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Geldpolitik Debatte um Lockerung der Fed

10.08.2010 ·  An den Finanzmärkten wird über eine geldpolitische Lockerung der amerikanischen Notenbank spekuliert. Im Mittelpunkt steht, ob die Fed abermals Wertpapiere ankaufen soll.

Von Patrick Welter, Washington
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Vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed) laufen die Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik heiß. Die Ökonomen von Goldman Sachs erwarten für diesen Dienstag etwa einen „Baby-Schritt“ der Fed, als Auftakt für weitere Lockerungen gegen Jahresende. Andere Analysten halten die wirtschaftliche Abschwächung indes noch nicht für stark genug, um die Fed zu einer Reaktion zu bewegen.

Die Debatte dreht sich um die Frage, ob die Zentralbank die Erträge auslaufender Wertpapiere abermals anlegen und damit ihre Bilanzsumme mehr oder weniger konstant halten soll. Die Fed hat ihre Bilanz seit Ausbruch der Krise auf zuletzt rund 2,3 Billionen Dollar in etwa verdreifacht. Maßgeblich dafür war der im März abgeschlossene Ankauf von rund 1,7 Billionen Dollar an Staatsschuld und hypothekenbesicherten Wertpapieren.

In Erwartung eines moderaten Signals

Die direkte Liquiditätszufuhr an die Geldinstitute ist mit dem Ende der Sonderprogramme beendet. In den vergangenen Monaten hat die Fed auch einen „passiven Ausstieg“ aus ihren Wertpapierbeständen begonnen. Sie hat die Erträge auslaufender Wertpapiere nicht wieder angelegt, sondern ihre Bilanz langsam ein wenig schrumpfen lassen. Seit dem Ende des Ankaufsprogramms im März ist der Bestand der Schuldpapiere von Staatsagenturen in der Fed-Bilanz um 5,7 Prozent gesunken. Das Volumen der hypothekenbesicherten Wertpapiere erreichte im Juni sein Maximum und ging seither um fast 1 Prozent zurück.

Ein Ende dieser Praxis und die Wiederanlage gäbe ein moderates Signal, dass die Fed sich willig zeigt, die Wirtschaft weiter zu stützen. Das Volumen der bis 2011 auslaufenden Wertpapiere wird auf etwa 180 Milliarden Dollar geschätzt.

Bernanke denkt über langsame Straffung nach

Während viele Analysten die Notwendigkeit der geldpolitischen Lockerung fast als gegeben ansehen, scheint Ben Bernankes Denken aber immer noch von einem anderen Punkt auszugehen. „Wir müssen aufpassen, die Geldpolitik nicht zu schnell zu straffen“, sagte der Fed-Vorsitzende in einer Rede vergangene Woche. Und im Juli hatte Bernanke in seiner Stellungnahme vor dem Kongress ausführlich die Optionen beschrieben, die der Fed für eine künftige Straffung der Geldpolitik zur Verfügung stünden. Die erklärte Bereitschaft, im Fall einer sich deutlich abschwächenden Wirtschaft auch zur weiteren Lockerung zu schreiten, kam wie nachgeschoben.

Nicht alle Analysten sind deshalb davon überzeugt, dass die Fed ernsthaft eine Lockerung zu diesem Zeitpunkt erwägt. Eine rasche Lockerung bedeutete eine Abkehr von der Wachstumsprognose der Fed, die eine moderate weitere Erholung der Wirtschaft anzeige. Die Inflationsrate liegt bei 1 Prozent, niedriger als der Spielraum von 1,5 bis 2 Prozent, mit dem die Fed sich wohl fühlt. Manche Ökonomen warnen deshalb vor Deflationsrisiken.

Wenig Spielraum

Der Spielraum der Geldpolitik ist auf der Zinsseite begrenzt. Seit Dezember 2008 hält die Fed den Leitzins in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent faktisch bei null. Eine Zinserhöhung wird an den Finanzmärkten erst in ferner Zukunft erwartet. Der Zinssatz für Staatsschuldpapiere mit zwei Jahren Laufzeit lag zuletzt bei 0,52 Prozent, nahe seinem Rekordtief.

Eine andere Option zur Lockerung wäre, den Zinssatz von 0,25 Prozent auf die bei der Fed gehaltene Überschussliquidität der privaten Finanzinstitute zu senken, um die Banken zu bewegen, mehr Kredite auszugeben. Diese Option findet angeblich in der Zentralbank wenig Widerhall, weil der reguläre Leitzins ohnehin noch niedriger liegt. Der expansive Wert wäre gering und der Preis möglicher Störungen am Markt für Geldmarktfonds hoch.

Im zweiten Quartal war die Wirtschaft annualisiert nur noch um 2,4 Prozent gewachsen. Die Ökonomen von Goldman Sachs erwarten für das zweite Halbjahr nur noch eine annualisierte Wachstumsrate von 1,5 Prozent und sehen eine Beschleunigung erst im späteren Jahresverlauf 2011. Am Freitag hatten die Arbeitsmarktdaten für Juli die Händler geschockt, weil die Beschäftigung zum zweiten Mal nacheinander gesunken war. Der Grund sind die Entlassungen der zeitweise für die Volkszählung von der Regierung Beschäftigten. Die Unternehmen stellen aber immer noch mehr Mitarbeiter ein, wenn auch nicht in ausreichendem Maße, um die Arbeitslosenquote zu senken.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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