26.06.2006 · 18.000 australische Dollar verlangt ein australischer Comic-Shop für eine halbwegs gute Ausgabe des Erstling der „Fantastic Four“, der einst zehn Cents kostete. Wohl dem, der ein Exemplar besitzt? Aber versuchen Sie mal zu verkaufen...
Auf die sensationelle Wertentwicklung von Comics als Geldanlage macht die Hamburger PR-Agentor Faktenkontor aufmerksam. Die erste Ausgabe der Action Comics aus dem Juni 1938 etwa, wird heute mit etwa einer Million Dollar bezahlt. Ursprünglich hat sie einmal zehn Cent gekostet. Indes stellt das Heft die Geburtsstunde von Superman und damit eines ganzen Genres dar. Superman konnte damals übrigens noch nicht fliegen. Das lernte er erst später.
Auch andere Helden-Geburten werden teuer bezahlt. In einem australischen Comicladen findet sich eine Ausgabe der ersten Nummer der „Fantastic Four“ aus dem Jahr 1961. Sie wird als „Fine -“ eingestuft und soll 14.400 amerikanische Dollar kosten. Das Cover wurde leicht nachkoloriert, einige Seiten sind bereits vergilbt. Der gleiche Laden bietet auch eine Ausgabe des 13. Batman-Heftes aus dem Jahr 1942 an - gegen Gebot. Der Zustand ist „Good +“, da die Seiten schon etwas brüchig sind.
Zustand ist alles
Zustand ist bei Comic-Sammlern alles. Das liegt schlicht daran, daß das Medium zum einen sehr gering geschätzt wird, wenn die Ware neu ist. Der größte Teil der gedruckten Comics wird kurz nach Herstellung zerstört und nur von wenigen Käufern pfleglich behandelt. Zum anderen aber sind Comics von vornherein als „Einweg-Ware“ konzipiert. In den dreißiger bis fünfziger Jahren wurden Comics auf billigstem, holzhaltigem Papier (wood pulp) gedruckt, woher die Gattung seinerzeit ihren Name erhielt.
Daß überhaupt Hefte erhalten sind, ist nur den Mühen eifriger Sammler und Hobby-Konservatoren zu verdanken. Es hat sich daher seit Jahren eine Skala etabliert, auf der die Hefte eingeordnet werden und die von „Mint“ (druckfrisch) über „Very Fine“ und „Fine“ zu „Very Good/Good“, „Fair“ und „Poor“ reicht.
Die Anforderungen für ein „Mint“ sind im vergleich zur Empfindlichkeit des Mediums enorm. Auf dem Heft darf „praktisch kein Stäubchen lasten“, heißt es bei Comicmarktplatz.de, der damit den Zustand „0“ bezeichnet. Nur produktionsbedingte Unregelmäßigkeiten wie minimale Bindefehler oder andere minimale Druckmängel, die erst auf den zweiten Blick auffallen, können auftreten. Das Heft sollte ungelesen wirken.
Faustregel: Je älter, desto teuer
Die Preisunterschiede können groß sein. So werden für Heft 2 des Anfang der sechziger Jahre vom Lehning Verlag herausgegebenen Piccolos von „Tibor - Sohn des Dschungels“ im Zustand „Sehr gut“ 35 Euro verlangt, bei „Fast sehr gut“ sind es nur noch 20 Euro. Gekostet hat der Piccolo ursprünglich einmal 20 Pfennig.
Darüber hinaus bestimmen natürlich Angebot und Nachfrage den Preis. Faustregel: Je älter (früher in der Numerierung), desto wertvoller. Indes stimmt das nur näherungsweise. Neustarts, erste Auftritte eines später populären Charakters machen Einzelhefte besonders wertvoll - so etwa „Amazing Spiderman“ Nummer 129 - in dem zum ersten mal ein Mann namens Frank Castle in das Gewand des lynchjustizübenden „Punishers“ schlüpfte.
Da Comic mit der Zeit immer seltener werden, werden sie in der Regel auch immer teurer. Doch hier fangen die Probleme an. Erstens kann schon ein neues altes Heft den Markt schnell erschüttern, worauf auch „Faktenkontor“ richtig hinweist. Je seltener (und teurer) ein Heft, desto tiefer rutscht dann der Preis.
Praktisch illiquider Markt für hochpreisige antiquarische Comics
Was aber Comics als Geldanlage unbrauchbar macht, ist ein stark schwankender und insgesamt kaum existierender Markt. Die in Katalogen genannten Preise sind häufig historisch einmal bezahlte Preise, viel öfter aber noch Schätzungen. Diese Preise tatsächlich erzielen zu können, ist ein schwieriges Unterfangen.
Auch wenn der Markt noch so klein ist, handelt es sich praktisch um einen Käufermarkt. Das Auflösen einer Sammlung zu halbwegs vernünftigen Preisen ist fast unmöglich. Das liegt vor allem daran, daß die Käufer selbst Sammler sind, die die Stücke lange halten, so daß auf dem Markt wenig umgeschlagen wird. Was aber reichhaltig im Angebot ist, ist nicht selten und daher wenig wertvoll. Insofern bleibt es dabei: Lieber neue Comics kaufen, lesen und ab ins Altpapier - denn als Geldanlage lohnt es sich wirklich nicht.