In der nächsten Woche könnten die Telefone bei der deutschen Staatsbank KfW wieder heißlaufen. Denn am Donnerstag tagen die europäischen Regierungschefs in Brüssel, was bedeutet: Einmal mehr wird über das Schicksal des Euro verhandelt.
Und je besorgniserregender das Ergebnis ausfällt, desto mehr Telefonanfragen erhält die KfW. Die Anrufer werden sich nach norwegischen Kronen erkundigen, nach australischen Dollar und selbst nach brasilianischen Real. So war das in den vergangenen Monaten immer, wenn die Krise zuschlug.
Hoher Bedarf
Ausgerechnet die deutsche Staatsbank KfW bietet Anlegern den perfekten Fluchtweg aus dem Eurodrama. Um ihre zahlreichen Förderprogramme zu finanzieren, muss die Bank nämlich regelmäßig neue Anleihen auf den Markt bringen - stolze 80 Milliarden Euro pro Jahr.
Fast die Hälfte dieser Summe begibt sie in Anleihen, die nicht in Euro notieren, sondern in ausländischen Währungen: Vom amerikanischen Dollar bis zur türkischen Lira hat die KfW insgesamt 14 verschiedene Devisen im Angebot. In erster Linie sind diese Währungsanleihen zwar für Großinvestoren gedacht. Aber bei den meisten Papieren können auch Privatleute zugreifen. Kaufen können sie die Anleihen beispielsweise über die Börse oder mit Hilfe ihrer Hausbank.
Chance auf Wechselkursgewinne
Gerade für Investoren, die das Vertrauen in den Euro verloren haben, ist das eine reizvolle Offerte. Denn inmitten der Krise bieten ihnen die KfW-Anleihen gleich zwei große Vorteile. Zum einen sind die Papiere nahezu ausfallsicher - schließlich steht am Ende der deutsche Staat für alle Verpflichtungen der Bank ein. Von den Ratingagenturen erhält die KfW darum die Bestnote „AAA“.
Und zum anderen locken die Papiere nicht nur mit regelmäßigen Zinszahlungen wie normale Anleihen, sondern zusätzlich mit der Aussicht auf Währungsgewinne. Sollten sich die Sorgen um Europa wieder zuspitzen, könnte der Kurs des Euro fallen.
Wie stark das Plus sein kann, zeigt das Beispiel des kanadischen Dollar: Gegenüber dem Euro hat er in den vergangenen zwölf Monaten bereits um mehr als zehn Prozent zugelegt. Eine Garantie auf Gewinne gibt es aber nicht. Die brasilianische Landeswährung Real etwa verlor gegenüber dem Euro im gleichen Zeitraum mehr als sieben Prozent.
Unterschiedliche Aussichten
Auf welche Währungsanleihen der KfW sollten Euroskeptiker derzeit setzen? Trotz des jüngsten Kursrückgangs sind die Analysten der Commerzbank gerade für Brasilien positiv gestimmt: Anders als die Staaten des Euroraums ist das Land kaum verschuldet, und mit 7,25 Prozent notiert der Leitzins auf einem hohen Niveau - beides macht Investitionen in brasilianischer Währung attraktiv.
Denn nicht allein das große Thema der Euro-Krise beeinflusst die Kursentwicklung an den Devisenmärkten, sondern auch die Wirtschaftsdaten eines Landes. Dies ist ein Grund, warum viele Analysten der türkischen Lira gegenüber skeptisch eingestellt sind - die Türkei hängt zu sehr von Exporten ab. Der Höhenflug des kanadischen Dollar dagegen könnte sich fortsetzen: Die Schuldenlast Kanadas ist gering, der Reichtum an Bodenschätzen sichert dem Staat Einnahmen - eine Mischung, die Devisenanleger gerne mögen. Zu dieser Gruppe starker Rohstoffwährungen zählen auch der australische und der neuseeländische Dollar.
Am deutlichsten jedoch würde eine andere Währung von einem Absturz des Euro profitieren: der amerikanische Dollar. Die Leitwährung der Welt ist in Krisenzeiten immer noch der erste Fluchtpunkt für alle internationalen Großinvestoren und würde allein schon deshalb aufwerten. Eines jedoch muss Anlegern bewusst sein: Stabilisiert sich der Eurokurs, wäre das Dollar-Investment ein denkbar schlechtes. In kaum einer anderen KfW-Anleihe sind die Renditen nämlich so niedrig, Bis zu Laufzeiten von fünf Jahren liegen sie unter einem Prozent.
Wenn es jetzt nochmal knallt, dann knallt es richtig....
Martin Bebel (MaBe1968)
- 16.10.2012, 22:59 Uhr
Überkauft und überteuert, bspw. nach Kaufkraftparität
Martin Enzinger (FlorianGeyer)
- 16.10.2012, 20:33 Uhr
Chance auf Wechselkursgewinne...
Jens Puhr (jpuhr)
- 16.10.2012, 19:46 Uhr
"Zum einen sind die Papiere nahezu ausfallsicher...
Thomas Berger (tberger)
- 16.10.2012, 18:31 Uhr