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Geldpolitik Banken dürfen auf unbegrenzte Liquidität hoffen

01.09.2010 ·  Am Donnerstag werden die neuesten Entscheidungen der EZB verkündet. Volkswirte erwarten weiter unbegrenzte Liquiditätszuteilung sowie eine bessere Konjunkturprognose der Zentralbank.

Von Hanno Mußler
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Der Leitzins im Euro-Raum wird noch mindestens ein Jahr unverändert 1 Prozent betragen. Davon gehen nahezu alle Beobachter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Deren geldpolitischer Rat kommt an diesem Donnerstag in Frankfurt zusammen.

Die anschließende Pressekonferenz von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verspricht auch interessant zu werden, wenn die Leitzinsen unverändert bleiben. Denn die EZB wird am Donnerstag zum einen ihre Wachstums- und Inflationsprognosen anpassen und zum anderen darüber beraten, wie sie die Banken im vierten Quartal und darüber hinaus mit Liquidität versorgen wird.

Erhöhung der Wachstumsprognose erwartet

Bisher rechnet die EZB mit 1 Prozent Wirtschaftswachstum im Euro-Raum im Jahr 2010 und 1,2 Prozent im Jahr 2011. Fast alle Bankvolkswirte gehen davon aus, dass die EZB am Donnerstag ihre Prognose für dieses Jahr erhöht. „Nach den zuletzt überraschend guten Daten insbesondere für Deutschland wird die EZB ein weniger düsteres Konjunkturbild für den Euro-Raum zeichnen“, meint Jörg Krämer. Der Chefvolkswirt der Commerzbank erwartet eine „deutliche Aufwärtsrevision“ auf 1,5 Prozent. Sein Kollege Marco Annunziata von Unicredit prognostiziert sogar eine Erholung auf 1,6 Prozent.

Wenig Anpassungsbedarf sehen die Volkswirte dagegen bei der EZB-Prognose für 2011. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, rechnet mit keinem Rückfall in die Rezession, schließt sich aber der Bundesbank an, die zuletzt einen langsamen und zähen Aufschwung prognostiziert hatte. „Im Vergleich zu Amerika, wo Deflationsgefahren drohen, ist die Europäische Zentralbank in einer komfortableren Position als die amerikanische Notenbank. Die EZB kann sich auf die Wahrung der Finanzsystemstabilität konzentrieren, indem sie das Bankensystem liquide hält“, sagt Kater.

Mehr Geld für die Banken

Seitdem Axel Weber, Präsident der Bundesbank und Mitglied im EZB-Rat, vor kurzem andeutete, dass der Ausstieg aus den ungewöhnlichen Liquiditätsmaßnahmen der EZB für die Banken erst im ersten Quartal 2011 anstehe, wird erwartet, dass Trichet am Donnerstag weitere Geldgeschäfte für die Banken ankündigt, bei denen die EZB die Nachfrage voll bedient. „Ich rechne mit einer zeitlichen Ausweitung der Vollzuteilung bei Drei-Monats-Tendern bis ins Jahr 2011 hinein“, sagt Kater.

Wenn dann die Debatte im ersten Quartal anstehe, ob weiter Geld von der EZB voll zugeteilt werde, halte er die Wahrscheinlichkeit sogar für hoch, dass damit fortgefahren werde. Krämer von der Commerzbank kann sich dagegen vorstellen, dass Trichet am Donnerstag eine Vollzuteilung vorsichtig nur für ein Geldleihegeschäft über drei Monate ankündigt und das Verfahren für die weiteren Drei-Monats-Tender im vierten Quartal zunächst offenlässt.

Interbankenmarkt weiter angespannt

Eigentlich ist üblich, dass die EZB Banken nicht unbegrenzt Geld leiht, sondern regelmäßig eine bestimmte Menge Geld meistbietend versteigert. Mit Ausbruch der Finanzkrise aber ist die EZB dazu übergegangen, Banken gegen Sicherheiten länger und so viel Geld zum Leitzins von 1 Prozent zu überlassen, wie sie wollen.

Die Nachfrage danach ist nach wie vor groß. Spanische Banken fragten in den vergangenen sechs Monaten fast doppelt so viel Geld bei der EZB nach wie zuvor. Weil der Zins für Ausleihungen unter Banken unter dem Leitzins der EZB liegt, ist dieses Verhalten Zeichen dafür, dass das Misstrauen der Banken untereinander nach wie vor groß ist und bestimmte Banken von anderen Banken überhaupt kein Geld geliehen bekommen.

„Die EZB stellt den kompletten Geldmarkt dar, um Rücksicht zu nehmen auf die schwächeren Teile des europäischen Bankenmarktes“, sagt Kater. Neben der Stabilisierung des Finanzsystems sorge der niedrige kurzfristige Leitzins auch für ein Gefälle zu den langfristigen Zinsen, das den Banken gute Ertragsmöglichkeiten biete.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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