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Geldanlage Anlegen in Zeiten hoher Vermögenspreise

 ·  Thomas Meyer, Leiter der Vermögensverwaltung der deutschen Tochter der belgischen Bank KBC empfiehlt Anleihen aus Mittel-Osteuropa in lokaler Währung. Hier sieht er vor allem auf der Devisenseite mehr Chancen. Inflationsgeschützte Papiere sind derzeit eher kein Thema.

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Nachdem die Kurse an den Finanzmärkten den größten Teil des vergangenen Jahr schier unaufhaltsam nach oben strebten, ist die Entwicklung im Jahr 2010 nahezu zum Stehen gekommen. Der Dax, der knapp 64 Prozent zulegte, schwankt unterhalb seiner Höchststände, Öl kostet die Hälfte, Gold ein Viertel mehr. Unternehmensanleihen guter Bonität, die vor einem Jahr noch mehr als 4 Prozent abwarfen, bringen weniger als 3 Prozent Rendite, Hochzinsanleihen statt fast 26 nur noch wenig mehr als 9 Prozent.

Anleger, die nun Geld unterbringen müssen, stehen vor dem Problem, dass im Prinzip keine Anlageklasse mehr richtig attraktiv erscheint. „Eine Menge Liquidität vagabundiert um die Welt und fließt in diverse Vermögenswerte“, sagt Thomas Meyer, Leiter der Vermögensverwaltung der deutschen Tochter der belgischen Bank KBC. „Besonders nach Asien strömt das Geld. Deswegen begrüßen wir auch, dass dort allmählich die Zinsen angehoben werden.“ Die Kurse asiatischer Aktien außerhalb Japans haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Inflationsgeschützte Anleihen derzeit fair bewertet

Wenn es um Aktien geht, so sieht Meyer künftig die Höhe der Dividende als Kaufargument noch wichtiger werden. Ist das die Rückkehr der Witwen- und Waisenpapiere? „Wer will, kann das so formulieren“, sagt der Fondsmanager.

Angesichts dieser großen Mengen Geldes, das nach Verwendungsmöglichkeiten sucht, ergibt sich fast zwangsläufig immer wieder die Frage, ob sich Anleger nicht für eine drohende Inflation positionieren sollten. Doch Meyer winkt eher ab. „Wir halten das derzeitige Umfeld eher für deflationär“, sagt er und verweist auf die Unterauslastung der Kapazitäten und die hohe Arbeitslosigkeit. Das gelte auch noch für 2011, erst dann stelle sich die Frage, ob und wie den Notenbanken der Ausstieg aus der krisenbedingt lockeren Geldpolitik geglückt ist. Deswegen hält Meyer inflationsindexierte Anleihen, sogenannte Linker, auch kurzfristig für fair bewertet und mittelfristig betrachtet für eher preiswert.

Allerdings warnt er davor, die Produkte als Rundum-Sorglos-Versicherung gegen Inflationsgefahren zu verstehen. „Zum einen müssen sie verstehen, was sie kaufen. Realzinsen und Inflationserwartungen sind maßgeblich für die Kursbildung verantwortlich.“ Zudem ist in punkto Absicherung auch immer die Frage, welcher Inflationsindex zugrunde liegt und wie er berechnet wird, sagt Meyer und führt als Beispiel die (T)Euro-Debatte zu Beginn des Jahrzehnts ins Feld, die sich in den Geldbeuteln der meisten Verbraucher stärker niederschlug als in der offiziellen Inflationsrate. Nicht auszuschließen, dass der Linker den realen Wert des eigenen Vermögens nur unvollkommen schützt, gerade wenn es für die Altersvorsorge gedacht ist.

„Ungarn ist auf dem richtigen Weg“

Aktuell gibt er Anleihen aus den Schwellenländern Mittel-Osteuropas den Vorzug, die auf lokale Währung lauten, Rentenpapiere aus Tschechien, Polen, der Türkei und aus Ungarn also. Gehörten letztere nicht zu den Krisenländern der jüngsten Vergangenheit? „Da ist Jahre zuvor vieles falsch gelaufen“, räumt Meyer ein. Doch die Fehler werden revidiert, Verschuldung sowie Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit werden abgebaut: „Ungarn ist auf dem richtigen Weg“. Das sei in den Anleihekursen noch nicht enthalten, ebenso wenig sei auch die relative Stärke der polnischen Wirtschaft richtig gepreist. Noch immer seien die Renditen türkischer und mittel-osteuropäischer Anleihen im Vergleich zu Bundesanleihen höher als vor der Krise. „Da gibt es noch Potential für höhere Kurse“, sagt Meyer.

Gilt das auch für tschechische Anleihen, die trotz einer um vier Stufen schlechteren Bonitätsnote kaum einen Aufschlag gegenüber Bundesanleihen bieten? In diesem Fall sei das auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Das Land ist vergleichsweise klein und hat dabei die absolut geringste Staatsverschuldung und so auch ein eher ein geringes Angebot an ausstehenden Anleihen. Das stützt die Kurse.

Wechselkurse im Aufwertungstrend

Das entscheidende Argument für Meyer ist jedoch die Währungsseite. Er ist überzeugt, dass die Staaten als Werkbank Westeuropas und vor allem Deutschlands von der konjunkturellen Erholung profitieren werden. Die Region sei auch jetzt schon in besserer Verfassung als es der allgemeinen Sichtweise entspreche: „Tschechien und Polen sind nicht Lettland oder die Ukraine.“ Derzeit lägen die Wechselkurse immer noch unter den Niveaus, die sie vor der Finanzkrise innegehabt hätten, das gebe ihnen noch Aufwertungsspielraum.

Zudem sei die Nachfrage gut. „Institutionelle Investoren haben Leistungsverpflichtungen zu erfüllen. Die Rendite sicherer Anlagen reicht dazu aber nicht aus.“ Zudem böten die liquiden Märkte für lokale Schwellenländeranleihen eine gute Diversifizierungsmöglichkeit. Obendrein liefen Trendfolgesysteme in diese Richtung und verstärkten die Aufwärtstendenz. „Ich denke, dass der Markt noch mindestens 12 bis 18 Monate gut laufen wird.“

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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