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Gastkommentar Für Festverzinsliche brechen gute Zeiten an

 ·  Die Renditen auf Aktien und Anleihen liefern sich in nächsten Jahren ein enges Rennen, meint Christopher Farrell von BusinessWeek.

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Der Enron-Virus befällt immer größere Teile der Börse. Die Anleger strafen Unternehmen mit undurchsichtiger Finanzierung oder fragwürdigen Bilanzen, und es trifft nicht nur junge Telekomfirmen, sondern auch große, beständige Firmen wie IBM oder General Electric. Die Manager haben die Botschaft verstanden. Auch General Electric hat versprochen, seinen Anlegern detailliertere Zahlen über seine 26 Unternehmensbereiche vorzulegen als je zuvor.

Die Börse wird sich erholen, wenn die Anleger wieder Vertrauen in die Qualität der Unternehmensgewinne fassen und die Konjunktur wieder anzieht. Trotzdem werden Investoren, die ihr Geld in Aktien anlegen, in den nächsten Jahren von den erwirtschafteten Renditen eher enttäuscht sein.

Lehren aus der Geschichte

Sie könnten jedoch bei Rentenpapieren Trost finden, denn diese werden voraussichtlich gut mit Aktienrenditen mithalten können. Zwar haben sich Aktien über Zwanzigjahresperioden in den letzten 160 Jahren immer besser entwickelt als Rentenpapiere, aber die Rentenexperten der Deutschen Bank haben nur eine Wahrscheinlichkeit von 37 Prozent dafür ausgerechnet, dass Aktien in den nächsten 20 Jahren festverzinsliche Wertpapiere übertreffen werden.

Die Aussichten für Aktien sind im Vergleich zu der hervorragenden Entwicklung der letzten 20 Jahre schlecht. Die Dividendenrendite ist ein klassischer Maßstab, um langfristige Prognosen über Börsenrenditen abzugeben. In den letzten 50 Jahren lag die Dividendenrendite im S&P 500-Index bei durchschnittlich 3,5 Prozent. Während der Hausse der Neunzigerjahre stiegen die Aktienbewertungen ins Unendliche, während die Dividendenrendite im Gegenzug sank. Im Moment liegt sie bei etwa 1,3 Prozent.

Die Vergangenheit zeigt, dass auf Perioden mit niedriger Dividendenrendite normalerweise schwache Wertpapierrenditen folgen und umgekehrt. Auf die niedrige Dividendenrendite in der Mitte der Sechzigerjahre folgten die geringen Wertpapierrenditen der Siebziger; die hohe Dividendenrendite in jenem Jahrzehnt dagegen bereitete den Boom der Achtzigerjahre vor. Die Börsenkurse werden wohl weiter niedrig bleiben, bis die Dividendenrendite wieder auf einem normaleren Niveau angelangt ist.

Es gibt noch eine andere Methode, um die Entwicklung von Aktien vorherzusagen: Man kombiniert die durchschnittliche Dividendenrendite mit der durchschnittlichen Wachstumsrate der Konjunktur. Damit erhält man eine vernünftige Schätzung der inflationsbereinigten Aktienrenditen. In den letzten 50 Jahren lag das inflationsbereinigte Wachstum der US-Konjunktur durchschnittlich bei 3,4 Prozent pro Jahr. Für die Zukunft haben die Wirtschaftsexperten der Fed berechnet, dass die amerikanische Konjunktur zwischen 3,5 und 3,75 Prozent wachsen darf (mit dieser „Geschwindigkeitsbegrenzung“ erzielt man das höchstmögliche Wachstum, ohne die Inflation anzuheizen). Wenn man die Dividendenrendite von 1,3 Prozent und die reale Wachstumsrate von 3,4 Prozent zusammenrechnet, erhält man eine vernünftige Prognose für die effektiven Aktienrenditen von zirka fünf Prozent.

Deflationäre Kräfte

Das ist natürlich weit unter dem Durchschnitt der inflationsbereinigten Renditen von 12,57 Prozent, die in den Jahren 1981 bis 2000 erzielt wurden. Mehrere Faktoren haben zu dieser hervorragenden Entwicklung geführt: das Ende des Kalten Krieges, der Beginn des Informationszeitalters und eine gute Mischung aus Geld- und Fiskalpolitik. Am wichtigsten aber war ein Rückgang der Inflationsrate von zweistelligen Zahlen in den niedrigen einstelligen Bereich. Der Verbraucherpreisindex, der weitgefassteste Inflationsmaßstab, ist im Jahresvergleich bisher nur um 1,1 Prozent gestiegen; dies ist der langsamste Anstieg seit 15 Jahren.

Der wirtschaftliche Wettbewerb wird immer härter, nachdem sich der Kapitalismus auf der ganzen Welt ausgebreitet hat. Von Silicon Valley bis Shanghai steigt der deflationäre Druck, und Unternehmen werden feststellen, dass es nahezu unmöglich ist, die Preise zu erhöhen. Nach einem Bericht der Deutschen Bank ist die Inflationsrate in den G7-Staaten auf einem so niedrigen Niveau, dass sie in Zukunft kaum noch tiefer sinken kann. Ab einem gewissen Zeitpunkt schränkt diese niedrige Inflationsrate die Fähigkeit der Unternehmen ein, ihre Gewinne zu steigern.

Ziemlich attraktiv

In der Regel laufen festverzinsliche Papiere gut, wenn die Inflationsrate niedrig ist. Anleger können gegenwärtig eine Rendite von 3,5 Prozent für amerikanische Staatsanleihen, die im Jahr 2029 fällig werden, festschreiben. Das ist eine beachtliche Rendite, ohne jedes Kredit- oder Inflationsrisiko. Unternehmensanleihen großer Firmen sind, im Vergleich zu Aktien, heutzutage ebenfalls ziemlich attraktiv.

Sicher haben Aktien festverzinsliche Wertpapiere in den letzten 50 Jahren um ungefähr sechs Prozentpunkte übertroffen. Aber in den nächsten Jahren werden Anleger vielleicht weniger in Aktien investieren, sondern stattdessen ihr Geld gewinnbringend am Rentenmarkt anlegen. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Renditen auf Aktien und Rentenpapiere in den ersten zehn Jahren dieses Jahrhunderts ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern werden.

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