31.03.2008 · Auch wenn der dax sich in der vergangenen Woche erholte - die Kreditmärkte sind weiter von hoher Unsicherheit geprägt. Die Tagesgeldzinsen weichen deutlich vom Leitzins ab und Kreditversicherungen sind nach wie vor teuer. Aber es gibt auch positive Signale.
Auf den Aktienmärkten keimt die Hoffnung, dass der Höhepunkt der Finanzkrise überwunden ist. Deshalb hat der Deutsche Aktienindex seit dem Erreichen des Jahrestiefs in der vergangenen Woche gut 6 Prozent zugelegt. Doch diese Zuversicht könnte von kurzer Dauer sein, denn die Kreditmärkte sind weiterhin angespannt, weil das Misstrauen der Banken untereinander andauert. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte am Freitag neuartige „Liquiditätsspritzen“ mit sechsmonatiger Laufzeit an.
Auch auf dem Geldmarkt, wo die Banken Leihgeschäfte für kurze Laufzeiten von Tagen oder Monaten tätigen, herrscht weiterhin Unsicherheit. Nach der Beinahe-Pleite der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns scheuten die Banken davor zurück, einander Geld zu leihen, erläutert Christoph Rieger, Fachmann für Zinsprodukte bei Dresdner Kleinwort. Zudem betrieben viele Finanzinstitute vor dem Quartalsultimo etwas Bilanzkosmetik und hielten sich auch deshalb mit Ausleihungen zurück.
Tagesgeldzins auf Höchstniveau
Offensichtlich wegen des Quartalsultimo am kommenden Montag ist der Zinssatz für Tom-Next-Tagesgeld am Freitag auf dem Frankfurter Geldmarkt in der Spitze bis auf 4,51 Prozent gesprungen - den bislang höchsten Stand in der seit vergangenem Juli andauernden Kreditkrise. Von „Tom-Next“ sprechen die Geldhändler, wenn ein Kredit „morgen“ (tomorrow) ausgezahlt werden und bis zum dann nächsten Geschäftstag laufen soll. „Morgen“ war aus Sicht von Freitag der kommende Montag, der letzte Tag des ersten Quartals.
Zum Quartalsende hin kommt es im Bankenhandel allerdings oft zu einem Anstieg der Zinsen. Denn viele Institute wollen dann keine Kredite gewähren, weil diese die Bilanz „verlängern“ und damit wichtige Bilanzkennziffern, die im Quartalsbericht veröffentlicht werden müssen, ungünstiger erscheinen lassen.
Neben dem Zins für Tagesgeld ist seit der neuerlichen Verschärfung der Kreditkrise Mitte März auch der vielbeachtete Euribor-Zins für Dreimonatskredite wieder gestiegen. Am Freitag erreichte er im Zuge dieser „dritten Welle“ der Krise mit 4,73 Prozent ein zyklisches Hoch (siehe Infografik). Normalerweise liegen die Zinsen für Tagesgeld und Dreimonatsgeld nur unwesentlich über dem Leitzins, den die Europäische Zentralbank derzeit noch bei 4 Prozent hält.
EZB will Zinsen am langen Ende drücken
In der Differenz drückt sich das große Misstrauen der Banken untereinander aus. Und das hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft außerhalb des Finanzsystems. Viele kurzfristige Kredite an Industrieunternehmen sowie fast alle Immobilienkredite in Spanien sind an den Euribor-Zins gebunden. Der Aufschlag auf den Leitzins bürdet diesen Kreditnehmern höhere Kosten auf - und könnte dadurch die Wirtschaft ganz allgemein belasten.
Um die hohen Zinsen am „langen Ende“ des Geldmarkts zu drücken, hat die EZB angekündigt, den Banken erstmals Liquidität für sechs Monate bereitzustellen. Bislang hatten solche Kreditgeschäfte höchstens eine Laufzeit von drei Monaten. Das erste Geschäft mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro ist für den 2. April angesetzt, ein zweites für den 9. Juli. Auch die Geschäfte mit dreimonatiger Laufzeit würden erneuert, wobei das Volumen aber von 60 auf 50 Milliarden Euro verringert werde, teilte die EZB mit.
Entlastungszeichen?
Die Wirtschaft belasten könnten auch die gestiegenen Risikoprämien für langfristige Anleihen und Kredite. Ein wichtiger Maßstab dafür ist der Itraxx-Crossover-Index. In ihm sind die Absicherungskosten für Forderungen gegen 50 schwache europäische Unternehmen zusammengefasst, darunter Fresenius, TUI und Infineon. Vor einigen Tagen war dieser Index auf mehr als 600 Punkte gestiegen. Jetzt hat sich die Lage entspannt, und er ist auf rund 500 Zähler gefallen. Aber auch das ist ein hoher Wert. Er drückt aus, dass die Absicherung der Forderungen jährlich 5 Prozent der versicherten Summe kostet.
Erfreulich ist dagegen der Verlauf der ersten Auktion der amerikanischen Notenbank (Fed) im Rahmen einer neuen Kreditfazilität für Banken und Wertpapierhändler. Die Auktion zählt zu den Mitteln, mit denen die Fed das Finanzsystem stabilisieren will. Die Federal Reserve Bank von New York teilte den Primärhändlern über die „Terms Securities Lending Facility (TSLF)“ 75 Milliarden Dollar in Form erstklassiger amerikanischer Staatsanleihen zu, nachdem diese Gebote über 86,1 Milliarden Dollar abgegeben hatten.
Die Summe der Gebote legt die Vermutung nahe, dass die neue Kreditfazilität zwar willkommen ist, Investmentbanken und Wertpapierhändler aber nicht verzweifelt nach zusätzlicher Liquidität suchen. Die Fed will den Marktakteuren über die TSLF vorübergehend bis zu 200 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen