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Geldanlage Weniger Zinsen für Tagesgeldkonten

10.11.2008 ·  Tagesgeldkonten sind spätestens in der Finanzkrise zu einer der beliebtesten Anlageformen geworden. Insbesondere ausländische Banken locken mit hohen Zinsen. Allerdings kann das riskant sein, da Institute wie die isländische Kaupthing Bank nicht an der deutschen Einlagensicherung teilnehmen.

Von Stefan Ruhkamp
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Die ersten deutschen Banken haben auf die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert und die Zinsen für Tagesgeldkonten reduziert. Gesenkt haben die Norisbank, Santander und laut Zählung der Finanzberatung Max Herbst acht weitere Banken. Zuvor hatte die EZB in der vergangenen Woche ihren Leitzins von 3,75 auf 3,25 Prozent herabgesetzt. Da auf den Kapitalmärkten mit weiter sinkenden Leitzinsen gerechnet wird, sollten sich auch die Inhaber von Tagesgeldkonten auf sinkende Erträge einstellen.

Keine deutsche Einlagensicherung

Die täglich verfügbaren Anlagen sind spätestens in der Finanzkrise zu einer der beliebtesten Anlageformen in Deutschland geworden. Nach Daten der Deutschen Bundesbank ist die Summe der von privaten Haushalten gehaltenen Bankeinlagen mit einer Laufzeit von weniger als zwei Jahren im September auf den Rekordwert von 300 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr und eine Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2005. Angelockt werden die Kunden von hohen Zinsen. Weil die Banken sich untereinander misstrauen, sind sie bereit, im Einlagengeschäft hohe Zinsen zu zahlen. Insbesondere einige ausländische Banken versprechen mehr als 5 Prozent.

Doch in den vergangenen Wochen mussten viele Anleger erkennen, dass es gute Gründe für die Zinsaufschläge gibt. Die isländische Kaupthing Bank, die zuvor besonders aggressiv um Kunden geworben hatte, musste den Zahlungsverkehr einfrieren. Das ist für die deutschen Kunden besonders schmerzlich, weil die Bank nicht an der deutschen Einlagensicherung teilnimmt. Die Geschädigten müssen abwarten, ob und wie viel die isländische Einlagensicherung zahlt.

Hiesiges Geschäft wird nicht von der Bafin kontrolliert

Beunruhigt sind nun auch die 6900 deutschen Kunden der lettischen Parex-Bank. Die lettische Regierung hat die zweitgrößte Bank des Landes für einen symbolischen Preis übernommen. Weil die Parex- Bank auf die Insolvenz zusteuere, habe die Regierung einen 51-prozentigen Anteil gekauft und dafür einen Lat gezahlt (1,40 Euro), teilte ein Pressesprecher von Ministerpräsident Ivars Godmanis am Sonntag in Riga mit. Die Parex-Bank hat nach eigenen Angaben drei Niederlassungen in Deutschland: in Berlin, Hamburg und München. Die Bank zahle in Deutschland nach wie vor Geld aus, sagte eine Sprecherin der Bank am Montag. Nach ihren Angaben halten deutsche Kunden 235 Millionen Euro Einlagen bei der Parex-Bank.

Die Absicherung der Parex-Kunden ist für den Fall der Insolvenz besser als die der Kunden von Kaupthing, hätte aber gleichwohl einige Nachteile im Vergleich zu deutschen Banken. Parex hat in Deutschland eine von Lettland aus beaufsichtigte Niederlassung und keine Tochtergesellschaft. Das hiesige Geschäft wird also nicht von der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin kontrolliert. Im Falle der Insolvenz – von der die Bank nach eigener Beteuerung weit entfernt ist – müsste zunächst die lettische Aufsicht eingreifen.

Mitglied im Sicherungsfonds der deutschen Banken

Dann müsste zunächst die lettische Einlagensicherung aufkommen. Das gilt auch für die deutschen Kunden, die ihre Ansprüche im Fall der Fälle in Lettland geltend machen müssten. Dort sind neuerdings Einlagen bis maximal 50.000 Euro je Kunde gedeckt. Nur für die darüber hinausgehenden Summen haftet der Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, in dem Parex Mitglied ist. Geschützt sind über den deutschen Fonds Einlagen bis 1,5 Millionen Euro je Kunde. Die Absicherung der Einlagen in ausländischen Sicherungsfonds ist in normalen Zeiten ein erträgliches Risiko. In der Finanzkrise wird die Finanzkraft kleinerer Staaten aber mehr und mehr in Frage gestellt.

Island sieht sich nach Darstellung der Regierung in einer Finanzkrise und vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. In großen Schwierigkeiten sind auch mehrere osteuropäische Staaten. Daher verlieren die zum Teil hohen Zinsangebote ausländischer Banken an Glanz. In der Spitzengruppe vertreten ist stets die indische ICICI, die 5,1 Prozent jährlichen Zins für ihr Tagesgeldkonto bietet. Auch hier handelt es sich um eine Niederlassung, die nicht von der deutschen Bafin beaufsichtigt wird.

Immerhin wird die Niederlassung aber, laut Bafin, von einer in Großbritannien ansässigen Gesellschaft des indischen Konzerns geführt und garantiert. Zudem ist ICICI Mitglied im Sicherungsfonds der deutschen Banken, bis zu einer Höchstsumme von 1,5 Millionen Euro je Kunde.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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