Die Deutsche Bank will mittelständischen Unternehmen noch im ersten Quartal mit einem speziellen Fonds Eigenkapital in Form von Genussscheinen zur Verfügung stellen. Das Eigenkapital soll die Kreditfähigkeit der Unternehmen, die nicht Kunden der Deutschen Bank sein müssen, verbessern und ihnen die Finanzierung von Investitionen erleichtern.
Wie der im Vorstand für Deutschland zuständige Jürgen Fitschen am Dienstag sagte, sollen zu den 300 Millionen Euro der Deutschen Bank weitere 200 Millionen Euro in den Fonds fließen. Finanzierungspartner gibt es noch nicht: Unter anderen prüft der Automobilhersteller Daimler eine Beteiligung. Fitschen ließ durchblicken, dass er Partner ohne „Brancheninteresse“ bevorzugen würde. Daimler könnte zum Beispiel darauf drängen, dass Zulieferer der Autoindustrie mit Eigenkapital bevorzugt gestützt würden.
Der Industrie nicht genug
Unterdessen forderte die Industrie angesichts einer drohenden Kreditklemme mehr Eigenkapitalquellen nach dem Vorbild des Mittelstandsfonds der Deutschen Bank. Die von ihr bereitgestellten 300 Millionen Euro reichten nicht annähernd, um die Eigenkapitallücke deutscher Firmen zu schließen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes BDI, Werner Schnappauf.
Der Fonds der Deutschen Bank müsse auf eine breitere Basis gestellt werden. Die Sparkassen haben schon angekündigt, nicht mitzumachen, und eine eigene Initiative angestoßen. „Mit den Sparkassen brauchen wir gar nicht mehr zu reden“, gab Fitschen zu. Es gehe der Deutschen Bank darum, nicht nach dem Staat zu rufen, sondern das Eigenkapitalproblem über den Markt zu lösen.
Risikoreiches Geschäft
Die Deutsche Bank als Kapitalgeber erwartet eine hohe einstellige Rendite aus dem Fonds. Das Risiko jedoch ist nicht gering: Anders als Kredite werden Genussrechte bei einer Insolvenz nachrangig bedient und gelten daher - obwohl es für höchstens sieben Jahre vergeben ist - als Eigenkapital. Die Firmen müssen auf das Genussrechtskapital individuell gestaffelte Zinsen zahlen. Machen sie in einem Jahr Verlust, brauchen sie keine Zinsen zu zahlen, müssen später aber nachzahlen. Am Ende der Laufzeit dürfte der jährliche Zins oft zweistellig sein.
Fitschen gab zu, dass die Banken früher eigenkapitalähnliches Mezzanine unter Wettbewerbsdruck zu für sie oft nicht rentablen Konditionen vergeben hätten. Mit dem neuen Fonds wolle die Deutsche Bank zwar nicht 25 Prozent Rendite, aber doch Geld verdienen, machte Fitschen klar.
Lücke schließen
Den Fonds hatte der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann vor zwei Monaten auf dem „Kredit-Gipfel“ im Kanzleramt angekündigt. Sein Hauptziel sei, eine Lücke in der Eigenkapitalfinanzierung des Mittelstandes schließen. Nach Ansicht der Deutschen Bank sind die staatlichen Förderprogramme der KfW-Bankengruppe auf Unternehmen mit Eigenkapitalbedarf von höchstens 2 Millionen Euro zugeschnitten. Anderseits kommt eine Eigenkapitalaufnahme über die Börse nur für Gesellschaften mit mindestens 10 Millionen Euro Bedarf in Frage. Der Fonds der Deutschen Bank will dagegen Firmen mit höchstens 100 Millionen Euro Jahresumsatz Eigenkapital zwischen 2 bis 10 Millionen Euro geben.
Um nicht in den Geruch zu kommen, es handele es sich um Subventionen für schwächelnde Kreditkunden der Deutschen Bank, wird der Fonds vom externen Betreiber M Cap Finance verwaltet. Die Deutsche Bank übernimmt einen Sitz im Anlageausschuss; die Prüfung, ob er ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell hat und die Kapitalvergabe zu „Marktkonditionen“ erfolgt, obliegt nach der vom Eigenkapitalinteressenten zu zahlenden „Due Diligence“ aber dem Fondsmanager, heißt es.