22.09.2008 · Liquidität ist jetzt gefragt. Doch Privatanlegern bieten sich nur wenige Produkte, die wirklich sicher sind. Tagesgeld ist es im Zweifel nicht. Da ist es ein Glücksfall, dass die Deutsche Finanzagentur kürzlich ihre Tagesanleihe auf den Markt brachte. Die allerdings schützt nicht vor der Abgeltungsteuer.
Von Christian von HillerLiquidität gilt in Finanzkrisen wie dieser als der beste Rat für Privatanleger, die ihr Geld vor weiteren Kursverlusten in Sicherheit bringen wollen. Aktien empfehlen sich derzeit selbst für jene langfristig orientierten Anleger nicht, die auf eine Rendite in den kommenden Jahren verzichten können. Sollten die Kurse an den internationalen Finanzmärkten weiter fallen, werden sich noch bessere Zeitpunkte für einen behutsamen Einstieg finden lassen.
Liquidität also. Doch welche Produkte bieten sich für Privatanleger an? In den vergangenen Jahren hat sich Tagesgeld als der Geldparkplatz schlechthin am deutschen Bankenmarkt etabliert. Allerdings birgt gerade diese Geldanlage in der laufenden Krise Gefahren.
Anleger, die ihr Erspartes in Tagesgeld anlegen, werden Gläubiger ihrer Bank und setzen sich somit dem Risiko aus, dass diese insolvent werden könnte. Dieses ist besonders groß, wenn sich Anleger für Banken entscheiden, die zwar hohe Zinsen bieten, aber nicht der europäischen Einlagensicherung unterliegen.
Risiko einer Insolvenz
Das Risiko, dass eine Bank insolvent wird, ist längst nicht mehr Theorie. Selbst eine weltumspannend tätige Investmentbank wie Lehman Brothers ist zahlungsunfähig geworden. Auch erstklassige Anbieter wie in den Vereinigten Staaten die Citigroup - die größte Bank der Welt - musste ihr Kapital erhöhen und einen saudischen Prinzen bitten, zusätzliche Anteile an der Bank zu kaufen.
Anleger sollten darauf achten, nur zu jenen Banken Tagesgeld zu tragen, die auch Mitglied der europäischen Einlagensicherung sind, und dort auch nur so viel anzulegen, wie im Insolvenzfall abgesichert ist. Dieser Rat ist mit Sicherheit richtig, doch droht Anlegern im Insolvenzfall auch dann Ärger. Als beispielsweise die Gontard & Metallbank 2002 zahlungsunfähig wurde, mussten die Kunden der Bank viele Monate lang warten, bis sie über ihre Guthaben tatsächlich wieder verfügen konnten.
Im Fall der Schwindelfirma Phoenix Kapitaldienst, die nicht der Einlagensicherung der Banken, sondern der Einlagensicherung der Wertpapierhandelsunternehmen angehörte, warten die Anleger seit Jahren darauf, dass diese zahlt.
Auch Geldmarktfonds haben Tücken
Tagesgeld wird, selbst wenn es nur bei Banken angelegt wird, die der Einlagensicherung angehören, möglicherweise sehr illiquide. Dem Bankkunden droht, dass er über sein Erspartes lange Zeit nicht verfügen kann und ihm diese Wartezeit auch nicht verzinst wird.
Welche Alternativen bleiben dem Anleger? Geldmarktfonds bieten den Vorteil, dass die Anteile an Investmentfonds nicht in das Eigentum von Fondsgesellschaften oder Banken übergehen. Sie sind Sondervermögen und bleiben somit im Eigentum der Anleger, was besonders hilfreich sein kann, falls die Fondsgesellschaft Insolvenz anmelden sollte. Allerdings ist bisher kein Fall eines Fondsanbieters in Europa bekannt, der von Zahlungsunfähigkeit akut bedroht wäre. Und in den Fällen, die sich in den Vereinigten Staaten ereigneten, ist bisher der amerikanische Staat eingesprungen.
Auch warnen die ersten Beobachter schon davor, dass die Anleger zu stark in Geldmarktfonds anlegen könnten. Dies könne zu neuen Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. Angesichts der insgesamt instabilen Lage an den Märkten lebt auch der Geldmarkt davon, dass sich Angebot und Nachfrage über den Zins ausgleichen. Der Geldmarkt ist zurzeit jedoch sehr schwankungsanfällig, wie die immer wieder notwendigen Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen. Seit Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr hat sie wiederholt Milliardenbeträge an zusätzlicher Liquidität auf dem Interbankenmarkt zur Verfügung gestellt.
Tagesanleihe bietet viele Vorteile
Es mag sich als Glücksfall herausstellen, dass die Bundesregierung vor kurzem mit der Tagesanleihe ein täglich verfügbares Produkt auf den Markt gebracht hat, das den kurzfristigen Anlagebedürfnissen der Anleger entgegenkommt.
Das Produkt verbindet laut Werbung der Deutschen Finanzagentur die „tägliche Verfügbarkeit eines Tagesgeldkontos oder Geldmarktfonds mit der Rückzahlungssicherheit einer Bundesanleihe“. Die Verzinsung orientiert sich am Eonia-Satz und damit an der Verzinsung für kurzfristig gehandelte Liquidität im Interbankenhandel.
Bis zu einer Million Euro können die Anleger an einem Tag wieder flüssig machen, wobei die Mindestanlage bei kleinanlegerfreundlichen 50 Euro liegt. Zudem können die Anleger auch direkt bei der Finanzagentur ein Depot eröffnen, so dass sie auch in diesem Fall völlig unabhängig von Geschäftsbanken die Tagesanleihe ordern können.
Kein Schutz vor der Abgeltungsteuer
Die Tagesanleihe bietet allerdings einen gravierenden Nachteil: Sie schützt den Anleger nicht vor der Abgeltungsteuer, die vom kommenden Jahr an erhoben wird. Vorausschauende Anleger können diese umgehen, wenn sie in diesem Jahr noch in einen Dachfonds investieren und diese Anteile mindestens ein Jahr lang halten.
Dachfonds investieren - je nach Lage an den Finanzmärkten - in vielversprechende andere Fonds und können dabei auch den Anteil an Geldmarktfonds stark heraufsetzen. Dies haben manche erfolgreiche Fondsanbieter auch getan. Deshalb können sich auch Dachfonds in dieser Börsenlage als einen interessanten Ausweg anbieten.
Dachfonds: Wo bleibt die Sicherheit.
Peter Müller (Jetztsageichetwas)
- 22.09.2008, 13:44 Uhr
Dachfonds mal wieder
Robert Klemme (rklemme)
- 22.09.2008, 15:14 Uhr
Einfach in Gold parken.
Reinhard Wolf (Pumuckel42)
- 24.09.2008, 01:51 Uhr