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Gewinnwarnung Anleger strafen Telekom ab

29.01.2007 ·  Die Börse reagiert deutlich auf die schlechten Nachrichten der Telekom. Die Gewinnwarnung lässt den Kurs der T-Aktie zu Wochenbeginn einbrechen. Nur die Anleihen zeigen sich weniger beeindruckt.

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Momentan trifft auf die Deutsche Telekom ein wenig der gehässige Spruch zu, dass alles was sie haben, eine große Vergangenheit sei. Denn derzeit läuft das Geschäft alles andere als gut. In zu vielen Bereichen steht der Ex-Monopolist unter Druck, als dass es diesen nicht stark belasten würde.

Das zeigt sich nur zu deutlich darin, dass sich das Unternehmen am Wochenende gezwungen sah, erneut eine Gewinnwarnung auszusprechen. Dieses Jahr werde das Betriebsergebnis um bis zu fünf Prozent unter der bisherigen Planung liegen, teilte der Bonner Konzern überraschend am Sonntag mit.

Operatives Ergebnis wird zurückgehen

Zu schaffen macht der Telekom vor allem die Konkurrenz im Festnetz. Im Mobilfunk macht ihr auch die Entwicklung der Wechselkurse einen Strich durch die Rechnung. Es ist bereits die zweite Korrektur innerhalb eines halben Jahres. Ursprünglich hatte die Telekom, als sie erstmals überhaupt eine Prognose veröffentlicht hatte, für 2007 ein deutlich höheres Ergebnis angenommen, dann im August jedoch nur noch einen Gewinn in Vorjahreshöhe in Aussicht gestellt. Dabei hatte sie die Prognosen bereits um zehn Prozent gesenkt.

Jetzt sagt sie einen Rückgang beim um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 0,7 bis 1,2 Milliarden auf rund 19 Milliarden Euro voraus. Der Konzernumsatz - bei dem ohnehin nur ein moderates Plus veranschlagt worden war - soll nunmehr im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen. Das bedeutet real einen Umsatzrückgang.

Auch die Ergebnisse für das Jahr 2006 fielen unter den Erwartungen des Konzerns aus. Mit 61,3 Milliarden Euro lag der Umsatz leicht unter der prognostizierten Spanne von 61,5 bis 62,1 Milliarden.

Mobilfunk unter Druck

Im Festnetz, das schon lange krankt und wo eigentlich niemand mehr gute Nachrichten erwartet, gingen die Inlands-Erlöse allein im vierten Quartal um fast sieben Prozent zurück. Dass es im Mobilfunk auch nicht mehr gut läuft, war ebenfalls schon bekannt. Hier gingen die Erlöse mit einem Minus von acht Prozent sogar noch stärker zurück. Da nützt es auch vergleichsweise wenig, dass aus organischem Wachstum fast neun Prozent mehr Kunden hinzukamen. Mehr Absatz, weniger Umsatz: Das ist kein Trend, der Mut macht. Der Gewinn soll auch wegen einer veränderten Einschätzung der Währungsschwankungen in der Sparte um 400 Millionen Euro sinken.

Das operative Ergebnis des Konzerns soll sich 2006 aber in der zuletzt erwarteten Größenordnung bewegen. Die Aktionäre könnten weiterhin mit einer Dividende rechnen, die mindestens auf dem Vorjahresniveau von 0,72 Euro liege, betonte der Vorstandsvorsitzende Rene Obermann in einer spontan einberufenen Telefonkonferenz.

Als Grund für die veränderte Gewinnplanung für das laufende Jahr führte Obermann den Wettbewerb auf dem deutschen Breitbandmarkt an, der stärker und schneller wachse als angenommen. Die Lage habe sich gegenüber der Einschätzung im Herbst noch einmal deutlich verändert.

Festnetz unverändert auf Schrumpfkurs

Außerdem dürfe sich der Preisdruck im Mobilfunk fortsetzen. Daher müsse die Telekom verstärkt in Service und Marketing investieren, um ihre Positionen zu festigen und auszubauen. Das Budget soll gegenüber der alten Planung um 0,5 Prozent steigen, wie Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick ohne Zahlenangaben ausführte.

