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Geldpolitik Analysten sehen EZB auf Zinssenkung zusteuern

29.03.2004 ·  Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur in Europa sind zuletzt gestiegen. Das nährt die Zinssenkungsphantasie im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag. Einige Banken haben ihre Zinsprognosen jedenfalls bereits geändert.

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Angesichts der schleppenden Konjunkturerholung in der Eurozone könnte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Einschätzung zahlreicher Analysten in dieser Woche eine Zinssenkung zumindest in Aussicht stellen.

Zwar wäre es für die meisten Experten eine Überraschung, wenn die EZB den Leitzins von derzeit 2,00 Prozent nach Monaten des Verharrens in einer geldpolitisch neutralen Haltung schon zum jetzigen Zeitpunkt reduzieren würde. Doch haben EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und einige andere Ratsmitglieder mit jüngsten Äußerungen deutlich gemacht, daß die Währungshüter zunehmend besorgt über die nur schleppende Konjunkturerholung sind, während sie die Aussichten für die Preisstabilität als günstig bewerten.

Mehrere Banken haben deshalb in den vergangenen Tagen ihre Zinsprognosen zu Gunsten einer weiteren Lockerung in den kommenden Monaten geändert. Trichet könnte nach Ansicht von Experten Handlungsbereitschaft für den Fall signalisieren, daß nach drei Jahren Abschwung ein Rückfall und damit ein viertes Jahr der Stagnation droht. Die EZB wird ihre Zinsentscheidung am Donnerstag um 13.45 Uhr bekannt geben und um 14.30 vor der Presse in Frankfurt erläutern.

Abwärtsrisiken für Konjunktur gewachsen

Während vor dem März-Beschluß Zinssenkungsforderungen der Regierungschefs von Deutschland und Frankreich, Gerhard Schröder und Jean-Pierre Raffarin, die Stimmung aufgeheizt hatten, sorgte dieses Mal EZB-Chef Trichet selbst für Spannung. Die Zentralbank werde ihre Einschätzung einer graduellen wirtschaftlichen Erholung überarbeiten, wenn Konsum und Inlandsnachfrage sich nicht so verstärkten wie erwartet, sagte er in der vergangenen Woche in einem Interview. Bereits im Februar hatte die EZB darauf hingewiesen, daß sie in der Konsumflaute eine Schwachstelle des Aufschwungs sieht. Dennoch bezeichnete sie bisher Risiken und Chancen für die Konjunktur als ausgeglichen.

Doch nach zwei Quartalen fehlt der Aufwärtsentwicklung noch immer jeder Schwung. Einige enttäuschende Wirtschaftsdaten, so etwa der zweite aufeinander folgende Rückgang des deutschen Ifo-Geschäftsklimaindexes, lassen die Furcht aufkommen, die Erholung könne schon wieder zu Ende sein, ehe sie richtig begonnen hat. Der Rückgang des Euro auf ein wirtschaftlich gerechtfertigtes Niveau von gut 1,20 Dollar linderte zuletzt zwar die Sorgen um die Exporte etwas.

Doch verschärfte dies auch den starken Anstieg des Ölpreises. Die Bombenanschläge von Madrid und die Angst vor weiteren Attentaten schließlich könnten die Stimmung von Investoren und Konsumenten belasten. Auf der anderen Seite profitiert die Euro-Zone von der kräftigeren Erholung der US-Wirtschaft, Unternehmen wagen sich an Investitionen heran.

Einige Banken haben ihre Zinsprognosen bereits geändert

Die erkennbare wachsende Unsicherheit der Währungshüter über die Konjunkturaussichten veranlaßte einige Banken jetzt zur Änderung ihrer Zinsprognosen. Das Umschwenken der Deutschen Bank zu einer weiteren Lockerung verbilligte den Euro am Freitag sogar um einen halben amerikanischen Cent. Noch vor knapp einer Woche stand in der regelmäßigen Reuters-Umfrage ein Zinssenkungsprophet zwei Anhängern der gegenteiligen Vorhersage gegenüber. Fast alle befragten 62 Volkswirte hatten unveränderte Leitzinsen für diese Woche vorhergesagt. Dies dürfte sich nach den Trichet-Äußerungen etwas verschoben haben.

„Es gibt eine enorme Unsicherheit über den Konjunktur- und Zinsausblick", sagte Holger Fahrinkrug, Volkswirt von UBS. Noch hält er wie viele Volkswirte die Konjunkturerholung nicht für verloren. Deshalb sei eine Zinssenkung im April zu voreilig. „Aber wenn es keine deutliche Wende zum Besseren gibt, ist eine Zinssenkung bis Juni sehr wahrscheinlich.“ Der Analyst erwartet, daß Trichet ein weiteres Eintrüben der Konjunkturaussichten als Bedingung für eine weiteres Lockern der Geldpolitik nennen wird.

Die um sich greifenden Zweifel an einer wirtschaftlichen Besserung drängen unterdessen das von der EZB vorrangig verfolgte Ziel völlig in den Hintergrund: Preisstabilität. Die EZB erwartet für dieses und das kommende Jahr Teuerungsraten zumeist unter zwei Prozent, womit ihre Zielvorstellung erfüllt wäre. Viele Analysten glauben zwar, eine weitere Zinssenkung würde die Preisstabilität nicht in Gefahr bringen. Umstritten ist aber, ob ein weiterer geldpolitischer Impuls ein Erlahmen der Wirtschaft verhindern würde.

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