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Geldmarkt Zinsanstieg trifft Zertifikate hart

21.11.2005 ·  In den vergangenen Wochen sind die Zinsen in Erwartung einer Erhöhung durch die EZB am Geldmarkt stark gestiegen. Gut für die Inhaber von Floatern und fatal für die Besitzer von Zins-Zertifikaten.

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Jahrelang verharrten die Geldmarktzinsen auf niedrigstem Niveau. Zwischen Februar 2003 bis Anfang Oktober pendelte der Zwölf-Monats-Euribor verläßlich zwischen 1,9 und 2,5 Prozent hin und her. Auch für die Zertifikate-Branche war dies eine herrliche Situation. Konnte sie doch nach Herzenslust zinsabhängige Produkte auflegen, die einmal von steigenden oder wieder von fallenden Zinsen profitierten und darauf vertrauen, daß sich eigentlich nichts tun würde.

In den vergangenen sieben Wochen ist an dieser Front etwas mehr Ruhe eingekehrt. Der Geldmarktzins hat sich aus seiner Lethargie befreit und wettet darauf, daß die EZB auf ihrer Sitzung am 1. Dezember die Zinsen erhöht. Mittlerweile steht der Zwölf-Monats-Euribor bei 2,681 Prozent und damit so hoch wie seit 33 Monaten nicht mehr.

Euribor-Zertifikate laufen meist in die falsche Richtung

Positiv wirkt sich das auf die Verzinsung von Floatern aus, besonders wenn der Zinsanpassungstermin naht. Auf die neu emittierte Anleihe der Württembergischen Hypothekenbank (ISIN: XS0235043329) hätte es vor drei Monaten noch 2,225 Prozent Zinsen gegeben. Würde der Zins heute angepaßt, so müßte die Bank schon 2,5385 Prozent berappen.

Gekniffen sind dagegen in aller Regel die Inhaber von auf den Euribor lautenden Zins-Zertifikaten. Denn diese haben fast durch die Bank auf einen fallenden Euribor gesetzt. Man muß sagen, daß diese Spekulation schon von vornherein einen gewissen Wagemut aufwies. Zum einen wegen der eher geringen Aussichten auf weiter sinkende Zinsen, zum anderen aber auch wegen der Konstruktion der meisten Papiere.

Die Formel-Anleihen der WestLB etwa, bieten nach einer einmaligen festen Zinszahlung in den folgenden Zinsperioden eine Verzinsung, die sich aus der Differenz zwischen einem Maximalzinssatz (zum Beispiel 7,50 Prozent) und dem doppelten Zwölf-Monats-Euribor errechnet.

Mehrfache Bestrafung

Im Fall der kürzlich emittierten Formel 6-Anleihe werden am 27. Dezember nächsten Jahres fix sechs Prozent Zinsen gezahlt. Ein Jahr später beträgt der Kupon (7,5 Prozent - 2 * Zwölf-Monats-Euribor). Zu Beginn der Zeichnungsfrist hätte dies noch einer Verzinsung von 2,38 Prozent entsprochen. Mittlerweile läge diese nur noch bei 1,934 Prozent.

Bestraft wird der Anleger bei steigenden Geldmarktzinsen gleich mehrfach. Nicht genug, daß der Euribor steigt. Die Differenz zum Maximalzinssatz wird auch gleich noch verdoppelt, so daß das Produkt einen saftigen Hebel erhält. Und überdies verlängert sich auch noch die Laufzeit. Denn das Zertifikat wird fällig, sobald kumuliert Zinsen in Höhe von zwölf Prozent gezahlt wurden. Mit zunehmender Laufzeit aber wird die Rendite der hohen anfänglichen festen Zinszahlung immer stärker verwässert. Allein durch den Effekt der Laufzeitverlängerung fällt die Rendite um einen runden halben Prozentpunkt auf 2,6 Prozent.

Im Falle sinkender Zinsen bietet das Produkt dagegen kaum wirklich gute Renditechancen. Um eine Rendite auf Höhe des aktuellen 12-Monats-Euribor zu verbuchen, müßte dieser wieder unter 2,75 Prozent fallen, damit sich die Laufzeit verkürzt. Um auf vier Prozent zu kommen, müßte der Zwölf-Monats-Euribor schon unter 2,1 Prozent fallen.

Am Ende gewinnt die Bank

Indes können die Inhaber der Formel 6-Anleihe noch hoffen. Denn relevant ist für sie der fünfte Bankarbeitstag vor dem 27.12.2006. Indes sieht es schlecht aus - „Nach zweieinhalb Jahren mit anhaltend ausgesprochen niedrigen Zinsen denke ich, daß der Rat bereit ist, die Entscheidung zu treffen, die Zinsen zu ändern und das gegenwärtige Zinsniveau leicht anzuheben“, sagte EZB-Präsident Trichet am Freitag auf dem Europäischen Bankenkongreß in Frankfurt. Die Zinsen werden also nicht nur weiter steigen, sie werden offenbar auch dort weiter verweilen.

Entsprechend sind die Kurse der Zins-Zertifikate auch in den vergangenen Wochen auch abgestürzt. Für die Banken ist dies indes eine zufriedenstellende Situation. Sie zahlen bei steigenden Geldmarktzinsen eben an dieser Stelle weniger und haben das Kapital auch noch länger zur Verfügung. Es zeigt sich, daß das Spekulieren mit Zertifikaten viel mit Roulettespielen gemein hat. Man muß auf die richtige Zahl zur richtigen Zeit setzen - und nur die Bank gewinnt am Ende immer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit Material von Bloomberg
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