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Sonntag, 12. Februar 2012
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Geldanlage Keine Lehren aus der Finanzkrise

05.02.2009 ·  6 Prozent Zinsen jährlich in gut 14 Monaten - mit diesem Angebot geht die Frankfurter Sparkasse auf Kundenfang. Doch die Fallstricke liegen wie üblich im Kleingedruckten. Die Geldbranche scheint aus der Krise nicht gelernt zu haben.

Von Christian von Hiller
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Die Frankfurter Sparkasse überrascht dieser Tage mit einem Rätsel, das weder Kunden noch viele Berater auflösen können. Einen Ertrag von jährlich 6 Prozent nach gut 14 Monaten verspricht die Frankfurter Sparkasse ihren Kunden, wenn diese eine „Credit Linked Note auf Daimler AG der Commerzbank AG“ kaufen. „Eine interessante Alternative, wenn Sie auf der Suche nach einem Extra an Rendite sind“, heißt es in der Werbung.

Frankfurter Sparkasse? Das ist jenes Regionalinstitut, das sich bei tausenden Anlegern mit dem Verkauf von Zertifikate der pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers ins Gedächtnis gebrannt hat.

Auch das Hochzinsangebot scheint nur nach einem flüchtigen Blick auf den Zinssatz interessant. Denn die Rendite gibt es nur, wenn „in Bezug auf die Daimler AG als Referenzschuldner kein Kreditereignis eintritt“, heißt es weiter.

Beratungstermin zur Begriffsklärung

Kreditereignis? Ein spontaner Test vor einer Filiale der Frankfurter Sparkasse zeigt, dass kaum ein Kunde, der die Geschäftsstelle aufsucht, mit diesem Begriff etwas anfangen kann. Einer bemüht sich immerhin um eine Erklärung: „Na, ein Kreditereignis wird wahrscheinlich sein, wenn Daimler einen Kredit von der Sparkasse bekommt.“ Selbst Kundenberater der Frankfurter Sparkasse müssen rätseln, was damit gemeint ist, zumal der Begriff an keiner Stelle in der Werbung erläutert ist. Die Angestellten raten, einen Beratungstermin zu vereinbaren.

Ein Blick in ein banktechnisches Lexikon schafft Aufklärung. Ein Kreditereignis tritt demnach dann ein, wenn ein Schuldner nicht mehr sein Darlehen bedienen kann. Im Fall des Papiers, das die Frankfurter Sparkasse für die Commerzbank unter ihre Kunden gestreut hat, bedeutet dies: Sollte Daimler nicht mehr zahlen können, bekommen die Käufer dieser Anleihe lediglich den „festgestellten Endpreis“ zurückgezahlt. Wie hoch dieser Endpreis bei einem insolventen Schuldner liegt, mögen sich Anleger am liebsten nicht bis ins Detail ausmalen.

Im Extremfall null Prozent

Was das für die Käufer bedeutet, findet sich in einer anderen Passage: Da es für Anleihen eines insolventen Schuldners in dieser Zeit wohl kaum noch einen funktionierenden Markt geben dürfte, nimmt die Sparkasse den Durchschnitt des Preises, zu dem 5 Referenzbanken bereit gewesen wären, eine Anleihe von Daimler aufzukaufen. Dieser Wert werde in der Regel unter 100 Prozent liegen und könne im Extremfall 0 Prozent betragen.

Ach ja, und dann lässt es die Frankfurter Sparkasse nicht unerwähnt, dass der Anleihenkäufer auch noch ein Emittentenrisiko in Bezug auf die Commerzbank trägt, die dieses Papier schließlich emittiert hat. Das bedeutet, sollte die Bank sich an den Märkten oder mit der Übernahme der Dresdner Bank verhoben haben, müssen die Kunden der Frankfurter Sparkasse auch von dieser Seite mit Ungemach rechnen. Tatsächlich geht es darum, dass die Commerzbank auf diese Weise Forderungen gegenüber Daimler in ihrem Bestand an die Kunden der Frankfurter Sparkasse los werden kann.

Da hilft auch kein Vertrauen in die Schutzvorkehrungen für deutsche Bankkunden: „Zins- und Rückzahlungen unterliegen nicht der deutschen Einlagensicherung“, heißt es weiter. Das bedeutet, dass Anleger im schlimmstmöglichen Fall noch nicht einmal aus dem Einlagensicherungsfonds eine Entschädigung erhalten. Das ist zwar üblich bei solchen Konstruktionen, bleibt jedoch unerklärt.

Die Versuchung ist groß

Sie verkaufe dieses Produkt nicht in der breiten Masse, heißt es bei der Frankfurter Sparkasse. Vielmehr werde es nur ausgewählten vermögenden Privatkunden angeboten - „und dann auch nur als Beimischung“. Doch selbst wenn ein reicher Kunde einen Verlust aus einem solchen Engagement leichter tragen kann als der Durchschnittskunde einer Sparkasse, zeigt sich an diesem Beispiel, dass die Geldbranche seit dem Ausbruch der Finanzkrise ihre Beratungspraxis nicht grundlegend geändert hat. Denn der Unterschied zwischen einer Credit Linked Note und einer herkömmlichen Anleihe dürfte auch erfahrenen Privatanlegern nicht ohne weiteres klar sein.

Viele Anleger hatten gehofft, die Sparkassen hätten aus den Fehlern gelernt, die ihre Landesbanken in diese Finanzkrise getrieben haben. „Ein fairer, verlässlicher und menschlicher Umgang mit den Geschäftspartnern“ sei Teil ihres Leitbilds, schreibt die Frankfurter Sparkasse in ihren Präsentationen. Doch dazu hätte beigetragen, die Risiken bei dieser „Credit Linked Note auf Daimler AG der Commerzbank AG“ so zu beschreiben, dass ein durchschnittlicher Sparkassenkunde sie auf Anhieb verstehen kann.

Doch offenbar ist die Versuchung immer noch groß, die Kunden mit hohen Zinsversprechen zu locken, die sich bei näherem Blick in vielen Fällen als hoch riskant erweisen.

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