Die im vierten Quartal gestarteten Bündeltarife für Breitband und Handy zeigten bereits erste Wirkung, betonte Obermann. Die Festnetzsparte T-Com habe zwischen Oktober und Dezember mit gut 560.000 neuen eigenen DSL-Kunden den höchsten Zuwachs seit der Breitbandeinführung erzielt. Vor allem habe man damit wieder in der Eigenvermarktung Terrain gewonnen, nachdem in den Vorquartalen vor allem die Wiederverkäufer von Telekom-Produkten wie United Internet oder Freenet den Markt dominiert hatten.

Im Festnetzgeschäft werde das bereinigte Ebitda um 0,8 Milliarden unter der internen Planung liegen. Um den starken Rückgang bei den normalen Anschlüssen - 2006 gingen fast 1,2 Millionen verloren - zu stoppen, wolle die Telekom möglichst viele Kunden auf ihre DSL-Tarife ziehen, sagte Obermann.

Service soll besser werden

Durch besseren Service sowie ein überzeugendes Verhältnis von Preis und Leistung wolle man zudem Kunden von den Wettbewerbern zurückgewinnen. Helfen sollen dabei die engere Verzahnung von Festnetz und Mobilfunk und eine stärkere Ausrichtung auf Zielgruppen. „Wir werden insgesamt mit der besten Vertriebspräsenz im Markt aufwarten“, kündigte der Vorstandsvorsitzende an. Im Service, wo es zahlreiche Mängel gebe, könnten die Kunden bereits in diesem Jahr „spürbare Verbesserungen“ erfahren. Das steht angesichts der häufig zu hörenden Klagen auch zu hoffen.

Während die Aktien des Unternehmens am Montag zur Handelseröffnung um über sechs Prozent einbrachen, zeigen sich die Anleihen des Unternehmens weit weniger bewegt. Das liegt einfach daran, dass trotz aller schlechter Gewinnausweise die Substanz des Unternehmens nicht angegriffen ist. So soll auch die Planung für den freien Cashflow von fünf Milliarden Euro mit mindestens 5,5 Milliarden Euro deutlich übertroffen werden. Dies gilt indes vor Investitionen in die amerikanische Spektrum. Zudem kann die Telekom durch ihre schiere Größe von viel Substanz zehren.

A-Anleihen derzeit wenig gefragt

Nichtsdestoweniger macht die am Wochenende begebene erneute Gewinnwarnung angesichts der vom Konzern selbst als äußerst hart aufgefassten Wettbewerbsbedingungen die T-Anleihen nicht unbedingt interessanter. Indes zeigen sich einige der T-Anleihen gegenüber vergleichbaren Branchenwerten mit kleinen Renditeaufschlägen, so dass sie zwar nicht unbedingt interessanter sind, aber auch nicht als überbewertet gelten müssen.

Allerdings spricht der allgemeine Markttrend auch nicht gerade für A-Anleihen. Der EMU Corporates A-Rated Index befindet sich seit Herbst 2005 im Seitwärtstrend. Kurzläufer bis fünf Jahre brachen im Dezember deutlich ein und laufen derzeit eher seitwärts. Mittelfristige A-Anleihen bis zehn Jahre haben ihren Abwärtstrend bislang nur etwas verlangsamen können und auch langfristige Anleihen laufen kaum besser. Dies allein ist ein Grund, derzeit nicht auf T-Anleihen zu setzen.

Wer auf Endfälligkeit spekuliert, fährt derzeit am besten mit den bis Oktober 2009 (Isin XS0155788150) und Juli 2010 (Isin XS0113709264) laufenden Papieren, die mit 4,4 Prozent rentieren. Diese haben auch eine überschaubare Laufzeit.

Dagegen empfehlen sich Langläufer derzeit weniger. Auch wenn die bis 2003 laufende und mit 7,5 Prozent verzinste Anleihe (Isin XS0161488498) mit einer Rendite von 5,39 Prozent lockt, so kann sich die Marktposition des Konzerns bis dahin noch sehr deutlich verändern. Da momentan mit Kursgewinnen eher weniger zu rechnen ist und sich Langläufer für Privatanleger zur Spekulation auf Endfälligkeit generell eher nicht empfehlen, sollte man eher zu einer kürzer laufenden BBB-Anleihe greifen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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