohne Bonitätsprüfung des Kunden zugesagt worden; in der Krise müsse der steigenden Wahrscheinlichkeit von Privatinsolvenzen Rechnung getragen werden. Wer individuell einen neuen Ratenkredit über 36 Monate bekommt, muss im Durchschnitt 8 Prozent Zins zahlen - kaum weniger als im Oktober mit 8,4 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3024 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 118,94 $ | −0,08% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |