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„Frühlingsfest-Anleihe“ Null bis 20 Prozent Zinsen

16.03.2006 ·  Bei einem neuen Zertifikat der Landesbank Berlin kann der Anleger schnell den Überblick verlieren: Bis zu 20 Prozent Zinsen sind drin. In diesem Jahr allerdings wäre der Kupon bei einem ähnlich strukturierten Produkt ausgefallen - die Börse lief zu gut.

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Es gibt Zertifikate, die übersichtlich gestaltet sind. Ein Indexzertifikat zum Beispiel: Jeden Tag kann der Anleger mit einem Blick auf den Index feststellen, wie sich sein Papier entwickelt. Andere Zertifikate dagegen sind so gestrickt, daß der Anleger recht schnell den Überblick verlieren kann.

Jüngstes Beispiel ist die „Frühlingsfest-Anleihe“ der Landesbank Berlin (Isin DE000LBB01P4). Dieses Zertifikat zum Preis von 500 Euro plus 1,5 Prozent Agio kann noch bis zum 13. April, einen Tag vor Karfreitag, gezeichnet werden. Fällig wird das Papier am 20. April 2010.

Theoretisch sind 20 Prozent Zins drin…

Im ersten Jahr bekommt der Anleger einen garantierten Kupon von etwa 4,5 Prozent, der genaue Zins wird am Emissionstag festgelegt. Das ist noch nachvollziehbar. Doch jetzt wird es spannend. Im zweiten bis vierten Jahr beträgt der Kupon nämlich stolze 20 Prozent - aber nur, wenn keine der Korbaktien zum 13. April des Jahres außerhalb der Kursspanne von plus oder minus 20 Prozent notiert.

Für jede Aktie, die weniger als 80 Prozent oder mehr als 120 Prozent des Startniveaus kostet, werden 2,5 Prozentpunkte vom Kupon abgezogen. Im Basiskorb liegen 25 europäische Blue Chips, etwa Adidas, BP, Deutsche Telekom und Metro. Wer wissen will, mit viel Zins er rechnen kann, muß also 25 Aktien im Blick haben.

… aber auch kein Kupon ist denkbar

„Negative Kupons werden nicht ausgeschüttet“, heißt es im Infoblatt der Bank. Aber daß kein Kupon ausgezahlt wird, kann durchaus vorkommen, wie ein Blick zurück beweist: In diesem Jahr hätte der Anleger auf seine Auszahlung wohl verzichten müssen, weil elf der 25 Aktien in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen haben, wie die Financial Times Deutschland vorrechnet.

In den vergangenen Monaten lief die Börse sehr gut, kaum jemand erwartet, daß der Dax in diesem Jahr wieder fast 30 Prozent gewinnt. Doch die Kuponauszahlung würde schon ausfallen, wenn nur acht Aktien aus der Kursspanne fallen. Die Wahrscheinlichkeit dafür nimmt übrigens Jahr für Jahr zu, denn die Aktien werden am Bewertungstag nicht mit dem Stand im Vorjahr verglichen, sondern mit dem Stand am Emissionstag. Ein Papier, das in den nächsten Monaten 20 Prozent gewinnt und dann seitwärts tendiert, bringt dem Anleger also auch in den darauffolgenden Jahren nichts.

Nur für wenige Anleger geeignet

Diese Frühlingsfest-Anleihe eignet sich also für Anleger, die Wert auf Kapitalschutz legen und fest damit rechnen, daß sich die Börse in den kommenden Jahren kaum vom Fleck bewegt.

Wer der Börse mehr zutraut, ist mit dem Kauf einiger Aktien aus dem Basiskorb wohl besser beraten. Parallel dazu könnte er sich an der Eurex mit Optionen gegen zu große Kursverluste absichern (siehe auch: Ob Long, ob Short - ein Teil vom Geld ist immer fort). Pessimistische Anleger dagegen können ihr Geld ganz konservativ auf ein Tagesgeldkonto legen oder in Anleihen guter Schuldner investieren - da sind die Zinsen nicht nur im ersten Jahr sicher.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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